Antifaschismus – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Thu, 29 Aug 2019 09:23:29 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Weltweit gegen Rassismus nach den Anschlägen von Christchurch https://christinebuchholz.de/2019/03/21/weltweit-gegen-rassismus-nach-den-anschlaegen-von-christchurch/ Thu, 21 Mar 2019 10:44:35 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=7007 Ich dokumentiere hier meine Rede auf dem Kundgebung von Aufstehen gegen Rassismus anlässlich des weltweiten Aktionstags gegen Rassismus am 16. März in Frankfurt am Main.
Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Frankfurterinnen und Frankfurter,
Vielen Dank, dass ihr heute da seid. Wir sind Teil einer weltweiten Bewegung gegen Rassismus. Es wird heute in 70 Städten unter dem Hashtag #worldagainstracism demonstriert. Und auch wegen der schrecklichen Terroranschläge auf zwei Moscheen wird es heute noch an vielen Orten weitere Demonstrationen geben.
Wir sind geschockt von den Anschlägen auf die beiden Moscheen in Christchurch, Neuseeland.
Wir sind bei den Opfern, bei den Angehörigen und den Freundinnen der Toten und Verletzten.

Der Täter war ein Rassist, ein bekennender Faschist.
Die Triebfeder für seine blutige Tat war der unbändige Hass auf Muslime.
Er war von einer Wahnvorstellung getrieben, die er „Bevölkerungsaustausch“ nennt, getrieben davon, dass „die Weißen“, die Europäer von „den Muslimen“, den Nicht-Europäern, verdrängt werden. Diese Wahnvorstellung gipfelt in seinem Pamphlet in Ausdrücken wie dem „Völkermord an den Weißen“. Diese Wahnvorstellung hat ihn zu seiner Bluttat getrieben.
Der Mörder von Christchurch ist aber kein Einzeltäter. Er teilt ein rassistisches und faschistisches Weltbild mit der extremen Rechten in aller Welt.
Und dieses Weltbild ist auch in Deutschland präsent. In rechten Zirkeln und Bewegungen der extremen Rechten und der sogenannten „Neuen Rechten“.
Und die sitzt im Bundestag und inzwischen in allen Landtagen und heißt AfD.
Denn wenn Alexander Gauland, der Fraktionsvorsitzende der AfD, im Zusammenhang mit dem Familiennachzug von syrischen Geflüchteten von „Bevölkerungsaustausch, der auf Hochtouren läuft“ spricht,
und wenn ein Björn Höcke von der AfD als „letzte evolutionäre Chance für unser Vaterland“ spricht und damit eigentlich meint und impliziert, dass im Zweifel diese Gesellschaft auch mit Gewalt verändert werden soll,
und wenn ein Jörg Meuthen, Parteivorsitzender und Spitzenkandidat der AfD zur Europawahl, sagt: „wir müssen unser Land zurückerobern“, dann bedienen sie dieselben rassistischen und neofaschistischen Denkmuster wie der Attentäter von Christchurch, dann sind sie geistige Attentäter.
Es ist aber nicht nur die extreme Rechte, die eine Mitverantwortung für rassistische Gewalt trägt. Islamfeindlichkeit ist in der Gesellschaft fest verankert. Sie wird legitimiert von Politikerinnen und Politikern, die behaupten, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, von den Teilen der Medien, die Muslime unter Generalverdacht stellen und sie in ihrer Berichterstattung in Verbindung bringen ausschließlich mit Gewalt und Terror.
Und aber auch von einer Mehrheitsgesellschaft, die sich nicht solidarisiert, wenn Muslime auf offener Straße angegriffen oder diffamiert werden. Auch das trägt dazu bei, dass dieser Hass und diese Gewalt legitimiert werden.
Heute gehen Menschen in vielen Teilen der Welt gegen Rassismus und Faschismus auf die Straße.
Und auch wir stehen hier an der Seite der Opfer von Christchurch und an der Seite von Muslimen hier in Deutschland, die in Sorge vor alltäglichem Rassismus und rechtem Terror leben.
Wir stehen für eine Welt, in der alle Menschen friedlich zusammenleben können, unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung.
„Aufstehen gegen Rassismus“ ist ein bundesweites Bündnis, das sich den Kampf gegen Rassismus auf die Fahnen geschrieben hat. Wir starten mit dem heutigen internationalen Tag gegen Rassismus auch unsere Kampagne zur Europawahl. Wir sagen: „Wer AfD wählt – wählt Nazis – deine Stimme gegen die AfD“.
Und wir laden euch alle ein, uns zu unterstützen, eine gemeinsame Aufklärungskampagne und Mobilisierungskampagne zu den Europawahlen zu starten und gemeinsam mit uns und mit vielen anderen am 19.5. auf die Straße zu gehen. Denn es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass Rassisten und Faschisten keine Mehrheiten gewinnen können und die Mehrheit sichtbar zu machen. Die Mehrheit, die klar und deutlich gegen Rassismus steht und der Meinung ist, dass wir eine vielfältige Gesellschaft brauchen, in der es keinen Hass und keine Ausgrenzung geben darf. Danke, dass ihr da seid und wir wünschen euch heute eine gute Kundgebung.
Vielen Dank.

