Sarrazin – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Thu, 29 Aug 2019 09:57:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Begrüßungsrede zur Aktivenkonferenz von „Aufstehen gegen Rassismus“ in Frankfurt am Main, 1. September 2018 https://christinebuchholz.de/2018/09/12/begruessungsrede-zur-aktivenkonferenz-von-aufstehen-gegen-rassismus-in-frankfurt-am-main-1-september-2018/ Wed, 12 Sep 2018 12:39:06 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6904 Solidaritätsgruß nach Chemnitz
Solidaritätsgruß nach Chemnitz

Liebe Freundinnen und Freunde,

ein herzliches Willkommen auch von mir.

  • als am letzten Sonntag durch Chemnitz‘ Straßen der Mob Menschen, die sie für Migranten, für Geflüchtete, für Muslime gehalten haben, gejagt haben …
  • als AfD-Politiker das verharmlost haben und Markus Frohnmaier twitterte: „Heute ist es Bürgerpflicht, die todbringende Messermigration zu stoppen“…
  • als dann auch noch der Fraktionsvorsitzende Gauland Verständnis zeigte, dass man nach    solchen Tötungsdelikten wie in Chemnitz geschehen, nun mal ausrasten würde…
  • als sich dann die AfD-Führung halbherzig davon distanzierte und gleichzeitig zahlreiche Funktionsträgerinnen und –träger der AfD auf Social Media stolz ihre Teilnahme an diesen rassistischen Mobilisierungen zeigten…
  • und als dann auch noch Politik und Medienmacher Verständnis für die Wut und den Frust der besorgten Bürger zeigten…

