Militäreinsätze – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Thu, 29 Aug 2019 10:25:10 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Bundeswehr aus Mali abziehen https://christinebuchholz.de/2019/04/11/bundeswehr-aus-mali-abziehen/ Thu, 11 Apr 2019 16:37:17 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=7024 In Mali eskaliert die ethnisch motivierte Gewalt. Die malische Armee ist daran nicht unschuldig. Dennoch will die Bundesregierung die militärische Zusammenarbeit mit der malischen Armee fortsetzen im Rahmen der europäischen Ausbildungs- und Beratungsmission EUTM Mali fortsetzen. Wer eine Armee weiter ausrüstet, berät und militärisch ausbildet, die in ethnisch motivierte Gewalttaten verstrickt ist, macht sich mitverantwortlich. Es ist Zeit, endlich die Bundeswehr aus Mali abzuziehen.

Christine Buchholz (DIE LINKE):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Vor sechs Wochen war auch ich mit anderen Abgeordneten gemeinsam in Mali. Im Vergleich zu früheren Besuchen fiel mir auf Anhieb auf: Die Sicherheitslage dort hat sich dramatisch verschlechtert. Wir waren unter anderem in Koulikoro, dem zentralen Standort der von der Bundeswehr geführten Ausbildungsmission EUTM Mali. Koulikoro war 2014 noch absolut sicher. Doch kurz bevor wir in diesem Jahr eintrafen, verübten Attentäter mit zwei sprengstoffbeladenen Fahrzeugen einen komplexen Angriff auf die dort stationierten Truppen. Der Anschlag zeigt: Die Unsicherheit in Mali weitet sich aus, zunächst vom Norden ins Zentrum und nun vom Zentrum in den Süden des Landes. Ich glaube, man muss ganz klar sagen: Die Rechnung „Mehr Soldaten bedeuten mehr Sicherheit“ geht offenkundig nicht auf.
(Beifall bei der LINKEN)
Es sind auch die unterschiedlichen internationalen Militäreinsätze, die die Lage in Mali haben weiter eskalieren lassen. Deshalb sagt Die Linke: Es ist Zeit, die Bundeswehr aus Mali abzuziehen.
(Beifall bei der LINKEN)
Die verarmte Bevölkerung leidet dabei am meisten unter der Militarisierung des Konflikts. Am 23. März dieses Jahres wurden mindestens 134 Zivilisten der Ethnie der Peuls in drei Ortschaften auf bestialische Art und Weise von Bewaffneten einer anderen Ethnie umgebracht. Was sagt die Bundesregierung im vorliegenden Antrag zur Lage in dem betroffenen Gebiet? Sie behauptet, die malische Regierung unternehme im Zentrum des Landes – Zitat – „ernsthafte Bemühungen, ethnische Konflikte einzudämmen“. Ich sage: Die Bundesregierung lenkt von der Verantwortung der malischen Regierung und der malischen Streitkräfte ab, um die eigene Ausbildungsmission zu rechtfertigen, und das kann doch wohl nicht wahr sein.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Linke in Mali und zahlreiche Menschenrechtsaktivisten haben immer wieder davor gewarnt, dass die malische Regierung den Eindruck erwecke, alle Peuls seien Terroristen. In dieser Atmosphäre eskalieren die ethnischen Spannungen. Auf den Schutz durch die malische Armee, die seit sechs Jahren auch von der Bundeswehr ausgebildet wird, können die Peuls dabei nicht rechnen; denn die malische Armee ist selbst in den Konflikt zwischen den Ethnien verstrickt.
Ich habe das übrigens hier im Plenum vor einem Jahr gesagt und darauf hingewiesen, dass die malische Armee Massaker an Peuls verübt. Die UNO hat das inzwischen bestätigt. Aus einem UN-Bericht geht hervor, dass die malische Armee bis zum Sommer letzten Jahres in mindestens 58 Fällen Menschenrechtsverletzungen begangen hat und mindestens 44 Personen außergerichtlich exekutiert hat. Seitdem ist die Gewalt weiter eskaliert, und die Zahl der Binnenflüchtlinge hat sich im letzten Jahr verdreifacht. Ich wiederhole: Die malische Armee ist nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Wer diese Armee weiter ausrüstet, berät und militärisch ausbildet, macht sich mitverantwortlich.
(Beifall bei der LINKEN)
Weder internationale Militärausbilder noch Kampftruppen bringen Frieden nach Mali. Die Lösung liegt im Land selbst. Dort gibt es sehr wohl Kräfte, die für Frieden, Gerechtigkeit und auch den Ausgleich zwischen den Ethnien kämpfen. Es gibt in Mali eine aktive Zivilgesellschaft. Es gibt die linke Partei SADI. Und es gibt Bürgerrechtsorganisationen wie Kisal, die auf die Stärkung bestehender traditioneller Mechanismen zur Konfliktregelung zwischen Viehzüchtern und Ackerbauern hinwirken. Es gibt auch Gewerkschaften; sie haben sich übrigens zu dem Zeitpunkt, als wir da waren, gerade in einem groß angelegten Streik der Lehrkräfte für mehr Gehalt befunden. Es sind diese Kräfte, die Mali gerechter und friedlicher machen, nicht die Bundeswehr.