]]>
Gegen die AfD und ihre rassistischen Partner in Europa https://christinebuchholz.de/2019/01/14/gegen-die-afd-und-ihre-rassistischen-partner-in-europa/ Mon, 14 Jan 2019 09:33:18 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6991 Am 12. Januar demonstrierten in der sächsischen Stadt Riesa 1500 Menschen gegen den Europa-Bundesparteitag der AfD. Ich habe dort für das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ auf der Auftakt-Kundgebung gesprochen:


„Schön, dass ihr alle da sei. Vielen, vielen Dank an das Bündnis AfD-Adé in Riesa, dass ihr diesen Protest organisiert habt. ‚Aufstehen gegen Rassismus‘ ist ein bundesweites Bündnis, das sich zum Ziel gesetzt hat, solange gegen die AfD zu arbeiten, bis die AfD aus den Parlamenten und Straßen wieder verschwunden ist.
Wir versuchen Menschen fit zu machen, im Alltag gegen Rassismus aufzustehen, weil der Rassismus –  das hat mein Vorredner vom Flüchtlingsrat gesagt – ist jetzt schon alltägliche Realität ist.
Heute demonstrieren wir hier in Riesa gegen den Parteitag der AfD, um deutlich zu machen, welche Gefahr von der AfD ausgeht.
Die AfD bereitet sich auf den Europa Wahlkampf vor. Sie will gemeinsam mit Rechten und Faschisten aus ganz Europa, mit Orbán, mit Salvini, mit Strache und all ihren ‚braunen Kameraden‘ die EU noch weiter nach rechts rücken. Sie will die Abschottung Europas weiter vorantreiben. Ein absoluter Skandal, wenn man sieht, was gerade im Mittelmeer passiert.
Ein zentrales Wahlkampfthema der AfD – das konnte man schon auf dem letzten Europa-Parteitag in Magdeburg sehen – ist der Kampf gegen die angebliche „Islamisierung Europas“. Das ist die große Klammer, das wird das große Thema sein, mit dem die AfD in den Wahlkampf zieht.


Diese rechte und rassistische Politik spiegelt sich auch in ihrer Kandidatenliste wider. Es sind ja schon einige der Europa-Kandidaten gewählt.
Angeführt wird die Liste von Jörg Meuthen, der weiterhin als Chef der AfD seine schützende Hand über Björn Höcke und andere Nazis vom rechten Flügel hält.
Auf der Liste findet sich jemand wie der Ex-Bildzeitungsjournalist Nikolaus Fest, der der Meinung ist, dass Religionsfreiheit nicht für alle gilt. Er sagt, der Islam sei kein Glauben, sondern eine „Ideologie“ und er will in Deutschland „alle Moscheen schließen“.
Und auf Platz 7 haben wir jemanden wie Christine Anderson aus Hessen, langjährige Pegida-Aktivistin, die von sich selbst sagt „rechtsradikal“ zu sein. Das nur, um einige Beispiele zu nennen.
Es ist wichtig, dass wir hier stehen wie in vielen anderen Städten und in ganz Europa und sagen: Nein, es sind nicht die Geflüchteten, nein es sind nicht die Muslime, die irgendein Problem für uns in Europa sind, sondern es ist die AfD und ihre rassistischen Verbündeten in ganz Europa, gegen die wir stehen!

