Troika – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Fri, 28 Aug 2015 14:49:27 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Nach dem Scheitern des linken Reformismus https://christinebuchholz.de/2015/08/28/die-macht-der-banken-und-des-kapitals-in-frage-stellen/ Fri, 28 Aug 2015 14:49:27 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=5658 SYRIZA hat kapituliert. Und nun? Die Macht der Banken und des Kapitals in Frage stellen – 15 Thesen von Christine Buchholz und Volkhard Mosler

Christine Buchholz und Volkhard Mosler sehen in der Kapitulation der Syriza-Regierung vor dem Kürzungsdiktat der EU ein Scheitern des linken Reformismus. Sie gehen in ihren Thesen auf mögliche Alternativen zum Kürzungsdiktat in Griechenland, auf die Illusion in die Reformierbarkeit der EU, die Grenzen linker Regierungsbeteiligung, sowie die Aktualität der Debatte um Reform und Revolution ein. Sie plädieren für den Aufbau von Solidarität in Deutschland mit den Kämpfen gegen die Umsetzung der Memoranden in Griechenland, gegen den deutschen Standortnationalismus und dafür, Klassenkämpfe in Deutschland zu stärken.

  1. Sieben Jahre nach dem großen zyklischen Weltwirtschaftseinbruch von 2008 lässt sich mit Sicherheit sagen, dass es sich um den Beginn einer langen Depression gehandelt hat. Auch die Eurozone hat sich nicht von der Krise erholt. Nach einer kurzen Erholung, die zudem noch sehr ungleich verlief, befindet sich die Eurozone in einer Phase der Stagnation. Im ersten Quartal von 2015 wuchs das BSP der Eurozone noch um 0,4 Prozent, um zweiten Quartal nur noch 0,3 Prozent. Spaniens BSP wuchs im 2. Quartal um 1 Prozent, Griechenlands um 0,8, Deutschlands um 0,4 und Frankreichs um 0 Prozent.
  2. Die herrschenden Klassen der EU und der Eurozone sind unter Führung der deutschen Regierung zu einem radikalisierten Neoliberalismus übergegangen, der mit den Mitteln eines deflationär wirkenden Austeritätsprogramms die Krise überwinden soll. Die europäische Wirtschaft soll sich nach deutschem Modell aus der Krise heraus exportieren. Die Abwertung des Euro gegenüber Dollar und Pfund muss aber ihre Wirkung verfehlen, wenn andere große Wirtschaftsblöcke  wie Japan, China und Russland zugleich abwerten und die USA nicht länger bereit ist, einen schuldenfinanzierten Aufschwung mit hohen Importüberschüssen zu finanzieren.
  3. Massenhafter Widerstand gegen diesen Austeritätskurs der EU-Kommission hat in Südeuropa, in den vergangenen Jahren zu einem Aufschwung eines linken Reformismus geführt (Syriza, Podemos), der Ausdruck massiver Klassenkämpfe ist. Wir haben als revolutionäre Sozialistinnen und Sozialisten diesen Aufschwung begrüßt, weil sich darin politisch der wachsende Widerstandswillen gegen den Kurs der herrschenden Klassen ausdrückte, deren Austeritätskurs zur Verarmung von Millionen Menschen geführt hat.
  4. Die großen Hoffnungen auf ein Ende der Memorandumspolitik wurden von der Regierung Tsipras enttäuscht. Die Zustimmung zu dem Memorandum nach dem beeindruckenden OXI-Votum vom 5.7.2015 ist ein dramatischer Einschnitt. Die Hoffnung, auf dem parlamentarischen Weg durch die Übernahme der Regierungsverantwortung einen Politikwechsel einzuleiten, ist an der realen Macht des Staates und der kapitalistischen Institutionen der EU gescheitert.
  5. Die Politik der Syriza-Führung, wie übrigens auch die von Podemos und der der Mehrheit der LINKEN in Deutschland, beruht auf der Illusion, es ließe sich innerhalb der bestehenden kapitalistischen Institution der EU und des Euros eine gerechtere Entwicklung durchsetzen. Die Hoffnung, dass sich eine Linksregierung gestützt auf ein demokratisches Mandat durch Massenbewegungen gegen den Austeritätskurs durchsetzen oder zumindest aber wesentliche Kompromisse erreichen könnte, ist enttäuscht. Einmal an der „Macht“ ändert sich die Haltung von linken Regierungen zu den Kräften, die sie hoch gebracht haben. Deren Forderungen geraten in Widerspruch mit der Politik dieser Regierungen. In diesem Augenblick wird der linke Reformismus zum Hemmschuh für soziale Bewegungen. Diese Erfahrung haben in der Vergangenheit die Anhänger und Wähler von sozialdemokratischen Regierungen gemacht.
  6. Die Hoffnungen der Massen in eine linke Regierung haben in Griechenland zwar vorübergehend zu einem Abflauen der ökonomischen Massenstreiks geführt, dieses ist aber weder ursächlich für die Kapitulation der Tsipras-Regierung, noch ist es Ausdruck einer vorangegangenen Niederlage oder eine politischen Demoralisierung der Arbeiterbewegung und der unterdrückten Klassen. In den Monaten der Tsipras-Regierung hat es beeindruckende Kämpfe gegen die Umsetzung der Austeritätspolitik gegeben. Auch das OXI-Votum im Referendum hat das Potential für den Widerstand auch gegen das neue Memorandum gezeigt.
  7. Die Kapitulation der Syriza-Führung birgt in sich die Gefahr der Demoralisierung der Massen und eines Rechtsrucks. Auch deswegen kommt den ökonomischen Abwehrkämpfen gegen Privatisierungen, gegen Massenentlassungen und Sozialabbau eine hervorragende Bedeutung zu. Einheitsfronten gegen die Umsetzung des Memorandums in Griechenland aufzubauen, ist die zentrale Aufgabe von Sozialistinnen und Sozialisten. Darüber hinaus erklärt das Vorhandensein einer breiten Bewegung gegen Rassismus und Faschismus, warum es trotz tiefer Krise und trotz Versagens der politischen Führung von Syriza bisher nicht zu einem Rechtsruck ähnlich wie in Frankreich gekommen ist, obwohl die Gefahr weiter besteht. Es zeigt sich erneut die historische Erfahrung, dass es keinen Automatismus zwischen Krise und politischer Radikalisierung nach rechts gibt – vorausgesetzt es gibt politische und gewerkschaftliche Organisationen, die zum Träger alternativer sozialistischer Politik werden können.
  8. Wir begrüßen die neue Debatte über Alternativen zur Euro-Politik, auch wenn eine Rückkehr etwa zum Europäischen Währungssystem der 1990er Jahre, für sich genommen keine Lösung im Sinne der werktätigen Klassen in Europa ist. Ein Grexit oder Austritt Griechenlands aus dem Euro ist zwar eine Voraussetzung einer sozialistischen Perspektive der Krisenlösung, nicht aber hinreichende Bedingung. Notwendig wäre die Kombination eines Grexit mit dem Kampf für Übergangsforderungen, die die Macht der Banken und des Kapitals in Frage stellen. Beispielsweise die Aufhebung der Schuldentilgung, Verstaatlichung der Banken und Großbetriebe unter Arbeiterkontrolle, Verbot von Massenentlassungen, Aufbau antifaschistischer Aktionskomitees usw. Mit der Kapitulation der Syriza-Regierung vor der EZB und den anderen „Institutionen“ des europäischen Kapitalismus verlagert sich das Zentrum des Klassenkampfes und der politischen Prozesse notwendig wieder auf die Straßen und in die Betriebe.
  9. Die Spaltung von Syriza führt zu großer Verunsicherung. Die Verantwortung liegt vor allem bei der Tsipras-Führung, die das Programm aufgegeben hat, mit dem Syriza zur Wahl angetreten ist. Mit der Ankündigung von Neuwahlen hat er den linken Flügel vor die Alternative des Bruchs mit der bestehenden Partei oder die Unterwerfung unter die Politik der Kapitulation gestellt. Wir stehen auf der Seite derer, die sich in der Parlamentsfraktion und in der Partei gegen den Kurs der Regierung gewendet haben. Wir kritisieren die Aussage von Gregor Gysi, Katja Kipping und Bernd Riexinger, die am Tag nach dem Rücktritt von Alexis Tsipras erklärt haben, „DIE LINKE in Deutschland unterstützt Alexis Tsipras mit allen Kräften dabei, erneut eine Mehrheit für eine linke Regierung in Griechenland zu erringen.“ Es ist ein Widerspruch, Syriza zu unterstützen, auch wenn sich die Partei weiter verpflichtet das Memorandum umzusetzen und zugleich diejenigen zu unterstützen, die „einer Europäischen Union der Austerität und des Neoliberalismus den Kampf ansagen“, wie es auch in oben genannter Erklärung heißt. Ob die Neugründung der ‚Volkseinheit’ erfolgreich sein und in welchem Verhältnis zu bestehenden radikalen Formationen links von Syriza sie stehen wird, wird zum einen von ihrer politischen Grundlage, aber vor allem ihrer Rolle in den zukünftigen Kämpfen abhängen.