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„Regime, Revolution, Intervention? DIE LINKE und Syrien“ https://christinebuchholz.de/2012/08/24/regime-revolution-intervention-die-linke-und-syrien/ Fri, 24 Aug 2012 09:30:18 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=3277 Hier dokumentiere ich mein Referat DIE LINKE und Syrien auf der Sommerakademie der Sozialistischen Linken am 18. August 2012 in Bielefeld. 
Diese Woche hat US-Außenminister Panetta gesagt, die USA werden mit allen Mitteln die Versuche des Iran unterbinden, in Syrien aktiv zu werden. Das war eine Drohung mit Krieg.
Vorgestern sagte der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte General Dempsey, er habe in Ankara und Amman über Schutzzonen für Flüchtlinge diskutiert – auf syrischem Territorium. Die sind ohne Flugverbotszonen nicht zu haben. Und die können nur mit westlichen Truppen durchgesetzt werden.
Von den USA und den anderen imperialistischen Staaten hat die Revolution in Syrien nichts zu erwarten. Den USA geht es darum, die eskalierende Situation zum eigenen Vorteil zu nutzen und gegebenenfalls eine ihnen genehme Regierung zu installieren – die zugleich den revolutionären Prozess abwürgt.
In der Linken herrscht Einigkeit, dass wir jede Form der militärischen Intervention ablehnen. Ebenso wie Sanktionen, die die Bevölkerung treffen.
Keine Einigkeit herrscht aber in unserem Verhältnis zur Demokratiebewegung.
Viele sind skeptisch und misstrauisch, manche lehnen die Bewegung ganz ab. Das hängt zum einen mit den geringen Verbindungen nach Syrien zusammen: es ist schwer zu überblicken, welche Kräfte eigentlich mit welchem Ziel kämpfen.
Wichtiger noch aber scheint mir zu sein, dass es unterschiedliche Auffassungen gegenüber dem Gegner der Bewegung, dem Assad-Regime, gibt. Nicht wenige scheinen die Auffassung zu teilen, das Assad-Regime sei grundsätzlich anders zu beurteilen als die prowestlichen Diktatoren Ben Ali in Tunesien oder Mubarak in Ägypten, die von den Revolutionen im letzten Jahr gestürzt worden sind.
Symptomatisch der Aufruf eines „Frankfurter Solidaritätskomitee für Syrien“ zu einer Demonstration am bevorstehenden 1. September. Darin wird gefordert: „Solidarität mit dem syrischen Volk und seiner Regierung“.
Ich sage: nein, die Assad Regierung ist nicht die Regierung von und für das syrische Volk.
REGIME
Einige Fakten zur Regierung Assad.
–          Bashar al Assad ist ein Diktator, der seine Position als Präsident von seinem Vater Hafez al-Assad geerbt hat. Hafez al-Assad hat sich selbst 1970 an die Spitze der Ba’ath-Partei und damit an die Macht geputscht.
–          In den 70er und 80er Jahren entstand eine durch und durch militarisierte Gesellschaft: Die reguläre Armee umfasst Ende der achtziger Jahre 250.000 Wehrpflichtige und 250.000 Berufssoldaten – bei einer Gesamtbevölkerung von damals rund 12 Millionen. Hochgerechnet auf eine Bevölkerungszahl wie in Deutschland heute entsprach die Stärke der syrischen Armee Ende der 80er Jahre einer Streitmacht von fast 3,5 Millionen Soldaten. Die Bundeswehr verfügt demgegenüber über eine aktuelle Personalstärke von 200.000 Soldaten.
–          Sechs bis acht Geheimdienste haben die ganze Gesellschaft überwacht. Freie Meinungsäußerungen und andere elementare Menschenrechte waren und sind außer Kraft gesetzt. amnesty international hat regelmäßig über willkürliche Verhaftungen und Folter berichtet.
–          Seit den 80er Jahren wurden immer weitere Teile der vormals staatskapitalistischen Wirtschaft Syrien liberalisiert. Wie in anderen arabischen Ländern hat sich vor allem der Clan des Präsidenten und ihm nahestehende Kreise bereichert. Beispiel: Der Cousin Bashar Assads, Rami Makhlouf, ist heute Eigentümer von Syriatel, dem größten Telekommunikationsunternehmen des Landes. Makhlouf sitzt auch in allen anderen lukrativen Sektoren der Wirtschaft drin: Immobilien, Transport, Banken, Versicherungen, Bau und Tourismus. Er ist der Vize-Präsident und eigentlich mächtige Mann der Scham-Holding, die 2007 mit einem Kapital von 360 Millionen US-Dollar und 73 Investoren gegründet wurde.
