von der Leyen – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Thu, 29 Aug 2019 08:49:14 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Bundesregierung unterstützt sudanischen Despoten gegen Flüchtlinge https://christinebuchholz.de/2018/03/23/bundesregierung-unterstuetzt-sudanischen-despoten-gegen-fluechtlinge/ Fri, 23 Mar 2018 07:36:12 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6784 Bundesregierung und EU kooperieren mittlerweile mit dem sudanesischen Regime unter Präsident Bashir. Der Despot erhält Millionen, um mit seinen Milizen Flüchtlinge an den Grenzen zu bekämpfen. Vor diesem Hintergrund soll der Einsatz deutscher Soldaten und Polizisten im Sudan und dessen Bürgerkriegsprovinz Darfur verlängert werden. DIE LINKE lehnt diesen Einsatz ab.

]]>
Münchner Sicherheitskonferenz ist Schaulaufen der Kriegstreiber https://christinebuchholz.de/2018/02/18/muenchner-sicherheitskonferenz-ist-schaulaufen-der-kriegstreiber/ Sun, 18 Feb 2018 10:49:19 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6723 Rede auf der Demonstration gegen die Sicherheitskonferenz in München am 17.02.2018

Grenzen für Flüchtlinge öffnen und für Waffen schließen

Es ist absolut inakzeptabel, dass Kerem Schamberger und weitere verhaftet wurden. Wir wehren uns gegen die Kriminalisierung des kurdischen Widerstands.
Es ist ein besonderer Skandal, weil die Kriegstreiber hier bei der Münchner Sicherheitskonferenz sind. Es ist legitim die Symbole und die Fahnen des kurdischen Widerstandes zu tragen.

An diesem Wochenende treffen sich hier in München die Mächtigen der Welt zu ihrer sogenannten „Sicherheitskonferenz“. Vertreten sind nicht weniger als 20 Staats- und Regierungschefs, etwa 80 Außen- und Verteidigungsminister.
In München reden sie über Sicherheit und Stabilität. Sie versprechen, die Welt friedlicher zu machen. Doch wenn wir nach Afrin blicken; wenn wir nach Idlib oder Ghouta blicken; oder nach Afghanistan, in den Jemen: Dann sehen wir, was sie wirklich meinen, wenn sie von Sicherheit und Stabilität sprechen.
Sie, die Mächtigen der Welt, schicken Bomber und Drohnen. Sie sagen, sie bekämpfen „Terroristen“. Doch sie treffen Wohnungen, Schulen und Krankenhäuser. Unter den Trümmerbergen sterben ungezählte Zivilisten.
Und selbst der Leiter der Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnt: „Wir haben noch nie seit dem Ende der Sowjetunion eine so hohe Gefahr auch einer militärischen Konfrontation von Großmächten gehabt.“ Die Gefahr einer Militärischen Konfrontation zwischen den Großmächten oder sogar eines Atomkrieges ist real. Dafür sind wesentlich die verantwortlich, die sich hier im Bayerischen Hof treffen.

Die Münchener Sicherheitskonferenz bringt keine Sicherheit  – sie ist ein Schaulaufen der Kriegstreiber dieser Welt!

Und Deutschland ist dabei bei den Kriegen. Es ist noch kein Jahr her, da lieferte die deutsche Luftwaffe die Zielbilder für ein Angriffsziel im syrischen Dorf Al-Mansura. In der nächsten Nacht wurde es von US-Bombern angegriffen.
Es handelte sich um eine Schule, in der Flüchtlinge untergebracht waren. Damals hieß es, 33 Menschen sind umgekommen, darunter viele Frauen und Kinder. Heute wissen wir, es gab rund 200 Tote. Ich sage: Das war ein Verbrechen! Und frage: Wieviel Al-Mansuras gab und gibt es noch, von denen wir nichts in den Medien lesen?
Nun heißt es, der IS sei geschlagen. Doch wir sehen: der Krieg in Syrien geht weiter. Die ausländischen Mächte führen mittlerweile auf syrischem Boden gegeneinander Krieg. Und wenn es nach dem Willen der sogenannten Verteidigungsministerin Von der Leyen geht, mischt Deutschland weiter mit.
Die Bundeswehr hat nichts im Mittleren Osten zu suchen. Und auch nicht Afghanistan. Und auch nicht in Mali!

Die Bundeswehr muss umgehend aus allen Auslandseinsätzen zurückgezogen werden

Blicken wir zurück, dann stellen wir fest: Noch vor wenigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass deutsche Soldaten im Nahen und Mittleren Osten im Einsatz sind, und gleichzeitig am Rande der Sahara, und gleichzeitig in Litauen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Und gestern forderte von der Leyen „mehr Entschlossenheit beim militärischen Einsatz“.
Wir sagen nein, wir haben genug von diesen Tabubrüche. Sie haben ihren Ausgangspunkt auch hier, in München. Auf der Münchener Sicherheitskonferenz vor vier Jahren forderten Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundespräsident Joachim Gauck unisono: Deutschland dürfe „nicht mehr von der Seitenlinie zuschauen“.
Frau von der Leyen: Aber das hier ist kein Fußballspiel! Es geht um Krieg. Es geht darum, dass deutsche Interessen – also deutsche Wirtschaftsinteressen – auch militärisch verteidigt werden sollten! Genau diese imperialistischen Ambitionen der Staaten sind der Treiber für neue Kriege.

Von Deutschen Boden soll nie wieder Krieg ausgehen

Schauen wir uns die Welt an, wie sie in den letzten Jahren „sicherer“ geworden ist. Vorgestern kam eine neue Studie der NGO „Save the Children“ heraus. Eins von sechs Kindern auf der Welt lebt mittlerweile in einem Konfliktgebiet. Das sind 357 Millionen Jungen und Mädchen. Dies bedeutet einen Anstieg um mehr als 75 Prozent seit Anfang der Neunzigerjahre!
Diese 357 Millionen Kinder werden groß mit der Angst vor Bürgerkrieg oder Bombardierungen aus der Luft. Immer mehr Jungen und Mädchen werden dabei getötet oder verstümmelt: Die Zahl ist seit dem Jahr 2010 um fast 300 Prozent angestiegen! Die Zahl der Vorfälle, bei denen Kindern der Zugang zu humanitärer Hilfe verweigert wurde, ist im gleichen Zeitraum um 1500 Prozent gestiegen. Die Bilder von ausgehungerten Kindern im Jemen oder in Ghouta sind unerträglich. Und sie sind eine Anklage gegen diejenigen, die Hilfskonvois blockieren.
Und eine Anklage gegen die Architekten der Geopolitik, die auf Konferenzen wie hier in München das austüfteln, was sie für „Stabilität“ halten. Sie haben die Welt unsicherer gemacht. Deshalb demonstrieren wir hier heute!

Krieg und Armut zwingen Menschen in die Flucht

Es ist zynisch, dass die Groko Obergrenzen und Lager für Flüchtlinge einführen wird. Hören sie endlich auf, Flüchtlinge zu bekämpfen. Öffnen Sie Grenzen für Flüchtlinge und schließen sie Grenzen für Waffen.
Wenn es nach dem Willen der alten und neuen Bundesregierung geht, dann soll Deutschland überall militärisch mitmischen. Schauen wir uns deshalb einmal die neue Koalitionsvereinbarung an: Wenn man Zeitungen liest, bekommt man den Eindruck: Die Vereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD sähe vor, Deutschland abzurüsten.
Ich gebe euch ein Beispiel. Der ehemalige Generalinspekteur Naumann sprach in der Süddeutschen Zeitung jüngst von einer „Dokumentation der Verantwortungslosigkeit“. Er behauptet die Bundeswehr sei „nahezu ruiniert“.
So ein Quatsch! Der Sinn solcher Äußerungen ist es, der Öffentlichkeit einzureden, an Rüstung und Militärischem werde seit Jahren gespart. Das ist eine Lüge. Seit zwanzig Jahren ist der Militärhaushalt konsequent angestiegen. 1999 betrug er umgerechnet 24 Milliarden Euro. Heute 37 Milliarden Euro. Und er soll in den nächsten drei Jahren auf über 41 Milliarden steigen.
Das sogenannte 2-Prozent-Ziel, zu dem sich die Bundesregierung bekennt, würde nahezu auf eine weitere Verdopplung des Militärhaushaltes bedeuten. Die GroKo ist entschlossen, die Bundeswehr weiter aufzurüsten und der Rüstungsindustrie fette Profite zu verschaffen. Das ist ein gefährlicher und teurer Irrweg.