  10. Es ist richtig, dass DIE LINKE die Verantwortung der deutschen Regierung für die Krise in Griechenland und der Syriza-Regierung betont. Die Krise von Syriza führt auch zu einer Krise der LINKEN und der Europäischen Linken, der Illusion in eine „andere, soziale EU“ und in einen sozialen Ausgleich innerhalb der Eurozone. Lenins Kritik von 1915 an der Losung „der Vereinigten Staaten von Europa“ gilt auch heute. Lenins zentrales Argument war, dass unter kapitalistischen Verhältnissen „jede andere Basis (einer Vereinigung, d.V.), jedes andere Prinzip der Teilung als das der Macht unmöglich“ sei. Die „Macht“ sei wiederum Ausdruck der Größe des jeweiligen Kapitals oder Nationaleinkommens, wobei das „größte Kapital mehr bekommt, als ihm zusteht“. Kapitalismus, Privateigentum an den Produktionsmitteln und Anarchie der Produktion sei nicht vereinbar mit einer „gerechten“ Verteilung der Einkommen.
  11. „Die Ungleichmäßigkeit der ökonomischen und politischen Entwicklung“ sei – so Lenin- „ein unbedingtes Gesetz des Kapitalismus.“ Lenins Analyse trifft auch heute zu: die ökonomische Ungleichheit zwischen Nord- und Südeuropa, zwischen Griechenland und Deutschland, die daraus resultierende ungleiche Verteilung der Macht, ist nicht das Produkt von „falscher“ Politik, sie ist Ausdruck kapitalistischer Akkumulationsgesetze. Die Entwicklung der Klassenkämpfe in Griechenland wartet nicht auf das Heranreifen der Gegensätze in Deutschland und den übrigen Staaten der Eurozone, sie folgt ihrem eigenen Tempo. Umso wichtiger ist jetzt die aktive Solidarität mit dem griechischen Widerstand gegen die europaweite Austeritätspolitik des Kapitals. Die deutsche und europäische Linke steht vor einer großen Herausforderung und sie wird an ihrer Solidarität politisch gemessen werden.
  12. Die Teile der Linken, die die Einheit der EU und der Eurozone mit internationaler Solidarität verwechseln und vereinbar halten und die daher die Kapitulation der Tsipras-Regierung verteidigen (vgl. forum demokratischer Sozialismus, Händel-Bischoff-Radke-Troost-Wolf-Papier), stellen die aktive Solidarität mit dem griechischen Widerstand infrage. Wir führen zugleich die Debatte in der Linken über den imperialistischen Charakter der EU und der Eurozone. Ein Bruch mit diesen ist nicht notwendig ein Rückfall in den Nationalstaat und den Nationalismus, wenn er im Zeichen der Verteidigung der Lebensverhältnisse der arbeitenden Klassen erfolgt. Form und Inhalt sind nicht identisch. Die partielle Vereinigung von kapitalistischen Staaten ist so wenig eine Überwindung des Kapitalismus und Imperialismus wie eine sozialistische Revolution zunächst in einem Land oder einer Gruppe von Ländern ein Rückfall in den „Nationalstaat“.
  13. Es ist wichtig, die Frage zu diskutieren, welche Grenzen eine linke Regierungsübernahme hat. Der Staatsapparat ist nicht neutral. Syriza hat versucht, das griechische Kapital und die EU zu beschwichtigen, indem es das Verteidigungsministerium und Innenministerium an die nationalistische Anel oder Unabhängige Minister gegeben hat, die keine Bedrohung für die Repressionsorgane Militär und Polizei sind. Dieses Zugeständnis hat Syriza nicht geholfen. Von Beamtenapparat sind die linken Minister ignoriert und sabotiert worden. Die Ministerialbeamten stecken mit dem Kapital unter einer Decke. Der Staatsapparat erwies sich in der Situation der finanziellen Erpressung nicht als Instrument von Syriza auf Seiten der Besitzlosen, um die Kapitalflucht zu stoppen, die Banken zu verstaatlichen oder die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten., „Sie dachten, sie wären an der Macht, dabei waren nur an der Regierung“ dieses Zitat ist hochaktuell. Es braucht demokratische Strukturen, die den bürgerlichen Staatsapparat ersetzen und die Produktion nach den Bedürfnissen der Menschen reorganisieren können. Die können aber nur durch eine Massenbewegung entstehen. Das Kampffeld für die Linke im Kapitalismus ist nicht der Staat, sondern der Aufbau von Klassenkämpfen und Gegenmacht. Dort steckt das Potenzial zur Gegenmacht zu Banken und Konzernen. Dies wurde auch in der Woche des Referendums deutlich.
  14. Die Zuspitzung der ökonomischen Krise der EU und der Weltwirtschaft sowie die Grenzen einer parlamentarischen Strategie verdeutlichen, dass  die Frage von Reform und Revolution nicht erledigt ist. Die Linksparteien, wie sie in den letzten Jahren in mehreren Ländern entstanden sind, entwickeln sich nicht organisch hin zu klassenkämpferischen Parteien.  Auch wenn revolutionäre Sozialistinnen und Sozialisten  in jedem Land unter anderen Bedingungen arbeiten und Strukturen aufbauen. Die griechische Erfahrung bestätigt uns,, dass es wichtig auch im Rahmen einer pluralen Linken und breiter Bündnisse, ideologische Unabhängigkeit und die Fähigkeit zur Initiative zu haben.
  15. In Deutschland stehen wir vor der Aufgabe, die Solidarität mit dem konkreten Widerstand in Griechenland gegen Sozialabbau und Privatisierung, d.h. die Memorandumspolitik, zu stärken. Jan Schlemermeyer beschreibt richtig, den Standortnationalismus und die Exportorientierung in den deutschen Gewerkschaften als Hemmschuh. So macht der DBG-Bundesvorstand in seiner Erklärung vom am 6. Juli 2015 keinen Unterschied zwischen Interessen der Lohnabhängigen und des Kapitals in Deutschland: „Uns in Deutschland muss stärker bewusst sein, welche erheblichen ökonomischen Vorteile gerade wir als Exportland haben. Daher müssen wir mutig und ohne Zögern Verantwortung übernehmen. Ein Grexit wäre eine Kapitulation vor den anstehenden Herausforderungen. Die möglichen mittel- und langfristigen negativen Folgen kann heute keiner überschauen.“ DIE LINKE hat die Aufgabe, gegen den Einfluss der Sozialdemokratie, der Unionsparteien und der Grünen vorgehen, die den Standortnationalismus teilen. Das geht aber nur, wenn sie Tsipras‘ Memorandumspolitik nicht als alternativlos darstellt. Mehr Austerität in Griechenland bedeutet auch mehr Druck in Richtung Austerität in Deutschland. Der Vorsitzende von DIE LINKE. Hessen, Jan Schalauske, kritisierte zu Recht den Verkauf von 14 Flughäfen an Fraport: „Die Fraport AG darf sich nicht auf Kosten der griechischen Bevölkerung bereichern. (..) Wir lehnen die Privatisierung von öffentlichem Eigentum ab, ob in Griechenland oder in Hessen.“ Neben der Unterstützung von Kämpfen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in Deutschland sollte DIE LINKE die kommenden Blockupy-Proteste stärken und zu ihrer Ausweitung beitragen. Denn die Proteste mit 25.000 Menschen gegen das europäische Krisenregime anlässlich der Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes im März 2015 waren ein wichtiges Zeichen der internationalen Solidarität mit der Bewegung in Griechenland. Trotz einer leicht gestiegenen, gewerkschaftlichen Beteiligung mit eigener Demonstration am 18. März 2015, bleibt die GEW die einzige Gewerkschaft, die Blockupy unterstützt. Auch gibt es mehrere lokale Solidaritätsinitiativen in den Gewerkschaften – auch in der IG Metall – mit griechischen Kolleginnen und Kollegen und ihren Arbeitskämpfen. Diese Ansätze sind wichtig. Eine der wichtigsten politischen Aufgaben der LINKEN ist es, politische Alternativen zu formulieren und dazu beitragen, die Beteiligung der deutschen Gewerkschaften an Blockupy und ähnlichen Protesten in Solidarität mit den Kämpfen in Südeuropa auszuweiten.