–          Demgegenüber ist die Masse der Bevölkerung verarmt. 2005 lag der Anteil der Armen bei 30 Prozent, der „extrem Armen“ bei 11 Prozent. 2007 wurde in den Zeitungen der Preis von Eiern diskutiert.
–          Heute ist der private Sektor größer als der staatliche Sektor. Das ist auch ein Grund, warum Syrien in den Jahren vor der Revolution vom Westen umgarnt wurde. US-Außenministerin Hillary Clinton nannte Bashar al-Assad noch im April 2011, einen Monat nach Ausbruch der Revolte, einen Reformer.
 
Obgleich es zwischen der Linken und dem Regime Assads keinerlei Berührungspunkte geben kann, haben manche Linke immer noch Illusionen in das Regime. Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:

  1. Die Politik der Kommunistischen Partei Syriens
  2. Die Konfrontation Syriens mit Israel

 
–          Zum ersten Punkt: die KP Syriens hat sich 1972 in ein System der Nationalen Front einbinden lassen und fiel damit als Oppositionskraft gegenüber der Ba‘ath-Herrschaft aus. In der DDR erschienen Bücher, wonach die Ba‘ath einer sozialistischen Entwicklung „objektiv“ den Weg bereite. Ich denke, dass sagt weniger über die Ba’ath aus, als über die erbärmliche Politik der Kommunistischen Partei Syriens, die sogar einige unbedeutende Ministerposten für ihre Kollaboration bekam. Tatsache ist, dass das Regime sich deshalb nicht abhalten ließ, Kommunisten zu verfolgen, die nicht willfährig genug waren. Diese Kollaboration hat dazu geführt, dass die wichtigste Oppositionspartei islamisch ausgerichtet ist.
–           Ein zweiter wichtiger Punkt, der zu Illusionen geführt hat, ist die Außenpolitik des Assad-Regimes, die von manchen als „antiimperialistisch“ verstanden wird. Das ist falsch. Hintergrund für die scheinbare Radikalität der syrischen Politik ist die Tatsache, dass mit Israel keine Verhandlungslösung zur Rückgabe der besetzten Golan-Höhen möglich war. Das führte dazu, dass das syrische Regime die Guerillabewegungen unterstützt hat, die im Clinch mit Israel lagen – wie jene unter dem Dach der PLO, die Hamas und heute noch die Hisbollah, wie auch die kurdische PKK. Sobald die Konstellationen sich änderten, ließ das Assad-Regime diese Kräfte auch wieder fallen. 1976 marschierten syrische Truppen nach Libanon ein, im Einverständnis mit den USA, um den Sieg der Linken und Palästinenser im libanesischen Bürgerkrieg zu verhindern. 1991 war Syrien sogar Teil der US-amerikanischen Kriegskoalition gegen Irak, die für den Tod Hunderttausender Irakis verantwortlich war. 1998 hat Syrien die PKK fallen lassen und damit den Weg zur Verschleppung und Inhaftierung Öcalans frei gemacht.
 
REVOLUTION
Es ist die Diktatur und das Elend, wogegen sich im März 2011 die Bevölkerung in einigen Städten Syriens erhob. Es handelte sich um eine zivile Bewegung, die am Anfang noch nicht einmal den Sturz der Regimes forderte, sondern lediglich Reformen. Der Auslöser war der Protest von Angehörigen gegen die Inhaftierung und Misshandlung ihrer Kinder durch die Unterdrückungsorgane in der Stadt Dera‘a, im Süden Syriens.
Das Regime antwortete aber mit blanker Repression. Erst daraufhin radikalisierte sich die Bewegung und breitete sich über das ganze Land aus. Sie war ganz klar ein Teil des arabischen Frühlings, der in Tunis und Kairo begann.
Überall richtete sich die Bewegung gegen die herrschende Staatspartei, die vielerorts zerfiel. Im April trat fast die gesamte Mitgliedschaft der Ba’ath-Partei in Dera’a aus. Im Juni erreichte die Bewegung Hama und Homs. Allein in Hama mit seinen 500.000 Einwohnern gingen einige Hunderttausend auf die Straße, in immer neuen Protestzügen, trotz Beschuss durch Heckenschützen. Die Bewegung setzte ausschließlich auf gewaltfreie Methoden des zivilen Widerstands.
Doch im Juli kam auch in Hama der Ansturm der Armee. Mit Artillerie und Panzern, später auch aus der Luft wurde die Stadt bombardiert. Überall dasselbe Bild: das Regime kommt von außen an die Städte heran in Form der Armee, kreist die Städte ein, riegelt sie ab, schneidet die Versorgung ab, bombardiert und marschiert dann ein.
Lange Zeit blieben Damaskus und Aleppo ruhig, zumindest in den Stadtzentren – erzwungenermaßen. Militärische Posten riegelten den Zugang in Damaskus zwischen den Stadteilen ab, die Geheimpolizei stand freitags am Ausgang der Moscheen.