Ich glaube, allerspätestens da ist vielen von uns klar geworden: Es gibt ein massives Problem mit Nazis, es gibt ein massives Problem mit der AfD, und es gibt ein massives Problem mit Rassismus in Deutschland.
Die AfD spielt nicht die einzige Rolle, aber sie spielt eine Schlüsselrolle. Denn sie ist zu einem Sammelpunkt geworden, weil sie mit ihrer parlamentarischen und ihrer medialen Präsens Legitimation und Öffentlichkeit schafft für diese Positionen, die es ja vorher auch schon gab. Und die Mobilisierung, davon müssen wir ausgehen, wird weiter gehen.
Die Hetzjagd, ja die Übermacht, die die Rechten demonstriert haben, hat sie gewissermaßen in einen Rausch versetzt. Ich glaube, wir müssen davon ausgehen, dass es die nächsten Tage und Wochen weiter gehen wird.
Ich habe ein Zitat gefunden von Götz Kubitschek. Er ist Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik und Geschäftsführer des neurechten Antaios-Verlages. Er zitiert Martin Kohlmann von der rassistischen Partei Pro Chemnitz: „Die Demo war die größte in Chemnitz seit 1989. Wir hoffen, dass jetzt genau die Stunde schlägt, die historische Umbruchstimmung einsetzt. Diese kann nur von Sachsen ausgehen. Wir wollen, dass das Thema der Asylbewerberkriminalität wahr- und ernstgenommen wird. Wir wollen, dass die Bürger ihr Recht auf Mitsprache einfordern. Alle merken, dass das Schlaraffenland dem Ende zugeht. Jetzt geht es um die Töpfe. Es geht um das Fremde und das Eigene. Wir wollen die Deutschen dazu ermuntern, das Eigene zu verteidigen, solange es noch möglich ist.“
Das zeigt zuerst, dass die Nazis und auch die AfD die Tötung von Daniel H. in Chemnitz ausnutzen. Sie instrumentalisieren den Fall für einen Plan, den sie schon längst in der Tasche hatten, für eine Praxis, die sie schon längst betreiben. Es zeigt sich, dass die AfD und die extreme Rechte vorsätzlich zuspitzen auf die Fragen um Migration, Asyl und Islam. Sie schwören ihre Anhängerschaft ein auf einen rassistischen, völkischen Überlebenskampf. Auch Björn Höcke hat das ausgedrückt. Er sagte: „Die AfD ist die letzte friedliche Chance für unser Vaterland“. So sind seine Worte. Das ist eine implizite Drohung mit Gewalt.
Die Rechten greifen zurück auf rassistische Muster und Stereotypen, die in dieser Gesellschaft schon seit Langem verbreitet werden. Die Debatte hat sich verschoben. Schauen wir uns die Thesen an, die ein Thilo Sarrazin verbreitet, der gerade aktuell ein Buch herausgebracht hat. Sarrazin spricht von „feindlicher Übernahme“; davon, dass der Islam die Ursache allen Übels sei. Schauen wir uns an, was ein Seehofer verbreitet. Kurz nach seiner Ernennung zum Innenminister sagte er in die Kameras: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Der eine Politik der Flüchtlingsabwehr betreibt, die geradezu suggeriert, dass das Hauptproblem für die Bevölkerung in Deutschland Geflüchtete seien.
Das ist die Politik aus der so genannten „Mitte“ der Gesellschaft, die zu einer Diskursverschiebung geführt hat. Diese Diskursverschiebung hat zu einer Veränderung der Stimmung in der Bevölkerung geführt. Es gibt viele, viele Zahlen. Ich will nur ein paar nennen. Inzwischen sind 57 % der Menschen in Deutschland der Meinung, dass der Islam sehr bedrohlich sei. Weitere 40 % wollen muslimische Zuwanderung untersagen.
Diese Stimmung hat auch sehr praktische Konsequenzen. Beispielsweise, dass wir 2017 in Deutschland pro Tag fünf gewaltsame Übergriffe auf Geflüchtete hatten. Ein Tag nach den pogromartigen Hetzjagden in Chemnitz gab es auch gleich einen Übergriff auf einen jungen Syrer in Wismar.
Diese Stimmen aus der vermeintlichen „Mitte“ verstärken den Rassismus in der Gesellschaft und führen letztendlich dazu, dass Einzelne den Worten Taten folgen lassen.
Und deswegen sagen wir: Wir kämpfen gegen Rassismus. Wir stehen ohne Wenn und Aber an der Seite von Opfern rassistischer Gewalt.
Wir sind überzeugt: Wer der AfD und der rechten Szene den Boden entziehen möchte, der darf zu dem alltäglichen Rassismus nicht schweigen. Das gilt in Chemnitz, aber nicht nur dort. Das gilt überall.
Deshalb ist es so wichtig, dass wir überall, wo wir sind, Strukturen und Bündnisse aufbauen und stärken. Es hängt immer vom Widerstand in der Gesellschaft ab, ob sich die Rechten breitmachen können, ob sie Unterstützung in der breiteren Bevölkerung bekommen. Es hat sich immer wieder in der Geschichte gezeigt: In dem Moment, da es breite und entschlossene Bewegung gab, gegen Rassismus, gegen Nazis, konnten sie auch zurückgedrängt werden. Und wo das unterblieben ist, da wurden sie nicht zurückgedrängt. Der Weg des Protestes, des Widerstands ist der richtige Weg – und nicht jener der Anpassung oder des Wegschweigens von Rassismus.
Wir brauchen einen langen Atem. Wir müssen den Widerstand geduldig aufbauen. Ich finde es wichtig, dass wir uns nicht entmutigen lassen – auch nicht von den Ereignissen und diesen Kräfteverhältnissen, wie wir sie in Chemnitz gesehen haben. Uns muss klar sein, dass das, was in Chemnitz passiert ist, kein spontaner Ausbruch war. Es ist das Produkt einer jahrelangen Arbeit des gesamten rechtsextremen Spektrums, der NPD, der Neonazis, der AfD.
Aber es gibt auf der Gegenseite viele, viele Menschen, so wie „Aufstehen gegen Rassismus“. Heute werden in Chemnitz hoffentlich viele Menschen gegen die rechte Gewalt demonstrieren. Auch unsere Freundinnen und Freunde von „Aufstehen gegen Rassismus“ in Chemnitz werden da an vorderster Front mit dabei sein. Am Montag wird es ein großes Konzert mit den Toten Hosen und anderen geben unter dem Motto #wirsindmehr. Das ist so wichtig. Es macht deutlich, dass die Mehrheit weiterhin diese rechte Gewalt und diesen Rassismus ächtet.
Hunderttausende sind im Sommer auf die Straße gegangen, um gegen die AfD zu demonstrieren. Ob das jetzt in Berlin, in Augsburg oder in Kandel war, gegen die jeweilige rechte Mobilisierung. Hundertausende sind gegen Seehofer, für eine „Seebrücke“ und eine humane Flüchtlingspolitik auf die Straße gegangen. Und wir werden jetzt auch im Herbst, sowohl die antirassistische Parade „We’ll come united“ in Hamburg haben, als auch die große Demonstration unter dem Motto #unteilbar in Berlin.
Hier knüpfen wir an. Wir wollen Aufstehen gegen Rassismus weiter aufbauen, weiter stärken, weiter verbreitern. Das versuchen wir über diese Konferenz. Wir versuchen, in jedem Ort, den wir erreichen können, sichtbar zu werden. Wir sind sehr stolz, dass wir es geschafft haben, in diesen zweieinhalb Jahren, wo es uns gibt, tatsächlich eine Präsenz zu bekommen und Ansprechpartner geworden zu sein. Es gibt, glaube ich, keine Großmobilisierung mehr gegen die AfD, wo Aufstehen gegen Rassismus nicht beteiligt, anwesend und sichtbar ist. Diese Konferenz soll dazu beitragen, dass wir uns zusammensetzen, Erfahrungen mitbringen und uns über die vielen Aktivitäten, über die Stammtischkämpferinnen-Ausbildungen, über die vielen Mobilisierungen austauschen. Um wieder herauszugehen, unsere Gruppen weiter aufzubauen, die nächste Herausforderungen anzunehmen.
In diesem Sinne: Ganz, ganz herzlich willkommen! Ich freue mich auf ein spannendes, ein produktives Wochenende mit euch allen.
No pasarán! Wir werden sie nicht durchlassen!
Wir werden nicht zulassen, dass der Mob, der sich da in Chemnitz gezeigt hat und Geflüchtete durch die Straßen hetzt, dass der das gesellschaftliche Klima bestimmt. Wir stehen gemeinsam auf gegen Rassismus.