Christine Buchholz, MdB, ist Mitglied im geschäftsführenden Parteivorstand der Partei DIE LINKE, Volkhard Mosler ist aktives Mitglied der LINKEN in Frankfurt am Main. Beide unterstützen das Netzwerk Marx21.

]]>
Blockupy: 25.000 demonstrieren friedlich gegen EZB-Eröffnung https://christinebuchholz.de/2015/04/01/blockupy-25-000-demonstrieren-friedlich-gegen-ezb-eroeffnung/ Wed, 01 Apr 2015 13:36:31 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=5498
Foto: Dietmar Treber
Foto: Dietmar Treber

Am 18. 3. demonstrierten in der Frankfurter Innenstadt über 25 000 Menschen friedlich gegen die Eröffnung der EZB und die Verarmungspolitik der Troika. Dass so viele Menschen an einem Werktag auf die Straße gegangen sind, ist ein großer Erfolg. Eine gute Kundgebung und eine riesige, bunte und internationale Demonstration waren ein kraftvolles Zeichen gegen das Kürzungsdiktat von EZB und Troika.
Sahra Wagenknecht, 1. stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, sprach auf der Kundgebung gegen das Europa der Millionäre – ebenso wie die kanadische Autorin Naomi Klein  und viele internationale Aktivistinnen und Aktivisten.
Im Nachgang der Proteste kommt es nun zu starken Angriffen von CDU, SPD und Grünen gegen DIE LINKE. Hessen und besonders gegen den Linke-Abgeordneten Ulrich Wilken aufgrund der Ausschreitungen von einigen hundert Menschen am Morgen. Die Blockupy-Demonstration haben die Parteivorsitzende Katja Kipping  im Bundestag und der Abgeordnete Ulrich Wilken im hessischen Landtag verteidigt. Wenn Politiker wie Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) die Blockupy-Organisatoren für die Straßenschlacht mitverantwortlich machen, ist das falsch. Das Blockupy-Bündnis hat einen klaren Aktionskonsens „Von uns geht keine Eskalation aus“. Ich bedaure ausdrücklich, dass es Aktionen gab, die außerhalb dieses Konsenses stattfanden. Der Text, den ich zur „Gewaltfrage“ nach den G8-Protesten in Heiligendamm im Jahr 2007 geschrieben habe, erscheint mir heute erstaunlich aktuell.
Die Debatte, wie sie von einigen Politikern geführt wird, lenkt von den gesellschaftlichen Gewaltverhältnissen ab: Die EZB zwingt die griechische Regierung zur einer Verarmungs- und Verelendungspolitik. Millionen Menschen in Griechenland sind „durch eine überharte und sozial völlig unausgewogene Austeritätspolitik wirtschaftlich abgestürzt“ belegt eine gerade veröffentlichte Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Dagegen haben wir gestern mit 20.000 Menschen demonstriert und werden es auch weiter tun.

Zum Weiterlesen:
Erklärung der LINKEN Hessen zu Blockupy
Erklärung des Blockupy-Bündnisses
Eine kleine Fotostrecke zu Blockupy 2015 ist im Folgenden zu finden

Foto: Dietmar Treber
Foto: Dietmar Treber

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

Foto: Uwe Hiksch
Foto: Uwe Hiksch

 
 
 
 
 
 

]]>
Ja zu Hilfe – Nein zur Erpressung Griechenlands durch Schäuble https://christinebuchholz.de/2015/02/27/ja-zu-hilfe-nein-zur-erpressung-griechenlands-durch-schaeuble/ Fri, 27 Feb 2015 11:32:10 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=5421 Heute hat das Bundesfinanzministerium einen Antrag zur Fortsetzung des laufenden Kreditprogramms an Griechenland eingebracht. Zusammen mit den Abgeordneten Ulla Jelpke und Inge Höger habe ich eine persönliche Erklärung abgegeben, warum wir mit „Nein“ gestimmt haben.
Persönliche Erklärung nach § 31 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages zum Antrag des Bundesfinanzministeriums für die Verlängerung der bestehenden Finanzhilfen zugunsten Griechenlands.
Wir stimmen heute gegen den Antrag des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble, weil er die griechische Regierung erpresst, den Schuldendienst an die Banken und die katastrophale Kürzungspolitik fortzusetzen. Schäuble und die Troika tragen die Verantwortung für das Verhandlungsergebnis, nicht die griechische Regierung, die mit dem Rücken an der Wand steht. Die Troika hat die Notlage der griechischen Bevölkerung ausgenutzt und mit erpresserischen Methoden den Handlungsspielraum der neu gewählten Regierung bei der Bekämpfung von Armut und sozialem Elend maximal eingeengt. Sie sind nicht bereit, das demokratische Votum der griechischen Wählerinnen und Wähler zu respektieren, die die neoliberale Politik der Troika von IWF, EZB und EU am 25. Januar abgewählt haben.
1.Griechenland bekommt weiterhin Geld nur gegen harte Auflagen, die von der Troika Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und Europäische Union vorgegeben und kontrolliert werden. Denn die Bewertung der umgesetzten Maßnahmen »obliegt den Institutionen« – wie die Troika nun genannt wird. Die griechische Regierung musste sich verpflichten, keine »einseitigen« Schritte zu unternehmen.
2. Die EU zwingt Griechenland, den Schuldendienst an die europäischen Banken und Institutionen zu bedienen statt die humanitäre und soziale Katastrophe im Land zu bekämpfen. Die Gelder aus den bisherigen »Rettungspaketen« sind zu 96 Prozent in den Schuldendienst an die europäischen Banken zurückgeflossen. Alle Haushaltsüberschüsse – auch jene, die durch die Besteuerung der Reiche erzielt werden – sollen weiterhin automatisch in den Schuldendienst gehen.
3. Alle Maßnahmen, die die humanitäre Katastrophe lindern sollen, stehen unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Troika, ebenso die Anhebung des Mindestlohnes. Zynisch ist, dass die EU die griechische Regierung gezwungen hat zu unterschreiben, dass die Bekämpfung der humanitären Krise zum Beispiel durch Lebensmittelmarken »nicht die Haushaltslage beeinträchtigen wird«.
4. Die griechische Regierung wurde darauf verpflichtet, keine laufenden Privatisierungen rückgängig zu machen und dafür Sorge zu tragen, dass »die Lohnkosten im Öffentlichen Dienst nicht steigen«. IWF und EZB haben bereits angekündigt, dass sie die vier Monate nutzen wollen, um die »Öffnung« des staatlichen Sektors für weitere Privatisierungen zu verhandeln.
Die Politik der Troika hat bereits zu einer humanitären Katastrophe geführt. Unter ihrem Druck mussten zum Beispiel 40 Prozent der griechischen Krankenhäuser schließen.
Solidarität mit der Bevölkerung in Griechenland und mit der griechischen Regierung heißt für uns, maximalen Druck auf der Straße, aber auch im Parlament auf Merkel und Schäuble aufzubauen. Mit unserem NEIN zum vorliegenden Antrag von Schäuble und der Erpressung durch die EU möchten wir die Solidarität mit Griechenland und den Widerstand gegen Sozialkürzungen in Griechenland und anderswo stärken. Eine wirkliche Atempause für die griechische Bevölkerung wäre ein Schuldenschnitt und Kredite ohne neoliberale Auflagen.
Syriza ist es mit ihrem Wahlsieg gelungen, Millionen von Menschen Hoffnungen auf ein Ende des Kürzungsdiktats und auf soziale Verbesserungen zu machen. Syriza hat eine Debatte über einen Kurswechsel in Europa angestoßen. Daran arbeiten wir gemeinsam weiter. Zusammen stehen wir vor der Herausforderung, die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse in Europa zu verändern.
Bereits im November 2012 haben wir das Griechenland-Paket abgelehnt. Aus denselben Gründen stimmen wir heute erneut gegen die Auflagen, die an die Verlängerung der Kredite gebunden sind.
Berlin, 27. Februar 2015
Christine Buchholz, Inge Höger, Ulla Jelpke
Fraktion DIE LINKE.
Griechische Version der Erklärung
 

