Krisenalltag in Griechenland – Gewerkschafterinnen berichten

30. August 2012  In Bewegung
Am 29. August trafen Werner Dreibus, Sabine Leidig und ich uns mit Gewerkschafterinnen aus Griechenland.

Die Lehrerin Agiro Baduva, Vorstandsmitglied der Lehrergewerkschaft, und die Software-Ingenieurin Alkistis Tsolakou, Betriebsratsvorsitzende von Nokia-Siemens Hellas, sind auf Einladung der DGB-Jugend Hessen-Thüringen auf Solidaritätstour in Hessen unterwegs. Drastisch schilderten sie gestern im Wahlkreisbüro von Werner Dreibus in Hanau die aktuelle Lage in Griechenland und diskutierten mit den drei linken Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz, Werner Dreibus und Sabine Leidig sowie etlichen Gästen.

Die beiden griechischen Gewerkschafterinnen Argiro Baduva (links) und Alkistis Tsolakou (rechts), (Mitte: Übersetzer). (Foto: DIE LINKE. Main-Kinzig)

„Fünf Jahre Sparpolitik der sozialdemokratischen und konservativen Regierungen in Griechenland zeigen: so funktioniert das nicht“, stellte Alkistes Tsolakou unter anderem fest. Die Staatsschulden seien weiter gewachsen, die Arbeitslosenquote auf über 27 Prozent gestiegen. Die Aufhebung der Tarifverträge habe zu einer deutlichen Verringerung der Einkommen, des Konsums und der Steuereinnahmen geführt. Die Privilegien der Reichen seien dagegen geblieben.

Agiro Baduva ergänzte aus ihrer persönlichen Erfahrung die Situation im Bildungsbereich: Die Regierung habe 2000 Schulen geschlossen, die Kosten für den längeren Schulweg aber nicht übernommen. Die Lehrmittelfreiheit sei abgeschafft und im Winter würden an vielen Schulen die Heizung abgestellt. Es sei keine Seltenheit, dass Schülerinnen oder Schüler aus Müdigkeit oder Hunger von Stuhl fallen“.

„Die authentische Schilderung, was die angeblich so alternativlose Sparpolitik mit der Mehrheit der Menschen in Griechenland macht, geht unter die Haut“, resümierten die drei linken Bundestagsabgeordneten gegen Ende des Gesprächs. Wichtig sei, dass wir die Katastrophenpolitik der EU, insbesondere Deutschlands, und der griechischen Regierung kritisieren, aber nicht die Griechen. Die griechische Bevölkerung brauche vielmehr unsere Solidarität und unseren Einsatz für eine alternative Politik, die beispielsweise das Spardiktat beende, die unsozialen Kürzungen rückgängig mache, für eine vernünftige Besteuerung der Reichen sorge und dem Staat zinsgünstige Kredite direkt über die EZB bereitstelle.


Ausdruck vom: 23.05.2019, 07:02:59 Uhr
Beitrags-URL: http://christinebuchholz.de/2012/08/30/krisenalltag-in-griechenland-gewerkschafterinnen-berichten/
© 2019 Christine Buchholz, MdB