Abrüsten, nicht Aufrüsten, ist das Gebot der Stunde!

Schauen wir uns einige Aspekte des Koalitionsvertrages an:
Erstens hatte SPD-Kanzlerkandidat Schulz im Wahlkampf versprochen, er wolle sich für einen Abzug der Atombomben aus Büchel stark machen. Aber was finden wir im GroKo-Papier? Ein Bekenntnis zur sogenannten nuklearen Abschreckungsdoktrin der Nato, und ein Bekenntnis zur sogenannten Nuklearen Teilhabe.
Zweitens: Im letzten Sommer noch entstand in den Medien der Eindruck, die SPD hätte die Kampfdrohne gestoppt. Auch davon ist nichts mehr zu lesen. Ganz im Gegenteil: die israelische Kampfdrohne Heron TP soll gemietet werden – als Zwischenlösung, bis dann eine eigene, teure europäische Kampfdrohne entwickelt worden ist, unter deutscher Führung.
Drittens schreiben SPD und CDU/CSU von einem Aufbruch für Europa. Das hört sich für viele so an, als sei es ein Bekenntnis gegen Nationalismus und für Völkerverständigung.
Das ist falsch. In der Koalitionsvereinbarung wird Europa als „Pesco“ buchstabiert, übersetzt ins Deutsche: Als „Ständige Strukturierte Zusammenarbeit“. Dabei geht es um nichts anderes als:
1. einen europäischen Verteidigungsfonds;
2. ein europäisches militärische Hauptquartier;
3. europäische Rüstungsprojekte, insbesondere bilaterale Projekte zwischen Deutschland und Frankreich, Deutschland und den Niederlanden, Deutschland und Norwegen.
Mit anderen Worten: Wenn die GroKo mehr Europa verspricht, dann verspricht sie mehr Geld für Rüstung und die Rüstungsindustrie, sowie mehr internationale militärische Einsätze.
Außen steht Frieden drauf, innen steckt Krieg drin.
Das ist keine Aufbruch für Europa, sondern europäischen Waffenbrüderschaft!

Wir wollen keine Kriegsbeteiligung – weder alleine noch im Rahmen der EU

Der Koalitionsvertrag ist ein friedenspolitischer Offenbarungseid! Die Bundesregierung trägt so ihren Anteil zur Anheizung des internationalen Rüstungswettlaufs. Das macht den Frieden unsicherer.
Doch Schuld sind natürlich immer nur die Anderen. Ja, Chinas Militärhaushalt wächst seit Jahren stark an, auf sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. China liegt bei den Verteidigungsausgaben mit rund 150 Milliarden US-Dollar weltweit auf Platz Zwei vor Saudi-Arabien und Russland. Allerdings dürfen wir den Wald vor Leute Bäumen nicht übersehen.
1. Europa war im vergangenen Jahr die Region mit den am schnellsten wachsenden Verteidigungsausgaben weltweit.
2. Die USA sind der absolute Rekordhalter. Sie haben einen Militärhaushalt von über 600 Milliarden Dollar. Und nun soll dieser Haushalt auf fast 690 Milliarden Dollar steigen! Das ist viereinhalbmal so viel wie der Militärhaushalt in China. Und 11-mal mehr als in Russland.
Die Wahrheit ist: Es ist die NATO und ihre Vormacht USA, die der größte Treiber des internationalen Rüstungswettlaufs ist. Die NATO bedeutet Rüstungswettlauf. Die Nato bedeutet Krieg. Die Nato bedeutet Atombomben in Büchel.

Deutschland muss raus aus der Nato!

Und wofür das alles? Wofür brauchten die Mächtigen all die Waffen? Am Ende für den Krieg gegeneinander. Nie seit Ende der 80er Jahre war der Weltfrieden so gefährdet wie jetzt.
Das ist nichts anderes als – Wahnsinn. Die Mächtigen der Welt reden hier in München mit schönen Worten in der heimeligen Atmosphäre eines Luxushotels, während sie in ihren Hauptstädten die Zerstörung anderer Länder planen.
Lassen wir uns nicht von diesen Worten täuschen – Ihre Reden sind nur die Zwischenphase zwischen den nächsten Konflikten. Dauerhafter und gerechter Frieden wird uns nicht in Verhandlungsrunden der Mächtigen oder auf dem diplomatischen Parkett gebracht.
Dauerhafter und gerechter Frieden müssen wir uns erkämpfen. Dieser Kampf ist auch ein Kampf gegen Nationalismus und Rassismus, gegen die rechten Hetzer, die gerade erstarken in vielen Ländern.
Unsere Verbündeten sind diejenigen, die gegen ihre Herrschenden und Unterdrücker in ihren Ländern kämpfen. Unsere Verbündeten sind die kurdische und türkische Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner. Es sind die Soldatenmütter in Russland, die Anti-Trump-Bewegung in den USA, die Streikenden in Griechenland, die Millionen, die Südkorea eine korrupte Präsidentin gestürzt haben.
Vor Hundert Jahren wurde der Weltkrieg durch Widerstand beendet. Vor fünfzig Jahren hat eine internationale Protestbewegung die USA gezwungen den Krieg in Vietnam zu beenden.
Es ist die internationale Solidarität von unten, die uns stark macht. Stoppen wir ihre Kriege – Wir haben eine Welt zu gewinnen!

]]>
Vier Jahre Große Koalition: Aufrüstung und globale Intervention – Eine Bilanz aus friedenspolitischer Sicht https://christinebuchholz.de/2017/09/12/vier-jahre-grosse-koalition-aufruestung-und-globale-intervention-eine-bilanz-aus-friedenspolitischer-sicht/ Tue, 12 Sep 2017 09:22:41 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6597 FriedensJournal_logo_klein
Artikel erschienen im Friedensjournal 5/2017

Am 24. September wird der nächste Bundestag gewählt. Grund genug, die Verteidigungspolitik der letzten Regierung zu bilanzieren.

Friedenspolitisch sind vier Jahre Große Koalition vier Jahre der Negativrekorde. 2017 wurde der größte Militärhaushalt seit dem 2. Weltkrieg beschlossen. In vier Jahren wurden sieben neue Bundeswehreinsätze außerhalb des Nato-Bündnisgebietes beschlossen, 2015 und 2016 wurden Rekordwerte bei den Rüstungsexporten erzielt.
Interessant: Kaum näherte sich die Regierungszeit der Großen Koalition ihrem Ende, da begann die SPD friedenspolitisch links zu blinken. Im vergangenen März bezeichnete der sozialdemokratische Außenminister Sigmar Gabriel die Anhebung der Militärausgaben auf 2 Prozent des Bruttosozialprodukts, wie es die Nato fordert, als „unrealistisch“. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bekräftigte dies und erklärte im Juni: „Ich unterwerfe mich keiner Aufrüstungsspirale à la Trump.“
Leider hielt die Abrüstungsrhetorik nicht lang vor. Nur zwei Wochen nach Schulz‘ Äußerung stimmte die SPD auf einer einzigen Sitzung des Verteidigungsausschusses über
20 Aufrüstungsvorhaben im Gesamtvolumen von über 11 Milliarden Euro zu. Darunter Kampf- und Schützenpanzer, Militärsatelliten, Lufttransporter, Kriegsschiffe und vieles mehr. Die Frage ist nicht, ob die Aufrüstungsziele der Nato unrealistisch sind. Sondern, welche Rüstungsprojekte die Sozialdemokraten konkret stoppen wollen, um die Aufrüstungsspirale zu stoppen.
 