]]>
Zypern: Solidarität mit dem Widerstand gegen die Troika https://christinebuchholz.de/2013/12/13/zypern-solidaritaet-mit-dem-widerstand-gegen-die-troika/ Fri, 13 Dec 2013 16:50:03 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=4879
Der Slogan der Anti-Troika Demonstration in Zypern am 14.12.: "Die Gesellschaft reagiert und fordert"
Der Slogan der Anti-Troika Demonstration in Zypern am 14.12.: „Die Gesellschaft reagiert und fordert“

„Das ist unser Europa, ein Europa von unten“, kommentiert Christine Buchholz, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Partei DIE LINKE, die für morgen angekündigten Proteste auf Zypern gegen die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalen Währungsfonds:
Morgen rufen die größten Gewerkschaften Zyperns zu einer Massendemonstration gegen das Spardiktat der Troika auf. Auch Bauernverbände, Rentnervereinigungen, Studierende und Schüler unterstützen den Protest, der sich gegen die drohende Privatisierung von Staatsunternehmen, Stellenabbau und drastische Sozialkürzungen richtet. Massenprotest und Massenstreiks sind die richtige Antwort auf diese Angriffe.
Die EU fordert als Gegenleistung für einen Kredit von ESM und IWF die Streichung von 8 Prozent aller Stellen im öffentlichen Dienst Zyperns, Sonderabgaben auf Löhne und Renten sowie die Anhebung der Verbrauchssteuern. Staatliche Häfen, Fernsehsender, Elektrizitätswerke und Immobilien sollen verkauft werden. Das ist der Forderungskatalog des freien Marktes.
Die Kredite aus dem ESM retten nicht Zypern oder andere südeuropäische Länder, sondern die europäischen Banken. Die europäischen Regierungen, unter ihnen federführend die Regierung Merkel, begnügt sich nicht mit den Zinsen, die den Zyprioten abgepresst werden. Sie knüpfen Bedingungen an die Kredite, um Staatsunternehmen in Zypern dem internationalen Kapital auf dem silbernen Teller zu servieren. Sie sind ein Hebel, um eine massive Umverteilung von unten nach oben zu erzwingen.
Dagegen wehrt sich morgen die Mehrheit der Bevölkerung auf Zypern. Ihr Widerstand zeigt den Weg. Wir brauchen keine EU der Spardiktate. Wir brauchen eine EU der Solidarität von unten. DIE LINKE in Deutschland steht an der Seite der zypriotischen Bevölkerung und ihren berechtigten Forderungen.
Erklärung auf griechisch

]]>
Blockupy kommt wieder – Internationaler Protest im Jahr der Europawahl https://christinebuchholz.de/2013/11/26/blockupy-kommt-wieder-internationaler-protest-im-jahr-der-europawahl/ Tue, 26 Nov 2013 14:17:24 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=4845 blockupy konferenz

Vom 22. bis 24. November  fand in Frankfurt am Main die Europäische Blockupy Aktionskonferenz statt. Knapp 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter 80 aus vielen Ländern Europas reflektierten die Erfahrungen der Blockaden und Demonstrationen im Frankfurter Bankenviertel aus den letzten beiden Jahren und erörterten die Perspektiven möglicher Proteste für 2014. Sie diskutierten in zahlreichen Workshops unter anderem über die Rolle Deutschlands in der Krise, den Charakter der Europäischen Union, über nationale und transnationale Arbeitskämpfe, sozialökologische und antirassistische Initiativen. Alle Beteiligten waren motiviert, den Blockupy Prozess weiterzuführen und im nächsten Jahr noch größere und ausstrahlungskräftigere Proteste gegen die Politik der Troika (IWF, EZB, EU-Kommission) und für ein anderes, solidarisches Europa zu organisieren.
Um diesem Anliegen gerecht zu werden, einigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach intensiven Debatten auf europaweite dezentrale Aktionstage im Vorfeld der Europawahlen im Mai 2014 sowie auf Proteste gegen die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt, die voraussichtlich Ende 2014 stattfinden wird. Die Mai-Aktionstage sollen dabei ein deutliches Zeichen der europäischen Solidarität gegen rassistische Stimmungsmache in den Ländern sowie gegen die Kürzungspolitik der Troika setzen. Die angestrebte friedliche und bunte Massenblockade des EZB-Neubaus kann einen wichtigen Beitrag zur weiteren Europäisierung des Widerstandes leisten, indem die Wut über den europaweiten Sozialabbau an einem Tag und Ort gemeinsam zum Ausdruck gebracht wird.
DIE LINKE – Parteivorstand, Bundestagsfraktion, DIE LINKE Hessen, Europafraktion, Linksjugend solid, der Studierendenverband SDS sowie weitere Aktive aus verschiedenen Landesverbänden – war aktiv an der Aktionskonferenz beteiligt. Sie brachte sich in zahlreiche Debatten ein. DIE LINKE setzt sich dafür ein, die Blockupy-Bewegung zu verbreitern und die Mobilisierung mit lokalen Kämpfen und Auseinandersetzungen in Betrieben, wie aktuell dem Einzelhandel, zu verknüpfen.
Die hoffnungsvollen Ergebnisse der Konferenz geben den zahlreichen Organisationen in den unterschiedlichsten Ländern Grundlage ihre Aktivitäten für 2014 vorzubereiten. Wir werden diese Proteste solidarisch unterstützen und einen Beitrag leisten, sie von unten mit aufzubauen. Wir werden nicht ruhen, bis ein friedliches, demokratisches, offenes und sozial gerechtes Europa Wirklichkeit geworden ist.
 