Unsere Antwort auf ihren Rassismus ist Solidarität! Das machen hier ganz laut deutlich und das werden wir in den nächsten Wochen und Monaten deutlich machen.
Die AfD ist keine normale, demokratische Partei, sie ist eine Gefahr für das Zusammenleben und für die Demokratie.
Wir haben momentan eine etwas absurde Diskussion, seitdem André Poggenburg angekündigt hat, eine eigene Partei zu gründen. Man hat manchmal den Eindruck, als wäre jetzt die AfD nicht mehr der Ort der Nazis und Faschisten. Aber natürlich ist das nicht richtig.
Aufgrund der zahlreichen Proteste, die es gegeben hat und weiter geben wird, hat die AfD, hat die Führung der AfD, hat selbst ein Höcke Kreide gefressen. Aber das ändert doch nichts an ihren Positionen und Forderungen. Das was Poggenburg ausspricht, das denkt ein Gauland, das denkt ein Höcke genauso. Deswegen kämpfen wir weiter auch gegen die AfD, denn sie ist die größte Partei in Deutschland, in der sich Nazis und Faschisten sammeln.
Die AfD hat einen starken neofaschistischen Flügel, das kann man allein daran sehen, dass die Spitzenkandidaten in Brandenburg und in Thüringen, beide, Andreas Kalbitz und Björn Höcke, Unterstützer des sogenannten ‚Flügels‘ sind. Die Gefahr geht weiterhin genauso von der AfD aus und deshalb demonstrieren wir.
Die AfD ist der parlamentarische Arm der extremen Rechten. Sie ist der Stichwortgeber für die Neonazis, rechte Hooligans und andere rechte Gewalttäter. Das werden wir nicht hinnehmen, dagegen zeigen wir hier Gesicht.
Wir haben erlebt, wie von der AfD ein Klima des Hasses ausgeht. Nach den Ereignissen in Chemnitz hat die Bundesregierung vom 26. August bis zum 11. Oktober 112 rechtsextrem motivierte Straftaten festgestellt – allein in Chemnitz. Gegen Geflüchtete, gegen Muslime, gegen jüdische Einrichtungen. Wir sagen ganz deutlich: Wir treten gegen jede Form des Rassismus und der Diskriminierung ein. Und wir widersetzen uns diesem Rassismus und der Diskriminierung im Alltag und auf der Straße.
Und: Ja es macht einen Unterschied, ob es Widerstand gibt oder nicht. Und deswegen demonstrieren wir und werden wir weiter demonstrieren.
Wir wollen die AfD gesellschaftlich isolieren. Wir haben es in der Hand, dafür zu kämpfen mit vielen, vielen anderen Menschen. Wir dürfen nicht zulassen, dass hier in Deutschland eine faschistische Massenpartei in den Parlamenten und auf der Straße entsteht.
Und in diesem Sinne: Vielen Dank, vielen Dank an Euch, aber auch an  die vielen Menschen die in den letzten Monaten in Chemnitz und in vielen anderen Städten auf der Straße waren!
Maximilian Krah, das ist derjenigen, der auf Platz drei der Europaliste der AfD ist. Er kommt hier aus Sachsen. Er hat mit Blick auf die Europawahlen, die Landtagswahlen und die Zeit danach gesagt: „Lasst uns der Eisbrecher sein, damit wir überall in Deutschland sächsische Verhältnisse haben.“
Wir sagen ganz klar, das werden wir Maximilian Krah und der AfD nicht durchgehen lassen. Wir werden die sächsischen Verhältnisse, die er möchte, nicht dulden. Nicht hier, nicht im Rest von Deutschland und nicht in Europa.
Und deshalb laden wir von „Aufstehen gegen Rassismus“ Euch ganz herzlich ein, mitzumachen bei den weiteren Protesten.  Wir werden einen Europäischen Aktionstag am 16. März im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus haben.
Wir werden viele Anlässen hier in Sachsen und in andere Orte haben, gemeinsam aufzustehen gegen Rassismus und die AfD.
Und: Lasst uns eine gute, starke und kraftvolle Demonstration haben!“

]]>
Auch nach dem Katholikentag in Münster: Keine Bühne der AfD! https://christinebuchholz.de/2018/05/17/auch-nach-dem-katholikentag-in-muenster-keine-buehne-der-afd/ Thu, 17 May 2018 08:56:56 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6850 Als religionspolitische Sprecherin der Linksfraktion nahm ich an dem Parteien-Podium auf dem Katholikentag am 12. Mai 2018 teil und ziehe hier Bilanz: Die Erfahrung von Münster zeigt: Die AfD will keine Debatte, sondern nur eine Bühne.