Immer mehr Auslandseinsätze
Gabriel und Schulz wollen im Wahlkampf vergessen machen, dass die SPD als Teil der Großen Koalition vier Jahre lang den Aufrüstungskurs von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen konsequent mitgetragen, zuweilen sogar forciert hat. So war einer der Architekten der Resolution zur Bekräftigung des 2-Prozent-Zieles auf der Nato-Konferenz in Wales 2014 niemand anderes als der damalige sozialdemokratische Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Zuvor hatte er auf der Münchener Sicherheitskonferenz unisono mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigt, die vermeintliche militärische Zurückhaltung der Vorgängerregierung aufzugeben. Deutschland „muss bereit sein“, so Steinmeier im Februar 2014, „sich außen- und sicherheitspolitisch früher, entschiedener und substanzieller einzubringen. … Deutschland ist zu groß, um Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren.“ Genau diese Orientierung drückt sich im Weißbuch aus, dass die Bundesregierung 2016 herausgegeben hat.
An diesem Punkt waren und sind sich CDU/CSU und SPD einig. Und so ließen sie in den vergangenen vier Jahren auch kaum eine Gelegenheit verstreichen, um gemeinsam neue Auslandseinsätze der Bundeswehr zu beschließen, oder bestehende Einsätze auszuweiten. Die befindet sich die deutsche Marine in drei Einsätzen im Mittelmeer, steht die Bundeswehr mit Kampfhubschraubern im Kriegsgebiet in Nord-Mali, unterstützt den US-geführten Bombenkrieg über Irak und Syrien. Ein Ende des Einsatzes in Afghanistan ist nicht in Sicht.
Seit 2014 kommen einsatzgleiche Entsendungen im Konflikt mit Russland hinzu. In Litauen hat die Bundeswehr die Führung eines 1000 Mann starken Bataillons übernommen. Die Bundesregierung beteiligt sich mit rund 1 Milliarde Euro am neuen Raketenabwehrschirm in Osteuropa. Deutschland hat die Führung beim Aufbau der superschnellen Eingreiftruppe der Nato Response Force übernommen.
 
Aufrüstung
Voraussetzung für den deutschen Interventionismus ist die Aufrüstung der Bundeswehr. Systematisch gestreute Meldungen über geringen Klarstand und Pannen bei Großgerät erzeugten während der abgelaufenen Wahlperiode den Eindruck, die Bundeswehr sei in der Vergangenheit „kaputt gespart“ worden. Das ist Unsinn. Doch so gelang es den beiden Fraktionen der Großen Koalition, den Verteidigungshaushalt von 2013 bis heute um knapp 13 Prozent von 32,8 Milliarden Euro auf 37 Milliarden Euro anzuheben, ohne dass in den Medien ein Aufschrei der Empörung zu vernehmen war. Im aktuellen Finanzplan ist bis 2021 eine Steigerung auf 42,4 Milliarden vorgesehen.
2016 legte Verteidigungsministerin von der Leyen die „Agenda Rüstung“ auf, die 1600 Einzelmaßnahmen zur Modernisierung und Aufrüstung der Bundeswehr bis zum Jahr 2030 vorsieht. Geschätzte Investitionskosten: 130 Milliarden Euro – wohlgemerkt, über den laufenden Militärhaushalt hinaus. Von der SPD kam an diesem Punkt kein Widerstand. Stattdessen boxten der christdemokratische Haushälter Eckhardt Rehberg und sein sozialdemokratischer Kollege Johannes Kahrs in den Haushaltsberatungen Ende 2016 die Beschaffung von fünf Korvetten K 130 für die Marine durch, die in der „Agenda Rüstung“ nicht einmal vorgesehen waren. Gesamtkosten: 2,5 Milliarden Euro – noch.
Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Sollte Militärhaushalt tatsächlich bis 2025 auf 2 Prozent des BSP angehoben werden, dann liefe das auf eine reale Steigerung der Militärausgaben um rund 90 Prozent hinaus. Die Bundesrepublik würde in dem Fall zur stärksten Militärmacht innerhalb der EU aufsteigen und selbst den Haushalt der Atommächte Frankreich und Großbritannien in den Schatten stellen.
Eine Steigerung der Militärausgaben auf 2 Prozent ist keineswegs „unrealistisch“, wie Gabriel meint. Die Bundeswehr kann ohne Probleme durch Auflage immer neuer Rüstungsprojekte sehr schnell zusätzliche Mittel abfließen lassen. Die Frage, ob dies geschieht, ist einzig eine Frage der Kräfteverhältnisse – also, ob dies Ansinnen auf ausreichend Widerstand und öffentlichen Gegendruck trifft.
Tatsächlich gibt es reichlich Argumente, mit denen weite Teile der Bevölkerung für ein Stopp der Aufrüstungsspirale gewonnen werden können. Zunächst ein paar Rechenbeispiele:

  • Statt 3,6 Mrd. Euro für die Kriegsschiffe K 130 und zusätzliche Leopard-Kampfpanzer auszugeben, könnten die Zuschüsse für die soziale Wohnraumförderung auf 5 Mrd. Euro erhöht werden. So könnten bis zu 250.000 Sozialwohnungen im Jahr entstehen;
  • Mit 6 Milliarden Euro – also knapp 50 Prozent der Gesamtausgaben für den Militärtransporter A400M – könnten fünf Jahre lang rund 28.000 Fachkräfte für die Altenpflege zusätzlich finanziert werden, was den aktuellen Bedarf an Pflegekräften in dem Bereich decken würde;
  • Anstatt zusätzliche 33 Mrd. Euro für das 2-Prozent-Ziel der Nato bereitzustellen, könnten mit dieser Summe im ersten Jahr alle Schulen in Deutschland saniert, und in den folgenden Jahren dann kräftige Rentenerhöhungen finanziert werden.

 
Afghanistan
Neben den finanziellen Belastungen ist das wichtigste Argument gegen die Aufrüstung natürlich die Verwendung der Mittel. Seit der Wiedervereinigung wird die Bundeswehr in Auslandseinsätze entsandt. So befinden sich deutsche Soldaten seit über fünfzehn Jahren in Afghanistan an der Seite der US-Streitkräfte, ohne dass ein Ende des Krieges in Sicht wäre. Die Versprechen, mit denen die Bundeswehr einst an den Hindukusch geschickt wurden – Frieden, Demokratie, Entwicklung, Frauenrechte – sind vergessen.
US-Präsident Donald Trump kündigte vielmehr die neueste Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan mit den Worten an: „Wir werden nicht wieder Staatsaufbau betreiben – wir werden Terroristen töten, … unsere Feinde angreifen, den IS auslöschen, Al-Kaida zerquetschen“. Der sozialdemokratische Außenpolitiker Niels Annen geißelte dies zu Recht als eine „kriegslüsterne“ Rede; SPD-Kanzlerkandidat Schulz warf Trump „Niedertracht“ vor.
Leider haben sie die Rechnung ohne den amtierenden sozialdemokratischen Außenminister Gabriel gemacht. Ein Sprecher seines Ministeriums bezeichnete Trumps Wende zur verstärkten Militärintervention in Afghanistan als einen „Schritt in die richtige Richtung.“ Sein christdemokratischer Kollege Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, zeigte sich sogar sehr angenehm überrascht: Erstmals habe Trump „eine kohärente, rationale, verantwortliche Strategie“ vorgelegt.
Diese Äußerungen verdeutlichen: Ohne eine starke friedenspolitische Opposition innerhalb und außerhalb des Parlamentes müssen wir mit der Fortsetzung eines Kurses rechnen, der an der Seite der USA auf mehr Auslandseinsätze, mehr Krieg, sowie die nachhaltige Aufrüstung der Bundeswehr setzt.
 
