Programmdebatte – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Fri, 05 Oct 2012 08:36:32 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Mit blauen Helmen in den Krieg? Das Parteiprogramm der LINKEN und die UNO https://christinebuchholz.de/2012/10/05/mit-blauen-helmen-in-den-krieg-das-parteiprogramm-der-linken-und-die-uno/ Fri, 05 Oct 2012 08:36:32 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=3445 Mit Stefan Ziefle habe ich im Sammelband der Linksjugend [’solid] Hamburg „Mit Kapitalismus ist kein Frieden zu machen!“ den Beitrag „Mit blauen Helmen in den Krieg? Das Parteiprogramm der LINKEN und die UNO“ geschrieben.
„Das Programm, das die Delegierten auf dem Programmparteitag der Partei DIE LINKE. in Erfurt im Oktober 2011 mit 96 Prozent beschlossen haben, ist in der Frage deutscher Auslandseinsätze eindeutig: „ DIE LINKE wird niemals einer deutschen Beteiligung an einem Krieg zustimmen. Krieg löst kein Problem, er ist immer Teil des Problems. Die Bundeswehr muss aus allen Auslandseinsätzen zurückgeholt werden (..).“
Wir diskutieren die Frage, ob DIE LINKE die Zustimmung zu Militäreinsätzen der Vereinten Nationen jeweils im Einzelfall prüfen oder Blauhelmeinsätze prinzipiell ablehnen sollte. Wir argumentieren anhand einer kurzen Geschichte der UNO für die prinzipielle Ablehnung von UNO-Einsätzen. Die Orientierung auf die UNO als Instrument zur Schaffung von Frieden kann sich als Türöffner für die Aufweichung der LINKEN Antikriegsposition entpuppen.
Wir kommen zu folgendem Fazit: „Intergouvernementale Bühnen, auf denen kapitalistische Staaten ihre diplomatische Positionen verhandeln, bieten der Linken keinen Rahmen für ihre Politik. Die Aufgabe der Linken ist es vielmehr, die Interessen deutliche zu machen, die die rivalisierenden kapitalistischen Nationalstaaten immer wieder in kriegerischen Konflikte trieben. Der einzige Weg, unsere Argumente handlungswirksam werden zu lassen, besteht im Aufbau von Gegenöffentlichkeit und Gegenmacht von unten.“
Der Sammelband kann im örtlichen Buchladen oder direkt beim Papyrossa-Verlag für den Preis von 10€ (Euro) erworben werden.

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»Es gibt weder Sieger noch Besiegte« https://christinebuchholz.de/2011/05/24/es-gibt-weder-sieger-noch-besiegte/ Tue, 24 May 2011 17:33:26 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=2115 Der Bundesvorstand hat den Programmentwurf überarbeitet. Die „Haltelinien bleiben“. Ein Gespräch mit Christine Buchholz
Interview: Peter Wolter, Tageszeitung Junge Welt vom 24.05.2011
Christine Buchholz ist Bundestagsabgeordnete der Linkspartei sowie Mitglied des Parteivorstandes

Am Sonntag hat der Bundesvorstand der Linkspartei letzte Hand an den Programmentwurf gelegt, der im Oktober beschlossen werden soll. Vor allem aus Ostdeutschland war Skepsis zur Ursprungsfassung laut geworden, die maßgeblich der frühere Parteichef Oskar Lafontaine geprägt hatte. Was ist von dessen »Haltelinien« geblieben?

In wichtigen Kernfragen sind wir bei diesen Haltelinien geblieben. Es ist also klar, daß die Linke sich an keiner Regierung beteiligen wird, die Kriegseinsätze, Sozialabbau und Privatisierungen anstrebt. Allerdings gibt es meiner Meinung nach einen Schwachpunkt: An einer Stelle heißt es, daß beim öffentlichen Dienst dessen »Aufgabenerfüllung« garantiert werden muß. Das ist meines Erachtens sehr schwammig und interpretierbar – mir wäre es deutlich lieber gewesen, sich eindeutig gegen jeden Personalabbau in diesem Sektor auszusprechen. Die beschlossene Formulierung muß man aber als Teil des Kompromisses zwischen verschiedenen Positionen in der Partei sehen – der Grundcharakter des Programmentwurfs wird dadurch nicht schlechter.
Unter dem Strich heißt das aber doch, daß sich ostdeutsche Landespolitiker die Möglichkeit offenhalten wollen, im Falle einer Regierungsbeteiligung Personal im öffentlichen Sektor abzubauen.

