Bundeswehrwerbung – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Wed, 20 Feb 2013 13:18:47 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Die "neue" Bundeswehr. Werbung und Wirklichkeit – eine Ausstellung der LINKEN https://christinebuchholz.de/2013/02/20/neue-ausstellung-der-linken-die-neue-bundeswehr-werbung-und-wirklichkeit/ Wed, 20 Feb 2013 13:18:47 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=4054 Chrsitine & Enrico.web01

Christine Buchholz und Enrico H.


In Leipzig eröffnete ich am 8. Februar die Ausstellung der LINKEN „Die „neue“ Bundeswehr. Werbung und Wirklichkeit“. Unser Gast Enrico H., früherer Bundeswehrsoldat, erzählte dem interessierten Publikum  seine Geschichte als Betroffener des Posttraumatischen Belastungssyndroms, kurz PTBS.
Die Ausstellung kann bei der Linksfraktion im Bundestag (heinrich.eckhoff@linksfraktion.de) bestellt werden.
Die Ausstellung thematisiert das Agieren und die Rekrutierung der Bundeswehr im öffentlichen Raum und die Militarisierung des Alltags.
Schlussfolgerungen aus der Veranstaltung in Leipzig war: Soldatsein ist kein normaler Beruf. Keine Gewöhnung an Krieg als Mittel der Politik!
Weitere Bilder aus Leipzig.
Eröffnung der Ausstellung durch Christine Buchholz, Thomas Kachel und Enrico H.web

von li. nach re.: Enrico H., ehemaliger Bundeswehrsoldat; Christine Buchholz; Thomas Kachel, Referent für Sicherheitspolitik in der Bundestagsfraktion


Chrsitine bei der Vorstellung der Motive.webChrsitine & Enrico.web

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Anti-Werbung für die Bundeswehr https://christinebuchholz.de/2012/09/27/anti-werbung-fur-die-bundeswehr/ Thu, 27 Sep 2012 07:29:54 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=3422 »Wave and Smile«, Winken und Lächeln, so sollte die Bundeswehr in Afghanistan auftreten. Doch die Realität des Krieges sieht ganz anders aus. Diese wird jetzt eindringlich gezeigt – in einem Comic
Im zwölften Jahr des Afghanistankrieges beginnt in Deutschland die für ein Massenpublikum zugängige kulturelle Aufarbeitung. Einer der ersten Beiträge ist die Graphic Novel »Wave and Smile« von Arne Jysch.  Auf knapp 200 Seiten zeichnet Jysch ein ungeschminktes Bild des Krieges am Hindukusch. Ein absolut lesenswertes Buch.
Zwei Afghanen schauen auf ein Tal in der Provinz Kundus, Nordafghanistan, und beobachten einen Konvoi der Bundeswehr. Neben ihnen rostet das Wrack eines sowjetischen Panzers. Ein stilles Mahnmal des Triumphs über die verhassten Invasoren.
Der Konvoi kommt näher, gerät in einen Hinterhalt. Ehe man begreift, was passiert, detoniert eine Bombe und reißt drei Bundeswehrsoldaten in den Tod. Der Einstieg in Arne Jyschs Buch »Wave and Smile« könnte schonungsloser nicht sein.
Chris ist Hauptmann bei der Bundeswehr. Er trägt die Verantwortung für den angegriffenen Konvoi und für einen weiteren Einsatz in den afghanischen Bergen. Auch hier geraten sie in einen Hinterhalt. Noch ein Bundeswehrsoldat stirbt, ein anderer, Marco, verschwindet spurlos.
Die Bundeswehr und die US-Armee finden Marco nicht. Chris fühlt sich schuldig und macht sich schließlich allein zurück auf den Weg nach Afghanistan, um seinen Freund und Kameraden zu finden. Sein Weg führt ihn in die undurchsichtige Welt der Geschäftemacher und Agenten in Kabul, in die pakistanischen Stammesgebiete, zu einem hohen Talibanführer und schließlich, unvermutet, in das US-Foltergefängnis in Bagram.
Fast beiläufig transportiert Jysch fast alle wichtigen Themen der deutschen Kriegsrealität: Er zeigt, wie Kriegserfahrung und die Trennung von den Familien die Beziehungen der Soldaten zuhause zerstören. Er illustriert den Druck, den der Krieg auf die einzelnen Soldaten ausübt, dokumentiert rassistische Äußerungen über die afghanische Bevölkerung, Verrohung und Verzweiflung. Ein Doppelagent kommt genauso vor wie ein Warlord und ein Talibanführer. Verschiedene afghanische Akteure kommen zu Wort, die – unisono – die Perspektivlosigkeit des Krieges bescheinigen und das Erstarken der Taliban erklären. So versteht man, warum die NATO trotz militärischer Überlegenheit nicht in der Lage ist, diesen Krieg zu gewinnen.
Am Ende des Buches steht eine Lüge. Chris‘ Alleingang auf der Suche nach seinem verschwundenen Freund wird ihm zum Verhängnis. Nur durch Zufall entkommt er den Mühlen dieses absurden Kriegs, wird aber verpflichtet, die Umstände zu verschweigen. Seine Rettung wird – wider besseren Wissens – als gemeinsame Anstrengung von Bundeswehr, US-Armee und afghanischer Armee dargestellt.
Auch wenn Chris und Marco in diesem Roman nicht mit der Bundeswehr brechen und Jysch am Ende auf politische Schlussfolgerungen verzichtet, so illustriert dieses Buch doch treffend die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges.
Leider findet die Perspektive der einfachen Bevölkerung keinen Eingang in das Buch. Die Zivilisten bleiben gewissermaßen Statisten.
Ein Klischee ist auch der Kontrast zwischen den kumpelhaft-sympathischen Bundeswehrsoldaten und den bornierten Rambos der US-Armee. Zeigt das Buch doch zugleich, dass sich angesichts der Dauer und Intensität des Krieges die Erfahrungen der Bundeswehr an die der US-Armee annähern. Es ist wohl kein Zufall, dass »Wave and Smile« im Herbst 2009 endet – kurz vor dem Massaker von Kundus.
Hoffentlich erscheint der Roman bald als Taschenbuch: Er wäre eine gute Warnung vor dem freiwilligen Wehrdienst und ein Kontrapunkt zu den Hochglanzbroschüren der Bundeswehr.
Buch
Arne Jysch, Wave and Smile, Carlsen Verlag, Hamburg 2012, 195 Seiten, 24, 90 Eur
Diese Buchbesprechung erschien zuerst in Marx21, Nr. 27