Kampfdrohnen
Aber war da nicht doch etwas? Scheiterte nicht wenigstens am Ende der abgelaufenen Wahlperiode doch die Beschaffung von Kampfdrohnen an der SPD?
Jein. Richtig ist: Die Sozialdemokraten taten sich reichlich schwer, mit einem Beschluss zur Beschaffung von Kampfdrohnen in den Wahlkampf zu gehen. Das ist Ermutigung für die Friedensbewegung: Der öffentliche Druck reicht bei diesem heiklen Thema offenbar aus, um die SPD ins Schwanken zu bringen. Doch aufgehoben ist leider nicht aufgeschoben.
Nach einem langen Hin und Her auf der letzten Sitzung des Verteidigungsausschuss am
28. Juni fand sich die SPD schließlich nicht dazu bereit mit der Linksfraktion und den Grünen zusammen die Beschaffung abzulehnen. Der vorliegende Vertrag zum Betrieb israelischer Kampfdrohnen vom Typ Heron-TP wurde lediglich durch die Große Koalition von der Tagesordnung abgesetzt. Die Vorlage kann nach der Wahl wieder aufgesetzt werden.
Im Übrigen zeigte sich, dass die SPD hinsichtlich der Beschaffung von Kampfdrohnen mehr Bedenken bezüglich der Außenwirkung, als gegenüber der Technik selbst hat. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, erklärte 2014 im Bundestag: „Wenn sich die Welt so ändern sollte, dass wir einmal ein Mandat erteilen müssen, das die Bundeswehr legitimiert, Bomben abzuwerfen und Raketen abzuschießen – niemand will das –, dann können bewaffnete Drohnen – das ist doch ganz klar – ein Segment zum Schutz der Soldaten sein. … Ich glaube, wir sollten der Bundeswehr die Dinge, die sie braucht, auch ermöglichen.“
Folglich hat die SPD auch die Haushaltstitel zum Leasing von Kampfdrohnen der Marke Heron-TP mit durchgestimmt, ebenso wie den Titel zur Vorbereitung der Entwicklung einer eigenen, europäischen Kampfdrohne. In der Schwebe hängt derzeit lediglich der konkrete Beschaffungsvertrag der Heron-TP mit dem israelischen Hersteller IAI. Nichtsdestotrotz gibt diese Hängepartie natürlich den Drohnengegnern die Zeit, die eigenen Reihen zu stärken und für einen endgültigen Verzicht Deutschlands auf diese Technologie zu kämpfen.
 
Rüstungsexporte
Eines der Versprechen, mit denen die SPD in die Große Koalition startete, war die Ankündigung einer restriktiven Genehmigungspraxis bei Rüstungsexporten. Die Voraussetzungen dafür waren günstig, da die Verantwortung innerhalb der großen Koalition bei dem sozialdemokratisch geführten Wirtschaftsministerium lag.
Die nachträgliche Berichterstattung über Exporte hat sich leicht verbessert. Ansonsten blieb leider alles beim Alten. Gemessen an ihrem Wert stiegen die deutschen Rüstungsexporte weiter. Schwarz-Gelb unter Merkel-Westerwelle genehmigte zwischen 2009 und 2012 pro Jahr Rüstungsexporte im Umfang von durchschnittlich 8,14 Milliarden Euro – damals bereits ein neuer Rekordwert. Doch unter Wirtschaftsminister Gabriel steigerte sich die Summe weiter, 2015 auf 12,82 Milliarden Euro. Seitdem ging der Wert leicht zurück, liegt aber immer noch deutlich über jenem der Vorgängerregierung.
Die deutschen Rüstungsexportgrundsätze sind nach wie vor nicht dazu geeignet, Exporte einzuschränken. Nur rund 0,5 % der von Unternehmen getätigten Anfragen werden negativ beschieden. Zu den Empfängern deutscher Rüstungsgüter gehörten in den letzten Jahren Staaten wie die Vereinigte Arabischen Emirate und Saudi-Arabien, die Krieg im Jemen führen und eine Hungerblockade gegen das Land verhängt haben. Trotzdem haben sie zum Beispiel bewaffnete Patrouillenboote erhalten, die geeignet sind, um jemenitische Häfen von der Außenwelt abzuschneiden.
 
Fazit
Vier Jahre Große Koalition bedeuteten eine beschleunigte Aufrüstung, eine deutliche Ausweitung von Auslandseinsätzen und ein Weiter so bezüglich der Rüstungsexporte. Eine Kursänderung ist nicht in Sicht.
Doch es gibt auch Hoffnung. Nicht nur die Verschiebung der Aufrüstung mit Kampfdrohnen zeigt, dass Druck von unten wirkt. Friedensaktivisten konnten 2016 durch die Verbreitung von Fotos dokumentieren, wie Kinder am „Tag der Bundeswehr“ Gewehre in die Hand bekamen und konterkarierten dadurch wirksam die Jubelpropaganda der Ministerin in den Medien. Mehrere Demonstrationen, etwa am Standort Büchel gegen die dort lagernden Atomwaffen, haben Tausende angezogen. Die Ausfuhr von Kleinwaffen konnte dank der Kampagne „Aufschrei – stoppt den Waffenhandel – deutlich reduziert werden. In Zukunft wird es darauf ankommen, verschiedene Formen des Widerstands zu stärken und zu verbreitern.

]]>
Tod des Soldaten in Munster hätte verhindert werden können https://christinebuchholz.de/2017/09/04/tod-des-soldaten-in-munster-haette-verhindert-werden-koennen/ Mon, 04 Sep 2017 10:11:50 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6594 „Der Tod des Bundeswehrsoldaten in Munster hätte verhindert werden können“, erklärt Christine Buchholz, verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich der Veröffentlichung des Berichts der Untersuchungsgruppe Munster des Heeres zu den Vorfällen am 19. Juli. Buchholz weiter:
„Die Behauptung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, es gebe ‚keine klare singuläre Ursache‘ für den Zusammenbruch von vier Soldaten am Ausbildungszentrum in Muster ist Unsinn. Schuld ist das Ausbildungssystem der Bundeswehr, das keine Rücksicht auf den Einzelnen nimmt.
Der detaillierte Untersuchungsbericht verdeutlicht, dass die Soldaten in unverantwortlicher Weise überbelastet wurden. Sie wurden in praller Sonne nacheinander in drei Gewaltmärsche gezwungen. In mindestens einem Fall handelte es sich dabei um eine kollektiv verhängte disziplinarische Maßnahme. Vier Soldaten kollabierten nacheinander, zwei Soldaten brachen zwischenzeitlich ab, zwei weitere waren zeitweise nicht ansprechbar oder bewusstlos. Dennoch wurden die Märsche nicht abgebrochen.
Die tragischen Ereignisse müssen zu klaren Konsequenzen führen. Die Bundeswehr darf Soldaten nicht in gesundheitsgefährdende Gewaltmärsche zwingen. Soldaten müssen vor willkürlichen Befehlen in der Ausbildung geschützt werden.“