Natürlich hat auch das Regime noch Anhänger. Es gab auch Demonstrationen für Assad in Damaskus. Nicht eine dieser Demonstrationen wurde im Jahr 2011 beschossen. Es war das Regime, von dem die Gewalt ausging, und die eine Spirale der Gewalt auslöste. Die Taktik war so einfach wie bestialisch: die Revolution in Blut ertränken.
Ergebnis war, dass immer mehr Soldaten sich weigerten, gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen. Sie setzten sich ab, flüchteten oder richteten die Waffe gegen die Offiziere. Syrien erlebt seit 2011 eine der größten Fahnenfluchtbewegungen des modernen Kapitalismus. Wenn es nicht so gewesen wäre, dann hätte das Regime die Revolution längst niedergeschlagen. Doch so kam es, dass nur ein kleiner Teil der bewaffneten Kräften überhaupt als sichere Einheiten zur Verfügung standen.
Die Schlacht aktuell um Aleppo verdeutlicht dies. Um 20.000 Mann zusammenzuziehen, die den Aufstand in der größten Stadt des Landes niederschlagen sollen, musste das Regime lange umkämpfte Städte wie Azaz aufgeben. Dort herrscht seit Ende Juli ein Organ, das sich selbst Soldatenrat nennt, an dessen Spitze ein Lehrer steht, über das Nachkriegselend. Was den Zorn des Regimes hervorruft: Vorgestern gab es die Nachricht, das die Zentrale der Selbstverwaltung dort aus der Luft bombardiert wurde. Zahlreiche zivile Opfer waren die Folge. Das ist eine kollektive Bestrafung einer Bevölkerung, die den Fehler macht, nicht Assad gehorchen zu wollen.
Diese Bewegung ist keine Ansammlung von außen gesteuerter Marionetten. Das heißt nicht, dass wir den Widerstand kritiklos betrachten. Deswegen ist es wichtig, wie überall, einen Blick auf die wirkenden Kräfte werfen:
–          a. in den ausländischen Medien wird der Syrische Nationalrat abgefeiert, der sich im türkischen Exil gegründet hat. Tatsache ist, dass er die bewaffnete Intervention fordert und ansonsten wenig Verankerung vor Ort hat. Er wird von den Muslimbrüdern dominiert und ist von reichlich inneren Kämpfe um die künftige Rolle im befreiten Syrien gekennzeichnet. Mittlerweile gibt es aus seinen Reihen bereits zwei selbst ernannte provisorische Regierungen. Der SNC ist kein Bündnispartner für die Linke.
–          b. daneben besteht das Koordinierungskomitee für die demokratischen Wandel in Syrien. Ein Bündnis aus linken und kurdischen Organisationen, dass die ethnische Einheit des Landes will, gegen Gewalt und gegen westliche Intervention steht. Das Problem ist, dass dieses Bündnis, dass der LINKEN deutlich näher steht, selbst nicht durch eine klare Linie in Erscheinung tritt, eher durch einzelne Stellungnahmen und die Reisediplomatie seiner prominenten Vertreter.
–          c. vor Ort wird der Widerstand in den Lokalen Koordinierungskomitees organisiert. Sie haben die Autorität und sind das Herz der Revolution. Wie der Name sagt, koordinieren sie und setzen deshalb keine politische Richtung fest. Innerhalb der LKK können politischen Strömungen nebeneinander agieren.
–          d. FSA: die freie syrische Armee ist nur teilweise eine zentral agierende Truppe; eine unübersehbare Zahl von Milizen aus Deserteuren oder bewaffneten Ortsbewohnern geben sich selbst diesen Namen und agieren örtlich begrenzt. Das Mischmasch entspricht der Verwurzlung des bewaffneten Widerstands im revolutionären Prozess. Es ist aber klar, dass, je länger sich der Kampf weg von der zivilen hin zur militärischen Ebene verlagert, immer mehr Erscheinungen wie in normalen Guerillaarmeen bemerkbar machen müssen. Insbesondere kann die Abhängigkeit von Geld und Waffen aus dem Ausland rasch zu einer Abhängigkeit gegenüber äußeren Mächten und ihren politischen Bedingungen, als auch zu einer potenziellen Korrumpierbarkeit ihrer Kommandeure führen.
–          e. im Schatten dieser Entwicklung entstanden seit Anfang 2012 dschihadistische Gruppen wie die Nusra-Front, die einen Krieg gegen andere Konfessionen wie Schiiten und Alawiten führen. Sie haben nichts mit der Revolution zu tun. Aber sie können auf den Ängsten aufbauen, die regimetreuen Milizen erzeugen: die so genannten Shabiha-Milizen des Regimes – Todesschwadrone, die ihrerseits den Konflikt in einen Glaubenskrieg kanalisieren wollen, um die Revolution in Blut zu ertränken. Seit Jahresanfang hat es rund 80 dschihadistische Anschläge gegeben. Shabiha und Nusra schaukeln sich gegenseitig auf und führen einen Krieg mit bestialischen Methoden.