]]>
Feuert die Troika, nicht die Menschen! https://christinebuchholz.de/2013/03/14/feuert-die-troika-nicht-die-menschen/ Thu, 14 Mar 2013 13:50:23 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=4141 130314_Brüssel.01.HPgroßHier dokumentiere ich meine Rede anlässlich des europäischen Aktionstages gegen die europäische Sparpolitik in Brüssel.

Zehn Jahre nach dem härtesten Angriff auf den Sozialstaat in Deutschland demonstrieren wir heute in Brüssel gegen den EU-Gipfel. Wir fordern eine Ende des Kürzungsdiktats, eine wirkliche Perspektive für junge Menschen in Europa und dass die Reichen für ihre Krise bezahlen.
Vor zehn Jahren starteten Sozialdemokraten und Grüne den Angriff auf Arbeiter und Arbeitslose in Deutschland, um die Löhne zu drücken und die deutschen Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Sie lockerten den Kündigungsschutz, erlaubten die Leiharbeit und schafften nicht-sozialversichungspflichtige 400 Euro Minijobs. Sie kürzten massiv die Arbeitslosenunterstützung und Renten. Sie haben die Zuzahlungen im Gesundheitsbereich für die Patienten erhöht, aber die Steuern für die Reichen und Unternehmer gesenkt.
Alle Regierungen danach verfolgten die gleiche Linie. Wir sind heute konfrontiert mit mehr Armut, mehr prekären Jobs und Millionen von Niedriglohnjobs. Gleichzeitig werden die Reichen immer reicher. Das ist die Wirklichkeit hinter dem deutschen „Boom“. Wir kämpfen immer noch für einen Mindestlohn.
Der deutsche Sozialabbau mit dem deutschen Lohndumping üben Druck auf jedes Land in Europa aus. Bundeskanzlerin Merkel und der EU-Gipfel wollen mit dem „Pakt für Wettbewerb“ die gleiche Logik auf ganz Europa anwenden. Auf ihrem Gipfel wollen sie das Kürzungsdiktat durchsetzen und die Demokratie einschränken.
Wir sind solidarisch mit den griechischen, spanischen und portugiesischen Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich mutig auflehnen gegen die Zerstörung der sozialen Errungenschaften und für eine bessere Zukunft. Sie haben nicht die Krise verursacht. Es ist die Krise der Bänker und Kapitalisten. Wir zahlen nicht für ihre Profite!
Wir sagen: Rettet die Menschen, nicht die Banken!
Letztes Jahr hatten wir eine große internationale Demonstration gegen die Troika, das Spardiktat  und den Fiskalpakt in Frankfurt. Wir heißen alle Bewegungen Europas willkommen, mit uns in Frankfurt am 1. Juni gegen den europaweiten Sozialkahlschlag zu demonstrieren: Im Herzen des europäischen Krisenregimes, in der Bankenstadt Deutschlands und dem Sitz der Europäischen Zentralbank. Gemeinsam wollen wir den Widerstand gegen das Kürzungsdiktat in Europa und dem Rest der Welt stärken!
 
Today 10 years after the hardest attack on german welfare
Today we demonstrate against the EU-Summit. We are demanding an end of austerity, a real perspective for young people in Europe and make the rich pay for their crisis. Ten years ago Socialdemocrats and greens started the  attack german workers and unemployed, in the order to lower the wages to get german industry more competitive.
They lowered the protection against dismissal, allowed labour leasing, they created unprotected contracts for 400 Euros a month.
they cut the unemployment benefit massivly and cut the pensions. the made us pay more for health and lowered the taxes for the rich and the employers.
Since then all the governments in germany have followed the track. They put the retirement age to 67. Today we are confronted with more poverty, more precarious jobs and millions of low-paid jobs. At the same time the rich are getting richer. This is the reality behind the german „boom“.  We are still fighting for a minimum wage.
And the german attack on welfare and wages is putting pressure on every european country. Merkel and the EU-Summit want to apply the same logic of competitiveness to the whole of europe. This is all about there summit. To implement austerity they restrict democracy.
We are in solidarity with the greek and spanish workers who fight bravely against the destruction of welfare and for a better future. They did not cause the crisis, but it is the bankers and the capitalists crisis. We do not pay for there profits!
We say: rescue the people, not the banks!
Last year we had a big international demonstration in germany against the troika, the fiscal compact and austerity in frankfurt.
We would like to welcome all the movements of europe the demonstrate against austerity on the 1 of
june in Frankfurt: the heart of austerity europe, the banking city of germany and the headquarter of the european central bank, in order to strengthen the resistance to austerity in europe and the rest of the world.130314_Brüssel.hp.groß

]]>
We will fight, we will win, Athens, London, Rome, Berlin! https://christinebuchholz.de/2012/11/14/we-will-fight-we-will-win-athens-london-rome-berlin/ Wed, 14 Nov 2012 11:13:32 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=3659 Auf der  Solidaritäts- kundgebung am 14.11. 2012 vor dem DGB Haus in Frankfurt am Main protestieren wir gemeinsam mit den Streikenden aus Südeuropa gegen das Spardiktat der Troika – gegen den Sozialkahlschlag im Interesse der Banken und Konzerne. Meine Solidaritätsadresse findet ihr hier.
Solidaritätsadresse an die Streikenden in Südeuropa
Ausgehend von einem Aufruf aus Südeuropa streiken und demonstrieren heute in ganz Europa Beschäftigte aller Branchen gegen Sozialkahlschlag und Fiskalpakt: Lehrerinnen und Lehrer, Transportarbeiter, Krankenschwestern, Erwerbslose, Studierende, Schülerinnen und Schüler, Rentnerinnen und Rentner. Es geht um nicht weniger als um die Zukunft, um Arbeitsplätze, Löhne und Renten. Wir stehen an der Seite der Streikenden und Protestierenden gegen das Spardiktat der Troika – und gegen die deutsche Kanzlerin Merkel. Sie setzt mit dem Spardiktat des Fiskalpakts den Sozialkahlschlag für die Banken und Konzerne in Europa durch.
Merkel lobte jüngst bei ihrem Besuch in Portugal erst die „mutigen Reformen“ der Regierung. In Portugal verlieren derzeit jeden Tag rund 1000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Löhne, Arbeitslosengeld und Renten werden zusammengestrichen. Die Mehrwertsteuer wird auf 35 Prozent gesteigert. Im Bildungs- und Gesundheitswesen, bei Patienten mit chronischen Krankheiten wie HIV und Krebs wird gekürzt. Das ist nicht „mutig“, das ist eine Schande, Frau Merkel! Massen demonstrierten in Lissabon unter dem Motto: „Raus mit der Troika, raus mit der Regierung. Wir wollen leben!“
In Spanien empören sich 600 Ärzte in einem Manifest darüber, dass öffentliche Krankenhäuser keine Migranten mehr behandeln dürfen. Im gesamten öffentlichen Dienst wurden Urlaubstage und Weihnachtsgeld gestrichen. An Schulen, Krankenhäusern, Flughäfen und Bürgerämtern sollen Massenentlassungen stattfinden. Hundertausende Familien wurden seit Beginn der Krise im Auftrag der Banken aus ihren Wohnungen zwangsgeräumt. Es sind die gleichen Banken, denen Merkel und die Euro-Länder mit Zustimmung von CDU, FDP, SPD und Grünen 100 Milliarden überwiesen hat. Zu Recht ist das Motto der Empörten-Bewegung in Spanien: „Die Menschen müssen gerettet werden, nicht die Banken!“ und „Wir zahlen eure Schulden nicht!“
Damit Griechenland weiter Geld an die deutschen und europäischen Banken zahlen kann, hat Merkel im Bundestag Milliarden bewilligt. Die sogenannten „Griechenlandhilfen“ helfen aber nicht den Griechen, sondern nur den Banken: 80 Prozent dieser „Hilfen“ fließen direkt zurück an die Gläubiger – an griechische und internationale Banken, Versicherungen und Finanzinvestoren. Die Rentner und Arbeiter in Griechenland sehen davon nichts. Stattdessen hat die griechische Regierung Sonntagnacht gegen massiven Widerstand weitere 7,6 Milliarden Euro bei Gehältern und Renten gestrichen. DIE LINKE fordert dagegen, dass Banken, Hedgefonds und sonstige private Gläubiger sofort zum Verzicht auf jeden Cent ihrer restlichen Forderungen an das völlig überschuldete Land gezwungen werden.
Griechenland, Spanien und Portugal sind die Teststrecke für den künftigen Soziallabbau auch in Deutschland. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag hat den Fiskalpakt ratifiziert. Er erzwingt ein Spardiktat: Die Unterzeichner verpflichten sich, keine Schulden aufzunehmen und Altschulden abzubauen. Die Haushaltssouveränität der Parlamente wird durch einen automatischen „Sparmechanismus“ ersetzt, durchgesetzt von Sparkommissaren. Doch schon jetzt fehlt es auch in Deutschland überall an Geld für notwendige Investitionen in Bildung und Soziales. Die LINKE hat als einzige Fraktion gegen den Fiskalpakt gestimmt.
Die Zahl der Millionäre ist in Deutschland trotz Finanzkrise gestiegen. DIE LINKE fordert deshalb europaweit eine Vermögensabgabe und eine Millionärssteuer zur Finanzierung der Kosten der Finanzmarktkrise. Die Banken müssen entmachtet und unter öffentliche Kontrolle gestellt werden. Wir brauchen Löhne, von denen sich leben lässt. Nicht die Arbeitnehmer, Erwerbslosen und Rentner, sondern die Reichen und Superreichen Europas müssen zur Kasse gebeten werden.
Der heutige Streik- und Aktionstag zeigt die Stärke einer Arbeiterbewegung, die sich international organisiert. Er ist der Auftakt für weitere Kämpfe von unten. Er ist eine Inspiration und ein Auftrag an uns in Deutschland, den Widerstand auszuweiten und die geplanten Aktivitäten des „Umfairteilen“-Bündnisses und die Aktionstage unter dem Motto „Blockupy“ nächstes Jahr zum Erfolg zu machen.
We will fight, we will win, Athens, London, Rome, Berlin!