Im öffentlichen Dienst Stellen abbauen will eigentlich niemand in der Partei – aber es gibt eben auch die Ansicht, daß man in dieser Hinsicht unter bestimmten Bedingungen flexibler sein sollte. Mich persönlich schmerzt die erwähnte Formulierung genauso wie eine problematische Formulierung zur UNO – dennoch habe ich dem Gesamttext des Entwurfs zugestimmt.
Und was ist mit Bundeswehreinsätzen im Ausland?

Der überarbeitete Entwurf vertritt weiterhin die Position, daß die Linkspartei dagegen ist. Auch dann, wenn sie mit einem UN-Mandat stattfinden sollten. Diese Passage wurde mit großer Mehrheit angenommen.
Und der gesetzliche Mindestlohn?

Den fordern wir nach wie vor, und zwar in existenzsichernder Höhe. Auf eine konkrete Summe haben wir verzichtet – ein Grundsatzprogramm soll immerhin ein, zwei Jahrzehnte gültig bleiben. Es ist ja kein Wahlprogramm, das nur auf vier Jahre angelegt ist. Außerdem fordern wir das Verbot der Leiharbeit.
In den vergangenen Wochen haben die bürgerlichen Medien eine neue Kampagnenfront gegen die Linkspartei eröffnet: den angeblichen Antisemitismus. Gibt es dazu eine Aussage?

Der Programmentwurf sagt dem Antisemitismus, antimuslimischem Rassismus und jeder anderen Form des Rassismus den Kampf an. Auf die aktuelle Kampagne gegen die Partei, in der man unsere Kritik an der Politik Israels zum Antisemitismus umdichtet, gehen wir allerdings nicht ein. Zu diesen Frechheiten haben wir am Wochenende eine eigene Erklärung verabschiedet.
Wie geht es jetzt weiter mit diesem Entwurf? Veröffentlicht worden ist er ja noch nicht.

Jetzt werden erst einmal die Änderungen eingearbeit, bevor das Papier in den nächsten Tagen publik gemacht wird. Das ist allerdings noch nicht der komplette Leitantrag für den Parteitag – im Juli werden wir noch Korrekturen einarbeiten sowie die Präambel abstimmen. Das Papier geht dann zur Diskussion an die Parteibasis, die ihre Änderungsanträge dem Parteitag zur Abstimmung vorlegt. Anschließend findet ein Mitglieder-Referendum über den Gesamttext statt.
Ist der parteiinterne Hickhack jetzt überwunden?

Die Art und Weise, wie die Debatte gelaufen ist, stimmt mich da sehr zuversichtlich: Wir haben am Wochenende eine konstruktive Diskussion gehabt, nach der es weder Sieger noch Besiegte gibt. Ich persönlich bedaure z.B., daß unsere »Haltelinien« geschwächt sind, andere kritisieren andere Punkte – aber die Richtung stimmt.
Die Parteilinke ist also nicht unglücklich?

An der einen oder anderen Stelle finden sich Wermutstropfen – aber damit können wir leben.

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Büro eröffnet, Programm diskutiert https://christinebuchholz.de/2010/05/29/buro-eroffnet-programm-diskutiert/ Sat, 29 May 2010 07:46:50 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=1039

bueroeroeffnung

Mein Wahlkreisbüro in der Wilhelmstraße 28 im Zentrum Offenbachs ist eröffnet.

Viele Genossinnen und Genossen sowie Freunde und Bündnispartner kamen vorbei. Darunter Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde, des Freidenkerverbandes, der örtlichen DKP, Hartz IV-Aktivistinnen. Mein Wahlkreismitarbeiter Per Oldehaver verlas ein Grußwort des örtlichen DGB-Chefs Frank Hermann, der leider nicht kommen konnte.

Das Büro soll Anlaufstelle für Aktivistinnen und Aktivisten aus der LINKEN, aber auch für interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie lokale Initiativen werden.

Im Anschluss gab es in der Volkshochschule eine Debatte über das Programm der LINKEN, an der neben mir der brandenburgische Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete der LINKEN Thomas Nord teilnahm. Themen waren die Kapitalismusanalyse im Programmentwurf, das Verhältnis von globalen und lokalen Problemen, die Frage der Regierungsbeteiligung, die Geschichte der Linken und die Bewertung des „Realsozialismus“ sowie Krieg und Frieden. Mir ist aufgefallen, wie wichtig es ist, dass wir die Diskussion über das Programm (also unsere Positionen) eng verzahnen mit der Debatte über die Strategie der LINKEN (also wie wir unsere Forderungen umsetzen).

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