 
INTERVENTION
Es ist klar, dass die Revolution nicht siegen kann, wenn der Konflikt mehr und mehr Formen des Bürgerkriegs annimmt. Immer mehr Syrer flüchten – die zivilen Massendemonstrationen haben einem Bürgerkrieg Platz gemacht. Es ist eine Pattsituation entstanden, wo weder das Regime, noch der bewaffnete Widerstand den entscheidenden Durchbruch erzielen kann. Die Zeit spielt aber gegen Assad, da er immer weniger Perspektive zu bieten vermag. Das Überlaufen des Premierministers Hidschab zur Opposition war ein Anzeichen dafür, dass seine Machtbasis im eigenen Lager schwächer wird.
Die aktuelle Entwicklung erzeugt eine geopolitische Kettenreaktion, von der wir nicht wissen, wohin sie führt. Russland will seinen Einfluss nicht verlieren, Iran und Hisbollah nicht ihren Bündnispartner. Die USA als stärkste Macht sind natürlich nicht inaktiv und wollen die instabile Situation zum eigenen Vorteil wenden – derzeit noch über indirekte, verdeckte Methoden.
Ihr Ziel ist es nicht, die Baath-Herrschaft zu stürzen. Erst diese Woche rief US-Verteidigungsminister Panetta die FSA dazu auf, „so viel Militär und Polizei wie möglich intakt zu lassen“, nachdem Assad die Macht verlassen habe.
Ihnen geht es um eine „jemenitische Lösung“. Das heißt: der Präsident geht ins Exil, so wie der jemenitische Präsident Saleh, und der Rest bleibt bestehen. In der Zwischenzeit ist nur noch die Frage, inwieweit die USA und der Westen selbst an Einfluss auf die neuen Herren gewinnen.
Um diese Linie durchzusetzen, bedarf es am Ende bewaffneter Kräfte: entweder syrische Bündnispartner – oder doch gleich eigene Soldaten. Es sind die Niederlage im Irak und das Feststecken in Afghanistan, die die Stationierung westlicher Truppen bislang hinaus gezögert haben. Doch die Kriegsdrohungen aus Washington gegen Assad nehmen zu.
Um den Einsatz von Truppen zu rechtfertigen, werden sie humanitäre Gründe anführen. Lassen wir uns nicht täuschen: eine US-Intervention wurde noch nie aus humanitären Erwägungen geführt. Genauso wenig geht es Saudi-Arabien und Katar um Demokratie, wenn sie Waffen nach Syrien schicken. Ihnen geht es vor allem um die Schwächung des Iran.
Die deutsche Politik ist heuchlerisch. Die beschlossenen Sanktionen treffen vor allem die Bevölkerung. Westerwelle geißelt den Einsatz syrischer Panzer gegen die syrische Bevölkerung als Verbrechen. Doch gleichzeitig sollen Hunderte Panzer nach Saudi-Arabien geliefert werden – Panzer, die insbesondere zur Aufstandsbekämpfung geeignet sind, wie in Bahrain! Und nun droht der nächst Panzer-Deal: auch Katar ist interessiert! Katar und Saudi-Arabien: genau jene Mächte beziehen deutsche Waffen, die in Syrien indirekt Konfliktparteien sind.
Unsere Solidarität gebührt den Menschen in Syrien. Das heißt: Solidarität mit der Revolution, mit der Demokratiebewegung, Nein zu jedweder Form militärischer Intervention von außen.
 

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Keine Militärintervention in Libyen https://christinebuchholz.de/2011/02/27/keine-militarintervention-in-libyen/ Sun, 27 Feb 2011 12:20:52 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=1935 Der 1. Parlamentariertag der Partei DIE LINKE in Magdeburg hat am 26. Februar folgende Erklärung einstimmig verabschiedet:

Die LINKE fordert, die Gewalt und das Morden in Libyen sofort zu beenden.
Der Wille der Bevölkerung nach einem Leben in Würde, in Freiheit, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit darf nicht länger mit brutaler Repression und Gewalt unterdrückt werden.
Unsere Solidarität gilt den Menschen, die jetzt aufgestanden sind und für ihre Rechte streiten.
Alle Staaten sind aufgefordert, jegliche Waffenlieferungen und finanzielle Hilfen für das alte Regime in Libyen zu beenden.
Wir weisen alle Überlegungen innerhalb der NATO- und EU-Staaten zurück, in Libyen militärisch zu intervenieren. Eine solche Intervention würde nur zur Gewalteskalation beitragen, zu mehr Blutvergießen führen, die Opposition schwächen und dem Gaddafi-Regime nützen. Jetzt geht es darum, den aus dem Land flüchtenden Menschen zu helfen und die Widerstands- und Befreiungsbewegung in Libyen konsequent zu unterstützen.