]]>
Bundeswehr: die stärken, die Courage zeigen https://christinebuchholz.de/2017/06/02/bundeswehr-die-staerken-die-courage-zeigen/ Fri, 02 Jun 2017 08:15:50 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6504 Im Bundestag wurde der Jahresbericht des Wehrbeauftragten diskutiert. Die zahlreichen Misshandlungsfälle, sowie das Auffliegen einer rechtsextremen Terrorzelle zeigen: es gibt ein Problem mit wegschauen und mit der extremen Rechten in der Bundeswehr. Verteidigungsministerin von der Leyen, auch die SPD will beim Thema ablenken. Die LINKE fordert rückhaltlose Aufklärung und den vollständigen Bruch mit der Wehrmacht. Wir wollen die in der Bundeswehr starken, die Courage zeigen.
Rede im Bundestag vom 1.6.2017

Christine Buchholz (DIE LINKE):
Frau Präsidentin! Lieber Herr Bartels! Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wehrbeauftragten! Meine Damen und Herren! Heute Abend ist Afghanistan in aller Munde. Ich möchte nicht die Debatte, die wir später dazu führen, vorwegnehmen, sondern nur eines sagen: Dass überhaupt über den Stopp von Abschiebungen diskutiert wird, ist einzig und allein dem couragierten Auftreten von Schülerinnen und Schülern und vielen, vielen Flüchtlingshelferinnen und -helfern zu verdanken. Daher ein ganz, ganz herzlicher Dank an diese couragierten Mitbürgerinnen und Mitbürger.
(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Ingo Gädechens (CDU/CSU): Das ist ein Tagesordnungspunkt später!)
Das hat auch etwas mit der Bundeswehr zu tun.
(Ingo Gädechens (CDU/CSU): Ah! Dann kommen wir zum Thema!)
Denn die Bundeswehr ist von mehreren Skandalen erschüttert worden, die gerade mit dem Thema „Courage und couragiertem Auftreten“ zu tun haben. Es ging um die systematische Erniedrigung von Rekruten, um sexistische Vorfälle und um rechte Umtriebe.
Ich möchte an der Stelle daran erinnern, dass es letztendlich einer aufmerksamen Reinigungskraft am Wiener Flughafen gelungen ist, die Herausbildung eines NSU in der Bundeswehr zu verhindern. Es waren nicht die Bundeswehr selbst oder der MAD, die eine aktive rechte Terrorzelle verhindert haben. Auch das muss hier gesagt werden.
(Henning Otte (CDU/CSU): Die ist auch nicht in Österreich tätig, die Bundeswehr!)
Es gibt ein systematisches Problem mit dem Wegsehen bei der Bundeswehr, und es gibt ein systematisches Problem mit der extremen Rechten. Ich konzentriere mich hier auf die extreme Rechte.
Uns haben Zuschriften von Soldaten erreicht, die aus Einsätzen berichten.
(Henning Otte (CDU/CSU): Können wir die Briefe mal sehen? – Gegenruf des Abg. Ingo Gädechens (CDU/CSU): Bestimmt nicht! Die gibt es ja gar nicht!)
– Die leite ich Ihnen gerne weiter. – Sie schreiben, dass es gang und gäbe war, dass an den Abenden im Einsatz Nazilieder gesungen wurden und Kameraden entsprechende Abzeichen an der Brust hatten.
Diese Soldatinnen und Soldaten zeigen, dass nicht alle in der Bundeswehr so ticken; aber sie sind es, die wir unterstützen müssen.
(Beifall bei der LINKEN – Ingo Gädechens (CDU/CSU): Das glaubt nicht mal Ihre eigene Fraktion!)
– Ich weiß, dass Sie damit ein Problem haben. Denn Sie erhalten nicht die Zuschriften der Soldatinnen und Soldaten, die tatsächlich kritisch denken, sondern Sie erhalten die Zuschriften der Soldatinnen und Soldaten, die sich beispielsweise durch die Begehung gestört fühlen.
(Beifall bei der LINKEN)
Auch im Bericht des Wehrbeauftragten ist von Facebook-Einträgen und WhatsApp-Gruppen die Rede, aus denen ganz klar hervorgeht, dass es sowas in der Bundeswehr gibt. Das hat der Wehrbeauftragte eben ja auch noch einmal deutlich aufgezeigt.
Es gibt auch Fälle – das berichtet der Wehrbeauftragte ebenfalls -, die geahndet werden. Ich möchte aber daran erinnern, dass 80 Prozent der Verfahren, in denen es um rechtsextreme Verdachtsfälle geht, eingestellt werden. Das kann nicht angehen.
(Beifall bei der LINKEN)
Während Sie jetzt nach den aktuellen Vorkommnissen um Franco A. sehr schnell dabei sind, zehntausend Flüchtlinge zu überprüfen, ist es nicht möglich, die rechtsextremen Verdachtsfälle zu überprüfen. Ich finde, das ist ein Skandal.
Wir brauchen eine Aufarbeitung der rechtsextremen Vorfälle. Sie müssen wir aber auch in den Kontext einer Einsatzarmee einordnen. Denn es ist auffällig, dass das Fehlverhalten besonders in den Einheiten vorkommt, die auf Kampf und Einsatz orientiert sind. Auch das ist kein Zufall.
(Henning Otte (CDU/CSU): Das hätten Sie wohl gern!)
Des Weiteren müssen wir den Korpsgeist durchbrechen. Von daher verstehe ich auch nicht, Herr Bartels, dass Sie jetzt die Begehung der Liegenschaften kritisiert haben. Denn ich glaube, es ist das Mindeste, dass man sich ein Bild verschafft, ob und in welcher Form tatsächlich rechtsextreme Devotionalien und andere Wehrmachtsgegenstände in den Liegenschaften vorhanden sind. Deshalb verstehe ich Ihre Kritik an der Stelle nicht.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir brauchen einen hundertprozentigen Bruch mit der Wehrmachtstradition. Meine Kritik an Frau von der Leyen geht auch nicht in die Richtung, dass sie das nicht angekündigt hätte. Meine Kritik an ihr lautet, dass sie das jetzt nicht konsequent durchführt. Von daher sage ich noch einmal an der Stelle: Die Wehrmacht hat in den Köpfen und Stuben der Bundeswehrangehörigen nichts zu suchen.
(Beifall bei der LINKEN)
Meine Kritik an der Ministerin bezieht sich an der Stelle auf zwei Punkte. Zum einen gibt es einen neuen Rekord an minderjährigen Rekruten. Herr Bartels hat das angesprochen, es ist aber noch nicht im Wehrbeauftragtenbericht enthalten. Es gab bei der Einstellung minderjähriger Rekruten 2016 eine Steigerung um 25 Prozent. Das ist, finde ich, absolut inakzeptabel. Da ist auch die Bewertung des Wehrbeauftragten zahnlos.
Zum anderen geht es – Herr Grübel hat das eben noch einmal betont – um eine beispiellose Aufrüstung, welche die Ministerin vorangetrieben hat. Von daher können wir nur sagen: Herr Bartels, wenn Sie jetzt noch mehr Tempo einfordern, heißt das mehr Aufrüstung und mehr Auslandseinsätze. Damit werden die Probleme nicht gelöst, sondern verstärkt.
Wir wollen diejenigen in der Bundeswehr stärken, die sich gegen die Missstände auflehnen. Wir wollen diejenigen stärken, die Courage haben. Ich glaube, das ist auch bitter nötig.
Vielen Dank.
(Beifall bei der LINKEN)