Zum diesjährigen Katholikentag in Münster wurde mit Volker Münz erstmalig ein Vertreter der AfD eingeladen, um an einem Podium mit anderen im Bundestag vertreten Parteien teilzunehmen.
Im Vorfeld hagelte es Kritik an dieser Entscheidung. Die katholische Jugendorganisation BdKJ, 47 kritische Theologinnen und Theologen, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, der DGB Münster: Sie alle kritisierten offen, dass die AfD auf diese Weise verharmlost werde, dass ihr der Anstrich einer gewöhnlichen demokratischen Partei neben allen anderen gegeben werde. Auch das lokale Bündnis „Kein Meter den Nazis“, das in den vergangenen Jahr immer wieder erfolgreich gegen die AfD mobilisiert hat, reihte sich in die Reihe der Kritiker ein. Sie alle argumentierten, es dürfe sich keine Normalisierung im Umgang mit einer Partei geben, die immer weiter nach rechts geht, Antisemiten in ihren Reihen duldet und gegen den Islam hetzt. Das Bündnis führte unter dem Motto „Keine Bühne für die AfD“ eine Demonstration vor der Veranstaltung durch, an der sich mehr als 1000 Personen beteiligten, darunter auch christliche Pfadfinderinnen und Pfadfinder, Gläubige und Friedensbewegte.
Die Leitung des Katholikentages hatte noch vor zwei Jahren entschieden, die AfD nicht zum damaligen Katholikentag in Leipzig einzuladen. Dieses Jahr behauptete sie, es gäbe dafür eine „demokratische Notwendigkeit“. Man müsse aktiv und persönlich mit denen streiten, die unsere Demokratie verhöhnen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, argumentierte, die AfD dürfe keine Gelegenheit bekommen, sich als Märtyrer zu inszenieren.
Was ist nun die Bilanz?
Der Widerstand gegen die AfD-Einladung innerhalb der Kirche und in der Stadt Münster führte dazu, dass Unmut über die Entscheidung der Kirchenleitung  sichtbar geworden ist und der Katholikentag sich mehrfach klar und deutlich gegen Rassismus und Ausgrenzung positioniert hat.
Allerdings hätte man das auch ohne Einladung der AfD haben können. Dies hätte es ermöglicht, sich auf dem Podium über wichtige gesellschaftliche und politische Fragestellungen auszutauschen. Zum Beispiel darüber, wie man den rassistischen Vorstößen der AfD entgegentreten kann, wie das Staatskirchenrecht der religiösen und weltanschaulichem Pluralität besser Rechnung tragen kann, oder wie die Ablösung von Staatsleistungen zu regeln ist.
Das war nicht möglich, weil es dem AfD-Vertreter gar nicht darum ging, eine Debatte zu führen. Vielmehr missbrauchte er den Katholikentag als Bühne für seine Propaganda. Vor den rund 1.000 Besuchern dieser Podiumsdiskussion spulte er die gesamte Litanei der rassistischen Parolen seiner Partei herunter. Die Vertreterinnen und Vertreter der anderen Parteien wurden gezwungen sich zu entscheiden, ob sie ihre Redezeit zur Entgegnung auf die rassistischen Parolen nutzen, oder sich mit den anderen Podiumsteilnehmern über relevante Inhalte diskutieren.
Obwohl der Moderator sich redlich bemühte, den AfD-Politiker Münz einzuhegen, bekam dieser den größten Raum – auch in der medialen Widerspiegelung. Die Gründe, die für seine Einladung vorgebracht worden waren, erwiesen sich als haltlos. Die Tatsache, dass die AfD eingeladen wurde, änderte nichts daran, dass Münz sich als Märtyrer und Opfer inszenierte. Im Übrigen ließ er sich auch, wie zu erwarten, nicht auf die Argumente der anderen Diskussionsteilnehmer ein.
Diejenigen, die die Einladung der AfD kritisiert haben, haben Recht behalten. Die AfD ist kein Opfer, sondern macht andere zum Opfer. Es bleibt zu hoffen, dass die beiden großen Kirchen diese Erfahrung gründlich auswerten und die AfD als das behandeln, was sie ist: Eine faschistische Partei im Werden, die jede Einladung zu Veranstaltungen lediglich als Bühne zur Verbreitung ihrer menschenfeindlichen Haltungen auszunutzen gedenkt.