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Libyen: Keine Militärintervention! https://christinebuchholz.de/2011/02/25/libyen-keine-militarintervention/ Fri, 25 Feb 2011 12:31:51 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=1901 „Westerwelles markiger Auftritt, jetzt ein Waffenembargo gegen Libyen zu verhängen, ist an Scheinheiligkeit kaum noch zu überbieten“, kritisiert Christine Buchholz, Mitglied des Geschäftsführenden Parteivorstandes der LINKEN. „Eine Regierung, die Waffenexporte immer erst dann stoppt, wenn es brennt, und sonst aber das Waffengeschäft in Krisenregionen munter fördert, ist vollkommen unglaubwürdig.“ Christine Buchholz weiter:
Eine Regierung, die Waffenexporte immer erst dann stoppt, wenn es brennt, und sonst aber das Waffengeschäft in Krisenregionen munter fördert, ist vollkommen unglaubwürdig. Seit 2004 haben die Regierungen der EU das Regime Gaddafis unterstützt. Er war ihr engster Partner bei dem Versuch, Flüchtlinge aus Afrika von Europa fernzuhalten. Die Methoden Gaddafis waren kein Hinderungsgrund für Zusammenarbeit der Bundesregierungen aller Couleur, solange die Versorgung mit Erdöl und Erdgas gewährleistet war.
Gaddafi muss gehen und wir wünschen der libyschen Bevölkerung Erfolg in ihrem Kampf gegen die Diktatur. Wir verurteilen die Angriffe der libyschen Armee auf Protestierende. Jedoch eine Militärintervention, wie sie auf EU-Ebene diskutiert wird, lehnt Die LINKE ab. Eine militärische Intervention würde die Opposition schwächen, die Bevölkerung hinter dem Regime einen und viele Menschenleben kosten. Letztlich müsste auch eine Flugverbotszone militärisch durchgesetzt werden – mit allen möglichen Folgen einer Eskalation.

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Die Segel richtig setzen https://christinebuchholz.de/2009/04/02/die-segel-richtig-setzen/ Thu, 02 Apr 2009 15:55:48 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=293 Der Bundesparteitag der LINKEN war, trotz etlicher Schwächen, ein Erfolg. Die politische Linie des Gründungsparteitags wurde mit dem Leitantrag bestätigt. Im Zentrum der Arbeit im kommenden Jahr stehen drei inhaltliche Themen: Gegen Rentenkürzung, für Mindestlohn und für den Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Auch die im Vorfeld umstrittene Forderung nach einem Zukunfts-Investitionsprogramm in Höhe von 50 Milliarden Euro wurde mit dem Leitantrag verabschiedet. Ein Ergänzungsantrag auf grundsätzliche Ablehnung jeglicher Militäreinsätze im In- und Ausland wurde angenommen. Dadurch zeigte sich erneut die antimilitaristische Grundstimmung in der Partei.
Vor allem die Rede von Oskar Lafontaine hat das Selbstbewusstsein und das politische Projekt der LINKEN zugespitzt ausgedrückt. Bemerkenswert war die Passage seiner Rede, in der er – in einem historischen Rückgriff auf den Verrat der SPD an der Novemberrevolution vor 80 Jahren – scharf gegen Opportunismus gegenüber dem Kapital Stellung bezog:
„Nun ist es leicht für die LINKE (…) in Programmen mehr Freiheit und Gleichheit in unserer heutigen Gesellschaft zu fordern. Viel schwieriger (…) ist es, sie durchzusetzen. Und wenn man fragt warum, dann lohnt es sich wieder in unserer Geschichte zurückzublicken. Beispielsweise auf den Zeitpunkt, an dem die Arbeiterbewegung sich spaltete. Für Sebastian Haffner war ‚die deutsche Revolution von 1918/19 eine sozialdemokratische Revolution, die von der sozialdemokratischen Führung niedergeschlagen wurde. Ein Vorgang, der in der Weltgeschichte kaum seinesgleichen hat.‘ (…) Sicher, Geschichte wiederholt sich nicht. Aber 80 Jahre später setzte ein sozialdemokratischer Bundeskanzler die größte Sozialkürzung der Bundesrepublik Deutschland durch und beteiligte sich wieder an völkerrechtswidrigen Kriegen. Ich erinnere an diese beiden Abschnitte der Arbeiterbewegung, weil sie unerbittlich die Frage aufwerfen, warum Politikerinnen und Politiker der Linken in der Geschichte die Erwartungen ihrer Anhänger so schrecklich enttäuschen. Das ist nicht eine Frage, die andere sich stellen müssen, das ist eine Frage, die wir uns stellen müssen! Wenn wir uns diese Frage nicht stellen, dann lernen wir nicht aus unserer Geschichte und dann können wir keine Lehren aus der Geschichte ziehen!“
Die relative Geschlossenheit des Parteitags ist bemerkenswert, weil die bürgerliche Presse im Vorfeld versucht hat, auf mehreren politischen Feldern Unfrieden zu stiften. Doch weder die Spekulation um eine Stasi-Vergangenheit Gregor Gysis noch der Versuch, der Partei eine Israel-Debatte aufzuzwingen, haben gefruchtet. Viele Medien haben nur die allgemein bekannte Tatsache, dass Christa Müller mit ihren Positionen in der Partei isoliert ist, als Aufhänger genommen. Als weiteren Beweis für den anhaltenden Zuspruch für DIE LINKE können wir das Ergebnis der Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein werten, die parallel zum Parteitag stattfanden: Aus dem Stand erreichte die LINKE 6,9 Prozent der Stimmen.