]]>
Abrüsten, nicht Aufrüsten ist das Gebot der Stunde https://christinebuchholz.de/2017/03/13/abruesten-nicht-aufruesten-ist-das-gebot-der-stunde/ Mon, 13 Mar 2017 11:39:41 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6434 Deutschland ist neben Frankreich und Großbritannien die stärkste Militärmacht in Westeuropa. Anders, als in der Öffentlichkeit behauptet, steigt der Militärhaushalt seit Ende der 90er Jahre kontinuierlich an. Doch der jetzigen Bundesregierung reicht das nicht. Sie will die Bundeswehr weiter aufrüsten. Zu diesem Zweck wurde die Gründung einer eigenen Cyberteilstreitmacht beschlossen, die Entwicklung eines neuen Mehrzweckkampfschiffes und einer eigenen Kampfdrohne, die Beteiligung an weiteren Militärsatelliten, sowie die Beschaffung von über fünfzig Militärtransportern A400M oder die Aufstockung des Heeres mit Hunderten neuer Kampf- und Schützenpanzer.
Diese Liste ließ sich lange fortsetzen. Die vor einem Jahr von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen verkündete „Agenda Rüstung“ sieht 1600 Einzelmaßnahmen im Umfang von 130 Milliarden Euro vor.
Doch die Bundesregierung hat ein Problem: Die Aufrüstung ist genauso unpopulär wie die wachsende Anzahl immer neuer Auslandseinsätze der deutschen Streitkräfte. Deshalb braucht sie vermeintliche Sachzwänge, um der Bevölkerung ihre überaus teuren militärischen Ambitionen verkaufen zu können.
Diese Funktion erfüllte in den vergangenen Jahren die aufgeregte Debatte um eine vermeintliche herabgewirtschaftete Bundeswehr. So wurde beispielsweise die niedrige Zahl beim einsatzfähigen Großgerät bemängelt, der sogenannte Klarstand. Verschwiegen wurde, dass die Klarstandsquoten bei der Bundeswehr nicht niedriger als beispielsweise bei der US-Luftwaffe sind. Abseits der öffentlichen Debatte schlugen führende Militärs im Übrigen ganz andere Töne an. So betonte Heeresinspekteur Vollmer im Februar 2016: Das deutsche Heer verfüge über modernes Gerät, welches es „in den verschiedenen Einsatzgebieten flexibel, reaktionsfähig, vor allem aber durchsetzungsfähig macht“. Es besitzt eine „weitgehend bedarfsgerechte Ausstattung.“
Nach dem Ende der Pannendebatte kommt nun die neue Kritik aus den USA wie gerufen. US-Präsident Trump und sein Verteidigungsminister Mattis drohen mit Rückzug aus der Nato, sollten die europäischen Partner ihren Militärhaushalt nicht auf 2% des Bruttoinlandsprodukts steigern. Das hieße für Deutschland einen Aufwuchs um zusätzlich 25 Milliarden Euro jährlich. Das liefe darauf hinaus, den deutschen Militärhaushalt nahezu auf Augenhöhe mit jenem der Atommacht Russlands zu bringen.
Verteidigungsministerin von der Leyen drängelt sich seit je her im Konflikt mit Russland nach vorn, wie jüngst bei Übernahme der Führung eines Nato-Bataillons in Litauen. Die Forderungen aus Washington hält sie daher für „plausibel“. Die US-Regierung kritisiert nicht die Bundesregierung, sie spielt ihr vielmehr die Bälle zu.
Diese Politik macht weder Deutschland, noch Europa sicherer. Sie trägt stattdessen dazu bei, dass sich die Rüstungsanstrengungen gegenseitig aufschaukeln. Dieser Teufelskreis aus immer neuen Einsätzen, immer mehr Aufrüstung und immer mehr Unsicherheit muss durchbrochen werden. Es ist Zeit, den Militärhaushalt herunterzufahren und die Bundeswehr aus den Auslandseinsätzen zurückzuziehen.
Dieser Artikel erschien zuerst am 13.3. bei XING Klartext
 

]]>
Von der Leyen Hand in Hand mit US-Kriegstreibern https://christinebuchholz.de/2017/02/13/von-der-leyen-hand-in-hand-mit-us-kriegstreibern/ Mon, 13 Feb 2017 11:55:58 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6297 Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen trifft heute das erste Mal James Mattis, ihren neuen Amtskollegen in Washington. In Deutschland wird Mattis aufgrund dessen Bekenntnisses zur Nato als umsichtiger Gegenpart zu Präsident Trump dargestellt. Dem ist nicht so. In einer von Trump autorisierten Kommandoaktion im Jemen kamen im Januar laut Ärzten 30 Personen um, darunter zehn Frauen und Kinder. Mattis trug die politische Verantwortung für diese Operation. Er ordnete auch die Vorverlegung eines US-Kriegsschiffs an die jemenitische Küste an. Gemeinsam mit Trump drängt Mattis darauf, mit eigenen Soldaten im Jemen Krieg zu führen, um den Einfluss des Iran zurückzudrängen. Von der Leyen schweigt dazu – wie die gesamte Bundesregierung.
Stattdessen spielen sich von der Leyen und Mattis die Bälle zu. Das Pentagon plant die Erhöhung des US-Militärhaushaltes um 30 Milliarden US-Dollar. Die Forderung an Deutschland nach Übernahme von mehr Verantwortung im Rahmen der Nato läuft auf nichts anderes als die massive Aufrüstung der Bundeswehr hinaus. Das ist keine „Kritik“. Denn wenn es um Aufrüstung geht, sind sich Mattis und von der Leyen völlig einig. Der deutsche Militärhaushalt ist in diesem Jahr bereits um satte acht Prozent angestiegen. Von der Leyen will mehr.
Eine Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik ist keine Antwort auf die Kriegstreiberei aus Washington. Von der Leyen will die Bundeswehr aufrüsten, um Deutschland im Konflikt mit Russland zur führenden europäischen Militärmacht zu machen. Dies geschieht im Verbund mit den kleineren europäischen Mächten. In der nächsten Woche soll auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel eine Vereinbarung unterzeichnet werden, wonach sich je eine tschechische und eine rumänische Brigade einem deutschen Divisionskommando unterordnen. In Litauen führt die Bundeswehr bereits ein ganzes Nato-Bataillon in Grenznähe zu Russland.
Trump und sein Verteidigungsminister teilen dieselbe rassistische Rohheit gegenüber muslimisch geprägten Ländern. Mattis rühmte sich im Jahr 2005: „Du gehst nach Afghanistan, dort schlagen Typen ihre Frauen fünf Jahre lang, weil sie keinen Schleier tragen. Solche Typen haben sowieso keine Männlichkeit mehr. Deshalb macht es höllischen Spaß, sie zu erschießen.” Mattis und Trump sind Kriegstreiber. Die richtige Antwort darauf haben Millionen von Amerikanern gegeben, die auf den Straßen der USA gegen den neuen US-Präsidenten demonstriert haben.