]]>
Sarrazin hetzt, der NSU mordet https://christinebuchholz.de/2012/03/07/sarrazin-hetzt-die-nsu-mordet/ Wed, 07 Mar 2012 12:30:59 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=2823 Zu Thilo Sarrazins gestrigen Äußerungen zu jungen Muslimen in der BILD-Zeitung habe ich als  Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Partei DIE LINKE erklärt:
Sarrazin lügt, provoziert und hetzt in rassistischer Manier gegen Muslime. Aussagen von Sarrazin wie: „Niemand muss in Deutschland leben, wenn er unsere kulturellen Werte nicht teilt“, sind eine Steilvorlage für Nazis. Die Morde des NSU an Migranten türkischer und griechischer Herkunft sollten uns eine Warnung sein. Rassistische Hetze ist tödlich.

]]>
Neues Material: Powerpoint-Präsentation und Skript zu Sarrazin und antimuslimischem Rassismus https://christinebuchholz.de/2012/02/03/neues-material-powerpoint-prasentation-und-skipt-zu-sarrazin-und-antimuslimischem-rassismus/ Fri, 03 Feb 2012 11:52:17 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=2647 Im Sommer 2010 veröffentlichte der ehemalige Berliner Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin sein menschenverachtendes Buch „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“, in welchem er Menschen lediglich nach ihrem Nützlichkeitswert für die Ökonomie betrachtet und vor allem die Muslime als Bedrohung für das Abendland stilisiert. Das Buch avancierte zum Bestseller.
Der damalige NPD-Vorsitzende Udo Voigt freute sich über die unerwartete Schützenhilfe durch den SPD-Mann Sarrazin: „Unsere Aussagen werden damit salonfähiger und es ist dann auch immer schwerer, Volksverhetzungsverurteilungen gegen NPD-Funktionäre anzustreben, wenn wir uns zur Ausländerpolitik äußern, wenn sich etablierte Politiker auch trauen, das zu äußern.“
Seitdem ist einiges passiert. Europaweit sind rechte und neurechte Parteien im Aufwind und in nahezu der Hälfte aller EU-Staaten im Parlament vertreten. Ein ehemaliger Parteiaktivist der „rechtspopulistischen“ norwegischen Fortschrittspartei, der überzeugt ist, Kreuzritter im Kampf gegen die Islamisierung Europas zu sein, richtete ein Massaker in einem Ferienlager der JungsozialistInnen mit 77 Toten an und die BRD erlebt derzeit den größten Verfassungsschutzskandal seit dessen Bestehen: Täglich werden neue Morde und Gewalttaten von Neonazis aufgedeckt, denen in der Vergangenheit von den Ermittlern eine rassistische Motivation konsequent abgesprochen wurde.
Die Powerpoint-Präsentation „Linke Argumente gegen Rechte Hetze – Thilo Sarrazins Rassismus und die Krise“ und das dazugehörige Skript sind ein Mittel mit dem Veranstaltungen und Schulungen vorbereitet werden können.
Die Powerpoint-Präsentation ist zu erhalten über daniel.wittmer@die-linke.de und christine.buchholz@die-linke.de.
Das Skript zur Präsentation „Linke Argumente gegen Rechte Hetze – Thilo Sarrazins Rassismus und die Krise“ steht hier zum Download bereit.