In Bezug auf die Wahlergebnisse zum Vorstand fällt auf, dass die direkt Gewählten und die weiteren Vorstandsmitglieder, die im ersten Wahlgang gewählt wurden, fast alle zehn Prozent schlechter abschnitten als beim letzten Mal.
Dies liegt wohl vor allem daran, dass auf dem Gründungsparteitag die Vorstandsmitglieder auf Vorschlag der Quellparteien gewählt wurden.
Von daher stellt das Wahlergebnis von Oskar Lafontaine keine Abweichung vom Trend nach unten dar, sondern die Wahlergebnisse von Dietmar Barsch und Lothar Bisky Abweichungen nach oben.
In den zweiten Wahlgängen kamen jeweils Kandidatinnen und Kandidaten aus den unterschiedlichen Quellparteien und aus unterschiedlichen Strömungen durch.
Auch wenn der linke Flügel leicht gestärkt wurde, ist es bitter, dass exponierte Gewerkschafter wie Klaus Ernst und Michael Schlecht schlechte Ergebnisse bekamen und dass Verdi-Mann Ralf Krämer nicht gewählt wurde (dazu im Folgenden mehr). Gleichzeitig ist festzustellen, dass mit Katina Schubert und Elke Breitenbach zwei exponierte Vertreterinnen der Berliner Senatspolitik nicht mehr angetreten sind und der Kandidat des Berliner Landesvorstandes auf der gemischten Liste chancenlos war.
Das zeigt, dass dieser Flügel in der Defensive ist. Die streikenden Verdi-Kollegen, die vor dem Parteitag für ihre Forderungen gegenüber dem rot-roten Senats demonstriert haben, standen symbolisch für den Widerspruch, in dem sich die LINKE in Berlin befindet.
Das Abstimmungsverhalten des Landes Berlin im Bundesrat zum Lissabon-Vertrag hingegen ist ein Erfolg der Berliner Linksfraktion. Zwar hat das Abstimmungsverhalten primär symbolischen Wert und löst mitnichten die sozialen Probleme in Berlin, dennoch zeigt es, dass es sich lohnt, Druck auf die Fraktion auszuüben.
Trotz dieses positiven Gesamtbilds gab es deutliche Schwächen:
I. Keine Klassenorientierung und blasse Kampagnen
Klassenauseinandersetzungen und gesellschaftliche Mobilisierungen spielten auf dem Parteitag keine Rolle. Es gab keine Grußworte und keine sichtbare Präsenz von Gewerkschaftsvertreter/innen, Vertreter/innen der Friedensbewegung und keine Berichte von aktuell stattfindenden sozialen und politischen Auseinandersetzungen.
Auch die Verdi-Beschäftigten aus Berlin, die einforderten, dass die LINKE sich in den Tarifauseinandersetzungen in Berlin für ihre Forderungen einsetzt, konnten nicht sprechen.
Bei den Wahlen zum geschäftsführenden und zum erweiterten Parteivorstand haben die Kandidaten mit gewerkschaftlichem Hintergrund schlechte Wahlergebnisse bekommen. Angesichts der verstärkten Versuche der SPD, um die Gunst der Gewerkschaften zu buhlen und der harten Arbeit unserer Genossinnen und Genossen in den Gewerkschaften, die darum kämpfen eine dauerhafte Verankerung der LINKEN in der Gewerkschaftsbewegung zu erreichen, ist das ein schlechtes Signal.
In Teilen der Partei ist zum einen die strategische Bedeutung des Bündnisses mit den Gewerkschaften zur Durchsetzung unserer Forderungen nicht Grundlage der politischen Arbeit. Zum anderen wurde von einigen im Gleichklang mit der Presse das Bild von „den autoritären Gewerkschaftern“ gepflegt. Das schwächt unseren Kampf um die Ausrichtung der Gewerkschaften und gegen die Vorherrschaft der SPD in der Arbeiterbewegung.
Obwohl der Parteitag Startschuss für die Rentenkampagne war und die Afghanistan-Konferenz vor der Tür steht, blieben die Kampagnen, trotz grundsätzlicher Zustimmung, blass. Auch hier wird es für die kommenden Parteitage wichtig werden im Vorfeld zu überlegen, wie die Kampagnen organisch in den Parteitag mit eingebunden werden können.