]]>
Militarisierung Europas ist die falsche Antwort auf Trump https://christinebuchholz.de/2017/02/13/militarisierung-europas-ist-die-falsche-antwort-auf-trump/ Mon, 13 Feb 2017 11:52:05 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6295 „Aufrüstung der Bundeswehr und Militarisierung Europas sind die falschen Antworten auf Trump“, sagt Christine Buchholz, verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des heutigen Besuchs von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei ihrem neuen Amtskollegen James Mattis in Washington. Buchholz weiter:
„Mattis‘ Bekenntnis zur Nato macht ihn keineswegs zu einem umsichtigen Gegengewicht zu Präsident Trump. Vor Jahren rühmte sich Mattis als Brigadegeneral, es mache ihm Spaß Afghanen zu erschießen. Im letzten Monat trug er die Verantwortung einer von Trump autorisierten US-Kommandoaktion im Jemen, bei der laut Medienberichten zehn Frauen und Kinder getötet wurden. Mattis und Trump treiben die USA im Jemen in den nächsten Krieg hinein, um den Einfluss des Iran zurückzudrängen. Doch Ministerin von der Leyen schweigt dazu, wie die gesamte Bundesregierung.
Eine Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik ist die falsche Antwort auf diese Kriegstreiberei. Von der Leyen will die Bundeswehr aufrüsten, um Deutschland im Konflikt mit Russland zur führenden europäischen Militärmacht zu machen. So soll nächste Woche auf dem Treffen der Nato-Verteidigungsminister eine Vereinbarung unterzeichnet werden, die die Unterordnung je einer tschechischen und rumänischen Brigade unter deutsches Divisionskommando vorsieht.
Die richtige Antwort auf Trumps Politik haben Millionen von Amerikanern gegeben, die auf den Straßen der USA gegen den neuen US-Präsidenten demonstriert haben.“

]]>
Mali-Einsatz erinnert an die Frühphase des Afghanistankrieges https://christinebuchholz.de/2017/01/20/mali-einsatz-erinnert-an-die-fruehphase-des-afghanistankrieges/ Fri, 20 Jan 2017 12:38:14 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6270 Zwei Tage nach einem verheerenden Anschlag in unmittelbarer Nähe zu einem Lager der Bundeswehr stockt die große Koalition den Auslandseinsatz in Mali auf. Auch Kampfhubschrauber werden entsandt. Von der Leyen treibt Deutschland in einen Konflikt hinein, der zunehmend an die ersten Jahre des Afghanistaneinsatzes erinnert.

Rede im Bundestag anlässlich des Antrages der Bundesregierung auf Verlängerung des Einsatzes deutscher Soldaten in Mali im Rahmen der UN-Militärmission MINUSMA
Christine Buchholz (DIE LINKE): Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Die Bundesregierung will die Beteiligung der Bundeswehr an der UN-Mission MINUSMA in Mali von 650 auf 1 000 Soldaten erhöhen. Damit wird der Einsatz in Mali der größte deutsche Militäreinsatz.
(Florian Hahn (CDU/CSU): Sehr gut!)
Aber nicht nur das: Erstmalig werden auf der Grundlage dieses Mandats deutsche Kampfhubschrauber in den Norden Malis verlegt.
(Florian Hahn (CDU/CSU): Noch besser!)
Mit diesem Mandat verstrickt die Bundesregierung die Bundeswehr potenziell in einen Krieg mit den Aufständischen im gefährlichen Norden Malis. Das erinnert mich verdammt an die frühe Phase des Afghanistan-Kriegs. Die Regierung will die Bundeswehr auch in der Sahelzone zu einer militärischen Größe machen, die wie Frankreich in der Lage ist, in dieser rohstoffreichen Region Krieg zu führen. Die Linke wird diesem Mandat selbstverständlich nicht zustimmen.
(Beifall bei der LINKEN – Ingo Gädechens (CDU/CSU): Das ist ja überraschend! Haben Sie überhaupt schon einmal einem Mandat zugestimmt?)
Auf dem Papier soll MINUSMA den Frieden sichern. Erst vorgestern wurden in Gao bei einem Angriff von Aufständischen über 70 Soldaten der neuen gemeinsamen Einheiten der malischen Armee getötet.
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Von wem denn?)
Das ist schrecklich, und unser Mitgefühl gilt den Angehörigen. Es ist auch wichtig, zu sehen: Das Camp, in dem sich die Bundeswehr aufhält, ist keine zwei Kilometer davon entfernt. Unmittelbar vor dem Bundeswehrcamp sprengte sich am 29. November ein Selbstmordattentäter in die Luft. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt. Den Frieden, den MINUSMA sichern soll, gibt es nicht. Weil das so ist, droht die Mission selbst zur Konfliktpartei zu werden. Das muss hier ehrlich gesagt werden.
(Beifall bei der LINKEN)
Vier Rettungs- und vier Kampfhubschrauber der Bundeswehr sollen nach Mali verlegt werden, nach Gao. Frau von der Leyen spricht vor allem von den Rettungshubschraubern. Das kommt in der Öffentlichkeit natürlich besser an. Aber ich sage: Wieder einmal wollen Sie der Bevölkerung Sand in die Augen streuen. Das machen wir nicht mit.
(Beifall bei der LINKEN)
Mit der Fähigkeit, Rettungsaktionen durchzuführen, vergrößern sich der Aktionsradius der Bundeswehr und damit auch das Risiko, selbst Zielscheibe von Angriffen zu werden. Genau das bestätigte mir ein Soldat im persönlichen Gespräch, als ich im Dezember letzten Jahres für meine Fraktion die Ministerin nach Mali begleitete. Im Mandatstext selbst ist neuerdings vom „aktiven Schutz des Mandats durch das Bekämpfen asymmetrischer Angriffe“ die Rede. Das heißt, dass die Kampfhubschrauber zur Bekämpfung militärischer Ziele eingesetzt werden können.
Aus Afghanistan wissen wir, wie die Bundeswehr Stück für Stück in eine offensive Kampfoperation hineingeführt wurde. Frau von der Leyen, mit der jetzigen Aufstockung sorgen Sie möglicherweise für eine Eskalation des Konflikts. Auf jeden Fall setzen Sie die Bundeswehrsoldaten einem erhöhten Risiko aus. Beides halten wir für verantwortungslos.
(Beifall bei der LINKEN – Kordula Schulz-Asche (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Was ist denn die Alternative?)
Es gibt eine weitere Ähnlichkeit zu Afghanistan. MINUSMA hat in Mali die Unterstützung der Regierung, aber nicht der Bevölkerung.
Ich habe in Mali die Rede des Gouverneurs von Gao gehört. Der Eindruck entstand, die gesamte Bevölkerung Gaos stehe hinter MINUSMA. Was er nicht erwähnte, war: In Gao gab es vor einem halben Jahr wütende Demonstrationen, weil sich viele junge Menschen bei der Umsetzung des Friedensabkommens benachteiligt sehen. Die malische Armee hat Demonstranten auf offener Straße erschossen. Das ist leider kein Einzelfall.
Die deutschen Soldaten bewegen sich in Gao als Fremde, abgeschottet von der Bevölkerung. Je unsicherer die Lage wird, desto mehr wird sich das deutsche Kontingent einigeln. Das Magazin des Reservistenverbandes Loyal berichtete jüngst, wie eine deutsche Patrouille in Gao nicht nur mit der extremen Hitze, sondern auch mit unterkühlten Reaktionen der Bevölkerung zu kämpfen hat. Sogar ein Stein flog auf das geschützte und bewaffnete Transportfahrzeug der Bundeswehr.
Auf die Frage nach dem Sinn des Einsatzes zitierte das Blatt den Patrouillenführer: „Aber meinen Verwandten daheim kann ich nicht erklären, warum ich in Mali bin und was wir hier erreichen wollen.“
Die Lage in Mali ist so unsicher, dass die Bundeswehr nun auch Kampfhubschrauber vor Ort stationieren soll. Doch gleichzeitig erklärt die EU mit deutscher Unterstützung Mali als sicher genug, um dem Land ein Rückführungsabkommen für Flüchtlinge aufzuzwingen. Wenn es um die Rechtfertigung des Militäreinsatzes geht, dann führen Sie das Leid der Malier an. Doch wenn Malier in Europa Asyl beantragen, dann schieben Sie diese wieder in die Unsicherheit ab. Das ist heuchlerisch und zynisch.
(Beifall bei der LINKEN)
]]>
Große Koalition beschließt Rekordhaushalt für Aufrüstung https://christinebuchholz.de/2016/11/23/der-groesste-militaerhaushalt-seit-dem-2-weltkrieg/ Wed, 23 Nov 2016 21:55:44 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6215 CDU/CSU und SPD haben für das Jahr 2017 den größten Militärhaushalt seit dem 2. Weltkrieg verabschiedet. 2017 soll er um 8% wachsen. Die Bevölkerung zahlt mit ihren Steuern – und die Rüstungsindustrie reibt sich die Hände. DIE LINKE hat dem gegenüber sofort umsetzbare Vorschläge zur Kürzung des Rüstungshaushalts um 6 Milliarden vorgelegt.