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Nein, meine Söhne geb ich nicht https://christinebuchholz.de/2011/05/27/nein-meine-sohne-geb-ich-nicht/ Fri, 27 May 2011 12:13:34 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=2136 Meine Rede im Bundestag am 27. Mai zur Regierungserklärung durch den Bundesminister der Verteidigung zur Neuausrichtung der Bundeswehr hier zum Nachlesen und Ansehen.

Der Minister hat gesagt, er möchte zeitgleich 10 000 Soldatinnen und Soldaten in zwei großen und mehreren kleineren Einsatzgebieten flexibel und durchhaltefähig einsetzen können. Herr Trittin möchte noch mehr davon. Das heißt im Klartext, dass Sie in Zukunft in der Lage sein wollen, zwei Einsätze wie den in Afghanistan durchzuführen. Das kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein! Der eine Einsatz, den wir haben, ist schon viel zu viel. Die Bundeswehr muss sofort aus Afghanistan und den anderen Auslandseinsätzen zurückgeholt werden.
Sie sagen, neben den finanziellen Anreizen gehe es darum, die jungen Menschen davon zu überzeugen, den Reiz des Besonderen zu erfahren, sich selbst einen Dienst zu erweisen und unserem Land zu dienen. Am Mittwoch ist nun ein weiterer junger Mann in Afghanistan getötet worden. Meinen Sie ernsthaft, dass Ihre salbungsvollen Worte ein Trost für die Eltern und Freunde der inzwischen 49 in Afghanistan getöteten und der unzähligen traumatisierten Soldaten sind?
Um genügend junge Männer und Frauen für den freiwilligen Wehrdienst zu ködern, rührt das Verteidigungsministerium nun kräftig die Werbetrommel. Was viele nicht wissen: Mit diesem freiwilligen Wehrdienst ist ein Einsatz im Ausland verbunden.
Seit 2006 haben sich die Anzahl der öffentlichen Auftritte der Bundeswehr auf Ausbildungsmessen und anderen Veranstaltungen sowie die Kosten dafür mehr als verdoppelt, und das bereits vor der Aussetzung der Wehrpflicht. Seit März läuft eine millionenschwere Werbekampagne in der Springer-Presse, auf Radio- und Fernsehkanälen.
Neulich hat das ARD-Magazin Panorama einen interessanten Beitrag zu diesem Thema gebracht.