 

]]>
Solidarität mit dem Generalstreik in Portugal, Spanien und Griechenland https://christinebuchholz.de/2012/11/09/solidaritat-mit-dem-generalstreik-in-portugal-spanien-und-griechenland/ Fri, 09 Nov 2012 13:27:11 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=3629
Europaweit gehen die Menschen am 14. November auf die Straße. In Portugal, Spanien und Griechenland protestieren sie mit Generalstreiks dagegen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ganz Europa für die Folgen der Finanzkrise zahlen sollen. Während Banken mit milliardenschweren Rettungspaketen unterstützt werden, werden europaweit
Hundertausende Arbeitsplätze vernichtet, Sozialleistungen zusammengestrichen und die dortige Wirtschaft weiter kaputtgespart. Schon jetzt fehlt es auch in Deutschland überall an Geld für notwendige Investitionen in Bildung und Soziales. Während die Steuern für die Reichen und Konzerne gesenkt wurden, schuften in Deutschland zunehmend mehr
Menschen für einen Niedriglohn und sind arm – trotz Arbeit. Gleichzeitig ist die Zahl der Millionäre trotz Finanzkrise in Deutschland gestiegen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander.
Europaweiter Protest am 14. November
Die Menschen in Europa sind immer weniger bereit, die erzwungenen Kürzungen bei Löhnen, Renten, im Gesundheits- oder Bildungsbereich über sich ergehen zu lassen. Auch der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) hat daher zu einem europaweiten Protesttag aufgerufen, den DIE LINKE unterstützt. Denn die brutalen Kürzungsdiktate, die maßgeblich von der schwarz-gelben Bundesregierung durchgesetzt werden, gefährden Demokratie und Sozialstaat – hier und in Europa. Griechenland, Spanien und Portugal sind die Teststrecke für weiteren Soziallabbau auch in Deutschland.
Reichtum ist teilbar – Millionärsteuer jetzt!
DIE LINKE fordert europaweit eine Vermögensabgabe und die Einführung einer Millionärsteuer zur Finanzierung der Kosten der Finanzmarktkrise und zur Reduzierung der öffentlichen Schulden. Nicht die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Erwerbslosen, Rentnerinnen und Rentner, sondern die Reichen und Superreichen müssen zur Kasse gebeten werden. DIE LINKE fordert Löhne, von denen sich leben lässt. Die Banken und Finanzmärkte müssen entmachtet
und unter öffentliche Kontrolle gestellt werden.
Jetzt selbst aktiv werden!
Wenn wir Demokratie und Sozialstaat in Europa verteidigen wollen, müssen wir jetzt aktiv werden. DIE LINKE ist mit dabei. Mischen auch Sie sich ein!
Solidarität zeigen in Frankfurt am Main:
10 Uhr Kundgebung am DGB Haus
14 Uhr Solidaritätskundgebung vor dem griechischen Generalkonsulat
18 Uhr Demonstration vom griechischen Generalkonsulat zur EZB
19:30 Abschlusskundgebung
Einige bundesweite Solidaritätstermine sind hier zu finden.