Rede im deutschen Bundestag vom 23.11.2016

Christine Buchholz (DIE LINKE):

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nirgendwo zeigen sich die Unterschiede zwischen den Fraktionen so deutlich wie beim Rüstungshaushalt.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN – Ingo Gädechens (CDU/CSU): Der heißt Verteidigungshaushalt! Das ist schon der Unterschied!)

CDU/CSU und SPD wollen heute den größten Rüstungshaushalt seit dem Zweiten Weltkrieg verabschieden. Das sind mehr als 37 Milliarden Euro, ein Plus von 8 Prozent. Die Linke sagt: Darauf kann man nicht stolz sein; dafür sollte man sich schämen.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Linke hat demgegenüber unmittelbar umsetzbare Vorschläge zur Kürzung des Rüstungshaushalts um 6 Milliarden Euro vorgestellt. Sie wollen zusätzliche Milliarden für Aufrüstung und Krieg. Wir wollen zusätzliche Milliarden für Soziales und zivile Hilfe. Das ist der fundamentale Unterschied zwischen der Großen Koalition und der Linken.

(Beifall bei der LINKEN – Ingo Gädechens (CDU/CSU): Sie reden vom falschen Haushalt! Der heißt Verteidigungshaushalt!)

Was heißt das konkret? Sie investieren in Hightechwaffen wie die Entwicklung einer europäischen Kampfdrohne. Die Bundeswehr erhält auch eine ganze Cyberstreitmacht mit der explizit geäußerten Absicht, offensiv die Netze anderer Staaten angreifen zu können. Das macht die Welt nicht sicherer  und auch nicht Deutschland. Stattdessen heizen Sie den internationalen Rüstungswettlauf an. Da machen wir nicht mit.

(Beifall bei der LINKEN)

Über die zukünftigen Kosten dieser ganzen Kriegsprojekte schweigt sich die Bundesregierung aus. Aber der Mechanismus dahinter ist interessant. Ministerin von der Leyen meldete Anfang des Jahres 1 600 militärische Neuinvestitionen bis 2030 an; dafür forderte sie 130 Milliarden Euro. Ein halbes Jahr später schlagen im Alleingang zwei einzelne Abgeordnete der SPD und der Union mit besonders gutem Draht zur Rüstungsindustrie den Bau von fünf Korvetten vor. Kein Problem, Ministerin von der Leyen und die gesamte Bundesregierung nehmen auch die gleich mit auf die Liste der Beschaffungsvorhaben. So versenken Sie im Handumdrehen immer neue Riesensummen für Ihre Rüstungsvorhaben. Die Bevölkerung bezahlt das mit ihren Steuern, die Rüstungsindustrie reibt sich die Hände. Das ist das Programm der Koalition. Dagegen steht die Linke ganz eindeutig.

(Beifall bei der LINKEN – Henning Otte (CDU/CSU): Aber ganz alleine! – Bartholomäus Kalb (CDU/CSU): Aber mit Sachlichkeit hat das wenig zu tun, was Sie machen!)

Um diesen Aufrüstungskurs zu rechtfertigen, begründet Frau von der Leyen das nun mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Nun soll die EU als Militärmacht gestärkt werden. Erst diese Woche wurde auf Druck der Bundesregierung ein zusätzliches europäisches militärisches Forschungsprogramm für eine halbe Milliarde Euro jährlich beschlossen. Auch von einem militärischen EU-Hauptquartier ist die Rede. Es kann nicht sein, dass Sie, Frau von der Leyen, Deutschland zu einem der Antreiber der Militarisierung Europas machen.

(Beifall bei der LINKEN)

Aber die SPD legt dann gleich noch einen drauf: Herr Arnold von der SPD fordert nun auch ein europäisches Marinehauptquartier.

(Zuruf von der SPD: Das ist eine gute Idee! – Zuruf von der LINKEN: Karlsruhe!)

Übersetzt heißt das: Als Rahmennation soll Deutschland nun dauerhaft die Führung im militärischen Konflikt mit Russland übernehmen. Ich sage Ihnen: Auf der Ostsee tummeln sich schon genug Kriegsschiffe. Wer den Frieden mit Russland will, muss sich für eine Entmilitarisierung der Ostsee einsetzen.

(Beifall bei der LINKEN)

In ihrer Rede hat Angela Merkel heute Morgen betont, dass beide Parteien der Großen Koalition am 2-Prozent-Ziel der NATO festhalten. Frau Evers-Meyer hat das eben noch einmal bestätigt. Das würde eine weitere Steigerung des Militärhaushalts um 25 Milliarden Euro auf weit über 60 Milliarden Euro bedeuten. Ich sage Ihnen: Das kann doch nicht wirklich Ihr Ernst sein.

(Beifall bei der LINKEN)

Für uns ist das ein weiteres Argument für den Austritt aus der NATO. Was wir wirklich brauchen, ist eine Trendwende hin zu zivilen und sozialen Maßnahmen.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)

Ich will Ihnen das einmal vorrechnen. Das Statistische Bundesamt hat ausgerechnet, dass in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen 110 000 Pflegekräfte fehlen. Wenn jährlich 6 Milliarden Euro bei der Rüstung gestrichen oder umgeschichtet werden, wie die Linke es vorschlägt, dann könnten tarifliche Gehälter für diese zusätzlich benötigten Pflegekräfte bezahlt werden. Ich finde, dafür brauchen wir das Geld, nicht für neue Militärsatelliten, Kriegsschiffe oder Kampfdrohnen.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Bundesregierung will aufrüsten, um die Bundeswehr in immer neue Auslandseinsätze schicken zu können. Jetzt sind es 16 an der Zahl. Das kostet. Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Diese Auslandseinsätze entfalten ihre eigene eskalierende Dynamik. Das Beispiel Afghanistan zeigt auf tragische Art und Weise in den letzten Wochen, wohin diese Auslandseinsätze führen. Die Taliban sind so stark wie seit 2001 nicht mehr. Letzte Woche hat es der blutige Überfall auf das deutsche Konsulat in Masar-i-Scharif gezeigt. Immer wieder gibt es Nachrichten über zivile Opfer durch die Verbündeten Deutschlands in Afghanistan.

Die Bundeswehr wird auch zunehmend in sogenannte Zwischenfälle verstrickt. Nichts, meine Damen und Herren, was die Bundesregierung vor 15 Jahren versprochen hat, wurde durch diesen Bundeswehreinsatz eingelöst. Dafür brauchen wir auch nicht noch mehr Geld auszugeben.

(Beifall bei der LINKEN)

Statt sich dieser Realität zu stellen, hat das Verteidigungsministerium unter dem Titel Die Rekruten eine Dokusoap produzieren lassen, um junge Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen. Bei 1,7 Millionen Euro liegen die Produktionskosten. Weitere 6,2 Millionen Euro kostet die Werbung. Ich sage Ihnen: Statt jährlich insgesamt 35 Millionen Euro in Werbefilme und Plakatkampagnen zu stecken, sollten Sie den jungen Menschen reinen Wein einschenken. Krieg ist keine Seifenoper. Es ist Zeit, die deutschen Soldaten aus Afghanistan und aus allen anderen Auslandseinsätzen zurückzuziehen. Es ist Zeit, endlich abzurüsten.

Vielen Dank, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der LINKEN)

]]>