Ein Lehrer berichtete darin über den Besuch eines Wehrdienstberaters in einer Schule in Prerow, Mecklenburg-Vorpommern. Der Lehrer wunderte sich, warum der Wehrdienstberater eine Karriere bei der Bundeswehr als einen Job wie jeden anderen, wie bei BMW, Mercedes oder einer Werft, darstellte, aber von Krieg und posttraumatischen Belastungsstörungen nicht redete.
Bei der Werbekampagne der Bundeswehr kommen die hässlichen Bilder aus Afghanistan nicht vor. Darin ist immer von Chancen, Karriere und Ausbildung die Rede. Aber welche Chancen haben jetzt die Soldaten, die getötet wurden, oder all die Soldaten, die mit körperlichen und seelischen Verletzungen heimgekommen sind? Sie geben vor, den Jugendlichen eine Perspektive zu bieten; doch Sie verschweigen die Risiken und Nebenwirkungen.
Dies betrifft besonders die Jugendlichen aus strukturschwachen Regionen.
Die Geschäftsführerin der Werbeagentur, die mit der Werbekampagne der Bundeswehr beauftragt worden ist, hat es ganz ehrlich auf den Punkt gebracht: Wenn man für Schokoriegel Werbung macht, dann sagt Ihnen auch niemand, dass man fett wird, wenn man 5 Kilogramm davon isst. Das, meine Damen und Herren, ist zynisch.
Die Bundeswehr steigert ihre Aktivitäten an Schulen sowie in der Lehrer- und Referendarausbildung. Wir meinen: Die Bundeswehr hat an der Schule nichts zu suchen. Politische Bildung ist die Aufgabe von ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen. Dafür muss Geld ausgegeben werden, nicht aber für die Propaganda der Bundeswehr.
Es kann ja wohl nicht wahr sein: Erst strangulieren Sie mit Ihrer Kürzungspolitik das Bildungssystem, und dann springt die Bundeswehr mit ihrer Propaganda ein.
In vielen Bundesländern regt sich Widerstand von Schülern, Eltern und Lehrern gegen die Auftritte von Bundeswehr an Schulen und auf Berufsmessen. Wir halten das für gut.
GEW, kirchliche Gruppen und Schüler schließen sich zusammen und setzen sich zur Wehr. Neulich erzählte mir eine Lehrerin aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg, dass sich das Robert-Blum-Gymnasium in einer Schulkonferenz zur Schule ohne Militär erklärt hat. Schüler der Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf haben ihre Lehrer und Eltern überzeugt, keine Bundeswehr mehr an ihre Schule zu lassen. Das sind die richtigen Schritte, die Schüler, Eltern und Lehrer machen können.
Ich denke oft an eine Mutter aus Thüringen, die mir berichtete, ihre beiden Söhne seien nach dem Einsatz in Afghanistan traumatisiert, hätten selbst nach Monaten nicht in den Alltag zurückgefunden. Für sie und alle Eltern wünsche ich mir, dass sie mit Reinhard Mey sagen: Nein, unsere Söhne geben wir nicht  und unsere Töchter auch nicht.

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Bundeswehr verschweigt Risiken und Nebenwirkungen https://christinebuchholz.de/2011/04/01/bundeswehr-verschweigt-risiken-und-nebenwirkungen/ Fri, 01 Apr 2011 13:30:29 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=2013 „DIE LINKE fordert Verteidigungsminister Thomas de Maizière auf, die Marketing-Kampagne für die Bundeswehr zu stoppen. Die Bundesregierung sollte stattdessen die Auslandseinsätze beenden und ausreichend Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsplätze in der zivilen Wirtschaft schaffen“, so Christine Buchholz, friedenspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE anlässlich der aktuellen Werbekampagne der Bundeswehr, die nach Aussetzung der Wehrpflicht um Rekruten kämpft. Buchholz weiter:

„Krieg ist unbeliebt in Deutschland. Die Bundeswehr findet nicht genügend Freiwillige für ihre ‚Armee im Einsatz‘. Das ist eine gute Nachricht.
Das Verteidigungsministerium reagiert darauf mit einer Marketing-Kampagne in typischem Werbe-Stil. Krieg, Tod und Verwundung, Posttraumatisches Belastungssyndrom und Afghanistan – all das kommt in der ‚Produktinformation‘ nicht vor.
Aber Auslandseinsätze, die Realität des Krieges, ist für die Freiwilligen verpflichtend. Die Werbekampagne ist schlicht irreführend. Die Bundeswehr versucht, die Not junger Menschen, die keine Ausbildung oder Arbeit finden, auszunutzen. Dazu verschweigt sie Risiken und Nebenwirkungen.“

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