]]>
Blockupy-Konferenz: Vom Widerstand in Südeuropa lernen https://christinebuchholz.de/2012/10/17/blockupy-konferenz-vom-widerstand-in-sudeuropa-lernen/ Wed, 17 Oct 2012 08:07:59 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=3509 Linkfraktion.de habe ich ein Interview gegeben über das kommende Blockupy-Wochenende in Frankfurt, Widerstand in Südeuropa, eine Retterin, die keine ist, eine Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung und eine Demokratie, die nicht von Banken und Konzernen beherrscht wird.
Am kommenden Wochenende treffen sich in Frankfurt am Main wieder Aktivistinnen und Aktivisten unter dem Motto „Blockupy Frankfurt“. Sie wollen nachholen, was im Mai bei den Aktionstagen aufgrund der zahlreichen Versammlungsverbote nicht mehr möglich war: das inhaltliche Programm der Protestierenden zum einen den Bürgerinnen und Bürgern vermitteln, zum anderen Ideen für neue Aktionstage im kommenden Jahr austauschen. Sie sind dabei. Worauf und vielleicht auch worüber freuen Sie sich am meisten?Christine Buchholz: Dass wir endlich im Schatten der Frankfurter Bankentürme in einem großen Veranstaltungszelt über den europaweiten Widerstand gegen das Spardiktat diskutieren können – und über eine wirkliche Demokratie, die nicht von Banken und Konzernen beherrscht wird. Im Mai fielen über 70 Blockupy-Veranstaltungen in mehreren Zelten zu verschiedenen Themen dem undemokratischen Demoverbot des schwarz-grünen Magistrats der Stadt Frankfurt zum Opfer. Ich freue mich sehr, dass das Verwaltungsgericht dem Grundrechtekomitee nun Recht gegeben und das Versammlungsverbot  von damals als rechtswidrig verurteilt hat. Mit absurden Gefahrenprognosen hatte die Stadt das Grundrecht aufgehoben, sich frei und gemeinsam unter öffentlichem Himmel zu versammeln. Die größte Demonstration in Frankfurt in diesem Jahrtausend hat die Stadt und die Gerichte unter Druck gesetzt.
Die Fraktion DIE LINKE lädt ja schon im Vorfeld zu Diskussionen ein. Was wird dabei im Mittelpunkt stehen?
Merkel wird von den großen Medienkonzernen als Retterin und Geldgeberin Europas dargestellt. In Wirklichkeit rettet sie die deutschen und europäischen Banken und stürzt Beschäftigte, Rentner und Jugendliche in den Krisenländern in die soziale Misere. In Südeuropa tobt der Kampf um die Frage, wer für die Krise zahlt. Am 18.Oktober rufen die Gewerkschaften in Griechenland zum nächsten Generalstreik auf. Dann läuft die Frist der EU für die Regierung aus, das Sparprogramm, dass nichts anderes ist als ein Sozialkahlschlag- und Privatisierungspaket gegen den Widerstand durchzusetzen. Kann die griechische Regierung die Bevölkerung mit der  Drohung erpressen, Griechenland würde sonst aus dem Euro geschmissen, oder stoppen die Gewerkschaften den Sozialkahlschlag? Wir wollen linke Strategien gegen die Eurokrise diskutieren – mit einem Sprecher der griechischen Linkspartei Syriza, einem Aktivisten der spanischen Jugendbewegung der Indignados und einer Vertreterin der französischen Linken. Was sind die Alternativen der LINKEN in Deutschland zu Fiskalpakt und Milliardenpakete für die Banken? Was sind die Forderungen der Menschen auf den Straßen von Athen, Paris,  Rom, Lissabon und Madrid? Wir wollen von ihren Erfahrungen lernen.
Im Mai beteiligten sich 30.000 Menschen an der Demonstration in Frankfurt, zu der das Bündnis aufgerufen hatte. Inzwischen scheint es ruhiger geworden zu sein. Womit, glauben Sie, lassen sich Menschen heute und perspektivisch mobilisieren?
Deutschland ist eines der wenigen Länder in Europa, die noch nicht in der Rezession stecken. Trotzdem wächst die Schere zwischen Arm und Reich, verursacht durch Niedriglöhne einerseits und Steuergeschenke an die Reichen andererseits. Viele Menschen sind zu Recht empört, dass die Bevölkerung für die Banken mit Milliarden haften soll. 40.000 Menschen in 40 verschiedenen Städten haben im September an dem bundesweiten Aktionstag für die Reichensteuer und die Umverteilung des Reichtums teilgenommen. Der Fiskalpakt und seine Schuldenbremse greifen nächstes Jahr auch in Deutschland. Bund und Länder müssen dann Milliarden einsparen. Der Kürzungszwang bei Bildung, Gesundheit und Sozialem wird noch größer. Schon jetzt gibt es viele Initiativen gegen Kürzungen in Krankenhäusern, bei Jugendclubs, in der Bildung.
Im Zentrum der Proteste stand die Sparpolitik und ihre Folgen in Europa, aber auch das Demokratiedefizit, das mit der Krisenpolitik einher geht. Worin macht sich das besonders bemerkbar?
Der Fiskalpakt zementiert Sozialabbau für alle Ewigkeit. Er ist unkündbar und überträgt die Befugnisse der Parlamente an EU-Technokraten in Brüssel. Sie überwachen die Schuldenbremse, bestrafen Staaten bei Nicht-Einhaltung und setzen Sparkommissare ein. Es ist ein Skandal, dass die Mehrheit von SPD und Grünen-Abgeordneten diesem Gesetz die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit gegeben hat. Sie haben sich gegen den sozialen Widerstand gestellt. Gleichzeitig sehen wir auf den Straßen von Athen, Madrid, Paris eine neue Qualität von Polizeigewalt gegen Demonstrantinnen und Demonstranten. Die Sparpolitik ist in keinem betroffenen Land mehrheitsfähig. Deshalb peitschen die Regierungen sie mit Gewalt durch.
Während des französischen Präsidentschaftswahlkampfs präsentierte sich der sozialistische Kandidat François Hollande als ein glühender Kritiker des Fiskalpakts. Jetzt hat auch die französische Nationalversammlung den Pakt ratifiziert, und Hollande steht im Rampenlicht Seite an Seite mit Angela Merkel. Gibt es in Europa noch ernst zu nehmenden politischen Widerstand gegen Sparwahn und Entdemokratisierung? Bündnispartner?
Überall in Europa regt sich Widerstand gegen die Zerstörung des Sozialstaats – von Portugal bis Griechenland. In Portugal demonstrierten 600.000 gegen die Regierung in Lissabon. Gemeinsam sangen sie die Hymne der Portugiesischen Revolution von 1974, die die faschistische Diktatur zu Fall brachte. In Italien streikten Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Studierende gegen die Bildungskürzungen. In Frankreich entsteht eine Bewegung aus Gewerkschaften und linken Parteien, die Hollandes Sparprogramm zu Fall bringen wollen. 80.000 Menschen demonstrierten in Paris gegen den Fiskalpakt. Während der Parlamentsabstimmung gingen Zehntausende in acht Großstädten auf die Straße, in Le Havre streikten die Werftarbeiter, in Paris ging die Polizei brutal gegen demonstrierende Citroen-Arbeiterinnen und Arbeiter vor.
Wie kann Solidarität mit den Krisenländern konkret aussehen?
Wir können Menschen aus den Krisenländern mit Veranstaltungen wie in Frankfurt eine Stimme geben. Mit Augenzeugenberichten können wir die Medienblockade in der Berichterstattung über den Widerstand durchbrechen und die Lügen der Medien zum Beispiel über die angeblich „faulen Griechen“ aufdecken. Griechenland, Spanien und Portugal sind die Teststrecke für kommenden Sozialabbau in Deutschland. Das dürfen wir nicht zulassen. Gelingt es dort soziale Rechte und öffentlichen Dienste zu verteidigen, ist das eine riesige Inspiration für uns. Vom Erfolg der Proteste in Griechenland, Spanien und Portugal hängt die Zukunft der Demokratie und der sozialen Errungenschaften in Europa ab. Deshalb müssen wir alles tun, um den Widerstand in Südeuropa zu unterstützen. Blockupy ist Teil davon, weil wir hier gemeinsam mit den Bewegungen in anderen Ländern, Perspektiven und Kämpfe entwickeln.
Welche Hoffnungen knüpfen Sie an die Aktivitäten von Blockupy, aber auch der Fraktion DIE LINKE im nächsten Jahr?
Die internationale Demonstration von Blockupy gegen Bankenmacht und Fiskalpakt in Sichtweite der Europäischen Zentralbank im Mai war ein erster Schritt der Solidarität. Wir würden es absolut begrüßen, wenn wir im nächsten Jahr wieder im Rahmen von internationalen Aktionstagen gegen das Europa der Banken und des Sozialabbaus demonstrieren könnten. Wir wollen helfen, das Blockupy-Bündnis auszubauen und eine breitere Unterstützung in den deutschen Gewerkschaften erreichen. Ein Festival des europäischen Widerstands in Deutschland –  dem Land, das Lohndumping und Sozialabbau in ganz Europa vorantreibt, wäre ein wichtiges Signal.
]]>
Demonstrationsfreiheit statt EU-Spardiktat https://christinebuchholz.de/2012/05/25/blockupy-frankfurt-der-protest-gegen-das-spardiktat-der-troika-wurde-bewusst-kriminalisiert/ Fri, 25 May 2012 16:58:40 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=3085 Heute fand im Bundestag auf Antrag der Linksfraktion eine Aktuelle Stunde zur Unterdrückung der Demonstrationsfreiheit anlässlich der Proteste gegen Bankenmacht in Frankfurt statt. Der schwarz-grüne Magistrat der Stadt hatte die europaweiten Aktionstage des Blockupy-Bündnisses verboten. Die Polizei ging daraufhin mit großer Brutalität vor und nahm über 1400 Leute in Gewahrsam.
Hier könnt ihr meine Rede anschauen und nachlesen:

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der schwarz-grüne Magistrat der Stadt Frankfurt und das Land Hessen haben Frankfurt zur verbotenen Stadt gemacht.
(Omid Nouripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist jetzt schon falsch!)
Sie haben die europaweiten Aktionstage des Bündnisses „Blockupy Frankfurt“ über vier Tage untersagt. Doch die Demonstranten haben sich das Recht auf Versammlungsfreiheit nicht nehmen lassen.
(Beifall bei der LINKEN)
Frankfurt hat einen bunten und friedlichen Protest gegen Kapitalismus und Bankenmacht erlebt. Von den Demonstranten ging keine Gefahr aus. 5 000 Polizisten, teilweise in martialischem Aufzug, haben die Innenstadt abgeriegelt und somit effektiv das Bankenviertel blockiert. Ich selbst war die ganze Zeit anwesend, also auch am 17. Mai auf dem historischen Paulsplatz.
(Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das habe ich doch eben schon mal gehört!)
Dort hatte das Komitee für Grundrechte und Demokratie aus Protest gegen das Demonstrationsverbot eine Kundgebung für Versammlungsfreiheit angemeldet, die ebenfalls verboten wurde. Mein Dank gilt den Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Paulsplatz, die trotzdem gekommen sind und Versammlungsfreiheit über mehrere Stunden im Kessel der Polizei verteidigt haben.
(Beifall bei der LINKEN)
Ihr Einsatz war entscheidend dafür, dass die Tage so erfolgreich und friedlich verlaufen sind. Die Polizei hat insgesamt 1 430 Menschen in Gewahrsam genommen nur weil sie sich versammelt haben.
(Dr. Patrick Sensburg (CDU/CSU): Das stimmt doch gar nicht! Ist gelogen!)
Mehreren Hundert Menschen hat die Polizei die Einreise nach Frankfurt versagt. Diese Platzverweise hat die Polizei auch dann noch ausgesprochen, als sie vom Gericht als unrechtmäßig eingestuft wurden. In einem Polizeibericht steht als Grund der Festnahme: „Antikapitalismus“.
(Heiterkeit bei der LINKEN)
Wo bleibt hier die Meinungsfreiheit?
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Es ist die bittere Ironie der Geschichte, dass Boris Rhein, der heutige hessische Innenminister, mit dem hohen Stellenwert des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit 2007 den polizeilichen Großeinsatz zum Schutz einer Nazidemonstration mit 1 500 gewalttätigen Neonazis gerechtfertigt hat. Das ist Versammlungsfreiheit, wie sie die hessische CDU versteht.
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Hä? – Zuruf von der CDU/CSU: Da klatscht ja niemand!)
Folgenden Bericht einer 60-jährigen Stuttgarterin habe ich erhalten: „Wir nahmen trotz Verbot das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch. … Unsere Gruppe wurde umgehend von Polizeitrupps flankiert, besprungen,
(Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): Das glaube ich nicht!)
gestoppt, gekesselt, abtransportiert ins Polizeipräsidium, dort erst mal im Käfig gehalten, dann wiederholte zähe, schwerfällige Personalienkontrolle, danach der Höhepunkt der Demütigung: Nacktkontrolle mit der Drohung: „Wenn Sie sich nicht selbst ausziehen, tun wir das für Sie“. Von der Käfighaltung bis zur Entlassung vergingen circa 4,5 Stunden.“ Auch ich habe selbst mehrfach Provokationen von Polizisten erlebt. Es ist ein Hohn, wenn die Oberbürgermeisterin Roth den Polizeieinsatz im Nachhinein als „besonnen“ rechtfertigt. Die Einzigen, die an diesen Tagen wirklich besonnen waren, waren die Demonstranten, die auf diese Provokationen nicht reagiert haben.
(Beifall bei der LINKEN – Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Das Demonstrationsverbot war rein politisch motiviert. Der Protest gegen das Spardiktat der Troika wurde bewusst diffamiert und kriminalisiert. Ich frage Sie: Warum haben Sie so viel Angst vor den Protesten im Frankfurter Bankenviertel? Weil die Kritik der Demonstranten ins Schwarze trifft. Weil Sie eine Politik für das reichste Prozent der Bevölkerung machen. Weil Sie die Profite der Banken und Konzerne sichern und mit dem Fiskalpakt einen europaweiten Sozialkahlschlag erzwingen wollen. Ihre Sparauflagen sind Verarmungsprogramme für die arbeitende Bevölkerung in Europa. Sie haben Angst, dass diese sich gegen Ihre Politik wehrt.
(Josef Philip Winkler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wenn Sie das wirklich glauben, tun Sie mir leid!)
Um das zu verhindern, hebeln Sie demokratische Rechte aus. Das ist ein Skandal.
(Beifall bei der LINKEN ? Dr. Patrick Sensburg (CDU/CSU): Wen meinen Sie denn mit „Sie“ genau?)
Sie zum Beispiel. Die Regierung.
(Dr. Patrick Sensburg (CDU/CSU): Sie können „Sensburg“ sagen!)
Da machen wir nicht mit. Die Unterstützung, die wir von der Bevölkerung in Frankfurt erfahren haben zeigt, dass wir damit nicht alleine stehen. Wir fordern die rückhaltlose Aufklärung über die Polizeiübergriffe in Frankfurt, und wir unterstützen das Bündnis „Blockupy Frankfurt“ in seiner Klage gegen das Versammlungsverbot.
(Marco Buschmann (FDP): Weil Sie selber Organisatoren sind! Sie unterstützen sich selber! Das ist ja originell!)
Wir versprechen Ihnen: Wir kommen wieder.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Linke ist die einzige im Bundestag vertretene Partei, die an den Protesten von Anfang an beteiligt war. Ich sage: Ich hätte mir gewünscht, dass sich Grüne und SPD stärker in diesen Prozess eingebracht hätten.
(Dr. Patrick Sensburg (CDU/CSU): Die sind doch noch demokratisch! – Dr. Matthias Zimmer (CDU/CSU): Sie leben im Rechtsbruch, nicht? – Gegenrufe von der LINKEN)
Wir stehen mit unserem Protest an der Seite der Griechinnen und Griechen, die den Angriff auf ihre Lebensgrundlagen ablehnen. Ich weiß, wovon ich rede. Ich war gerade in Griechenland
(Marco Buschmann (FDP): Da haben Sie sich Anregungen geholt?)
und habe die Angst und die Wut der Menschen gespürt, die wissen, dass dann, wenn nicht eine linke Antwort kommt, eine Regierung an die Macht kommt, die bereits im Juni 12 Milliarden Euro bei den Renten und im Gesundheitsbereich kürzen wird und das, obwohl schon jetzt nicht genug Spritzen und Handschuhe da sind, um alle lebensnotwendigen Operationen durchführen zu können. Ihre Freiheit ist nicht die Demonstrationsfreiheit, sondern die Freiheit der Banken.
(Lachen des Abg. Wolfgang Wieland (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) ? Michael Grosse-Brömer (CDU/CSU): Das Leben ist so einfach!)
Wir stehen für ein Europa von unten gegen ein Europa der Banken und Konzerne! Und das können Sie uns nicht verbieten.
(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der CDU/CSU: Peinlich!)

]]>