II. Parteitagsregie
Das Präsidium und die Antragsberatungskommission sind die zentralen Schaltstellen für die Regie des Parteitages. Beide Gremien hatten einen riesigen Berg Arbeit zu leisten, was ihnen im Großen und Ganzen gelungen ist. Unzufrieden sind wir jedoch damit, wie zum Teil das Präsidium geführt wurde. Unausgewogene Redelisten, als GO-Antrag maskierte Wortmeldungen und allerlei Beeinflussungen der Stimmung waren leider keine Ausnahme.
Inakzeptabel war die öffentliche Demütigung Christa Müllers nach ihrer Abstimmungsniederlage beim familienpolitischen Antrag durch das Einspielen eines Songs mit dem Titel „Tschüss Mama“.
III. Debattenkultur entwickeln
Viele Kontroversen wurden durch eine intensive Debatte im Vorstand und Kompromissformulierungen im Leitantrag gedeckelt. Das war in Ordnung für einen Wahlparteitag, darf aber nicht zum Dauerzustand werden.
Die Familienpolitik war der einzige Bereich, in dem es im Ansatz eine innerparteiliche Klärung gegeben hat. In Bezug auf andere Fragen wurden keine Debatten organisiert: z.B. die China/Tibet-Frage, die Israel/Palästina-Frage, die Politik gegenüber bestimmten Gruppierungen im Iran, die strategische Bedeutung der Gewerkschaften/Lohnarbeit, der Kampf gegen Rassismus u.a.
Wenn politische Differenzen nicht geklärt werden, kann die Partei nicht daran wachsen, beschränkt das die Handlungsfähigkeit der LINKEN und kann uns in Superwahlzeiten um die Ohren fliegen. Denn der politische Gegner wird genau darauf zielen, um die LINKE zu schwächen.
Fazit und Konsequenzen
Mit dem verabschiedeten Leitantrag wurden politische Weichen für den Aufbau der LINKEN bis zur Bundestagswahl gestellt. Aber der weitere Weg der LINKEN wird kein Selbstläufer sein.
Oskar Lafontaine sagte, dass wir den Wind der Geschichte in unseren Segeln haben, es aber nicht genüge, über die Segel zu verfügen: „Die Kunst ist, sie setzen zu können.“
Wir streiten für eine Orientierung auf Klassenkampf und den Aufbau von Gegenmacht. Nach wie vor ist eine parlamentarische Grundausrichtung in der Partei weit verbreitet, das heißt, eine Perspektive, die politische Veränderungen durch die Gewinnung parlamentarischer Mehrheiten ansteuert. Auch nach diesem Parteitag gilt jedoch: Die Dynamik der LINKEN geht weiter, die Entwicklung ist nach wie vor offen.
Um den Leitantrag und die Kampagnen und Schwerpunkte mit Leben zu füllen und neue Mitglieder zu gewinnen, schlagen wir folgende sechs Orientierungspunkte vor:
1. DIE LINKE ist eine Partei, in deren Zentrum die Interessen der abhängig Beschäftigten, der Rentnerinnen und Rentner und der Erwerbslosen stehen. Dies ist ihr Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Hartz-IV-Parteien.
2. DIE LINKE muss eine Antikriegspartei bleiben. Militärische Interventionen und Kriege dürfen kein Mittel der Politik sein. Afghanistan ist das zentrale Projekt des deutschen Imperialismus und zugleich seine Achillesverse. DIE LINKE ist gefordert – gemeinsam mit der Friedensbewegung – für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu kämpfen und den 60. Jahrestag der NATO für eine große Mobilisierung und inhaltliche Auseinandersetzung zu nutzen.
3. Die aktive Solidarität mit den Beschäftigten und Menschen in sozialen und politischen Auseinandersetzungen ist die praktische Grundlage für die Politik der LINKEN. Verankerung heißt: Stärkung der Mitgliederbasis der Partei, Engagement in den Gewerkschaften, lokalen Initiativen gegen Privatisierung, gegen Rassismus etc.
4. Kampagnen für den gesetzlichen Mindestlohn, gegen Rentenkürzungen durch Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 Jahre, gegen Privatisierung und gegen den Krieg in Afghanistan sind die Basis der Arbeit der LINKEN. Und sie helfen uns, die Verankerung in Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen zu verstärken. Dabei schlagen wir die Brücke vom Lokalen zum Globalen und tragen dazu bei, Kampffähigkeit auch unter den Bedingungen wirtschaftlicher Krisen zu entwickeln.
5. Keine Fraktion ohne Aktion. Die Parlamentsfraktionen können einen wichtigen Beitrag zur Durchsetzung linker Politik leisten, wenn sie verwurzelt sind in den außerparlamentarischen Bewegungen und deren Stärkung zum Ziel haben.
6. Ein weiterer Pfeiler für die Arbeit der Parteigliederungen neben den Aktivitäten auf der Straße soll die politische Debatte und die Bildungsarbeit sein. Hierbei ist eine Orientierung nach außen und auf neue Mitglieder wichtig.
Von Christine Buchholz und Janine Wissler
Erschienen in marx21, Mai 2008

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