]]>
Aufstehen gegen Rassismus https://christinebuchholz.de/2010/06/30/aufstehen-gegen-rassismus/ Wed, 30 Jun 2010 11:54:24 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=1205 Am 1. Juli 2009 ermordete ein Sympathisant der NPD die Ägypterin Marwa El-Sherbini im Landgericht Dresden. Christine Buchholz, Mitglied im Geschäftsführenden Parteivorstand der Partei DIE LINKE, nimmt an der morgigen Einweihung der Gedenktafel für Marwa El-Sherbini in Dresden und der Demonstration gegen Rassismus teil. Sie erklärt:
Der Mord an Marwa El-Sherbini war eine rassistische Tat. Sie wurde ermordet, weil sie Muslimin war und ein Kopftuch trug. Die Tat ist kein Einzelfall, sondern der grausame Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas der Islamfeindlichkeit. Zu dieser Stimmung tragen auch Politikerinnen und Politiker bei, die den Eindruck vermitteln, der islamische Glaube sei ein Bekenntnis zum Terrorismus und das Tragen eines Kopftuches sei ein Mangel an Integrationsfähigkeit. Wer wie Thilo Sarrazin bewusst Rassismus gegen Migrantinnen und Migranten, vor allem Muslime, schürt, ist ein geistiger Brandstifter.
Rassistische Beleidigungen und gewalttätige Angriffe gehören für Musliminnen und Muslime mittlerweile zum Alltag in Deutschland: Die Hälfte der Studierenden aus dem Nahen und Mittleren Osten gab in einer Umfrage an der TU Dresden an, rassistische Beschimpfungen und Gewaltandrohungen erlebt zu haben. Jeder 16. wurde tatsächlich gewaltätig angegriffen.
Weder die Bundeskanzlerin Merkel noch der jetzige Innenminister Thomas De Maizière haben das Alarmzeichen ernstgenommen, das von dem Mord in Dresden ausging. Stattdessen weigert sich der Innenminister das Thema Islamfeindlichkeit auf der Deutschen Islamkonferenz angemessen zu behandeln, wie die muslimischen Verbände es fordern.
Jeder und jede ist gefordert, gegen Rassismus aufzustehen, damit sich rassistische Morde nicht wiederholen.

]]>
Innenminister De Maizière blockiert die Debatte über steigende Islamfeindlichkeit https://christinebuchholz.de/2010/05/17/innenminister-de-maiziere-blockiert-die-debatte-uber-steigende-islamfeindlichkeit/ Mon, 17 May 2010 11:38:08 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=1009

Die heutige Tagung der Islamkonferenz kritisiert Christine Buchholz, Mitglied im Parteivorstand der Partei DIE LINKE:

Innenminister Thomas De Maizière (CDU) torpedierte den Dialog – nicht die muslimischen Verbände. De Maizières Entscheidung, auch bei der zweiten Islamkonferenz die Debatte über „Terrorismus und Extremismus“ statt über Islamfeindlichkeit ins Zentrum zu stellen, ist falsch und fahrlässig. Er brüskiert die muslimischen Verbände und nimmt ihre Sorgen über wachsende Islamfeindlichkeit nicht ernst. Der Zentralrat der Muslime hat sich zu Recht entschieden, an der Polit-Show der CDU nicht teilzunehmen. Eine Islamkonferenz ohne die Hälfte der muslimischen Verbänden ist eine Farce.
Die Diskussion über steigende Diskriminierung, Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Rassismus ist dringend notwendig. Jeder dritte Muslim und jede dritte Muslimin waren in den letzten zwölf Monaten einer Diskriminierung ausgesetzt, besonders im Arbeitsleben, so die Studie der EU zu Minderheiten und Diskriminierung über Muslime in Europa. Rassistische Ausfälle gegen Muslime – wie unlängst von Thilo Sarrazin (SPD) – finden Unterstützung bis in weiten Teilen der Gesellschaft.
DIE LINKE fordert die Anerkennung des Islams als Religionsgemeinschaft und ein gleichberechtigtes Zusammenleben der Religionen. DIE LINKE beschloss gestern auf ihrem Parteitag in Rostock, die Diskriminierung von Muslimen und wachsende Islamfeindlichkeit zu bekämpfen.
]]>