]]>
#MarchAgainstRacism – Internationaler Aktionstag gegen Rassismus https://christinebuchholz.de/2018/03/17/marchagainstracism-internationaler-aktionstag-gegen-rassismus/ Sat, 17 Mar 2018 14:36:13 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6781 Am 17. März demonstrieren 25 Orten in Deutschland und 17 weiteren Ländern tausende Menschen gegen Rassismus und den Aufschwung rechter Parteien. Zusammen sagen wir: Nein zur Hetze gegen Muslime – unsere Alternative heißt Solidarität! Mitschnitt meiner Rede auf der Aufstehen gegen Rassismus-Demonstration in Berlin.

]]>
AfD-Burkaverbot ist rassistische Scheindebatte https://christinebuchholz.de/2018/02/22/afd-burkaverbot-ist-rassistische-scheindebatte/ Thu, 22 Feb 2018 12:40:16 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6740 Die AfD führt eine Scheindebatte, denn ein Vollverschleierungsverbot im öffentlichen Raum verstieße gegen das Grundgesetz. Es geht der frauenfeindlichen Partei AfD nicht um weibliche Selbstbestimmung. Sie will weiter rassistische Vorurteile gegen den Islam und Muslime verbreiten. Leider befeuern auch CDU/CSU diese Scheindebatte. DIE LINKE steht gegen den Zwang zu religiöser Bekleidung, ebenso wie gegen den Zwang, sie abzulegen.

Christine Buchholz (DIE LINKE):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Die AfD fordern nun also ein Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum. Lassen Sie mich es vorneweg sagen: Wir lehnen den Zwang, eine religiöse Bekleidung zu tragen, wie den Zwang, sie abzulegen, ab.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Abgeordneten der AfD wissen höchstwahrscheinlich, dass das Verbot gegen Artikel 4 des Grundgesetzes verstieße. Der vorliegende Antrag der AfD ist damit für den Papierkorb. Wieder eröffnet die AfD eine rassistische Scheindebatte.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der AfD)
Eines ist klar: Es geht der AfD weder um die betroffenen Frauen noch um weibliche Selbstbestimmung.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Das Programm der AfD ist frauenfeindlich.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sie will das Antidiskriminierungsgesetz abschaffen und Geschlechterquoten streichen. Sie ist sogar gegen Aktionen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit wie den Equal Pay Day. Auch zahlreiche Abgeordnete sind schon durch frauenfeindliche Äußerungen aufgefallen; Herr Boehringer ist da nicht alleine. (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Schauen Sie einmal die sexistischen Hasskommentare Ihrer Anhänger an. Das ist einfach nur widerlich. (Beifall bei der LINKEN und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der AfD)
Den Frauen, die gegen ihren Willen Burka oder Nikab tragen, hilft das Verbot überhaupt nicht.
Vizepräsident Wolfgang Kubicki:
Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Brandner, AfD?
Christine Buchholz (DIE LINKE):
Nein, die haben genug Redezeit. – Die AfD will offenbar, dass Frauen, die gegen ihren Willen Burka oder Nikab tragen, nicht einmal das Haus verlassen können, um sich öffentlich zu bewegen, einen Arzt zu besuchen, an einem Elternabend teilzunehmen oder um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist absolut lächerlich, dass sich die AfD zur Anwältin der weiblichen Selbstbestimmung aufspielt.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Lachen der Abg. Dr. Alice Weidel (AfD))
Worum geht es der AfD also? Es geht darum, weiter rassistische Vorurteile gegen Muslime und den Islam zu verbreiten. Die AfD behauptet, unter Muslimen würde ohne Verbot der Vollverschleierung ein Gruppendruck zur Vollverschleierung entstehen.
(Zuruf von der AfD: Ja, so ist es!)
Hier entsteht vor Ihrem geistigen Auge das Bild einer „kulturellen Landnahme“, das eben auch Herr Curio bemüht hat. (Dr. Bernd Baumann (AfD): Genau!)
Das ist absoluter Bullshit.
(Beifall bei der LINKEN)
Die übergroße Mehrheit der muslimischen Frauen in Deutschland ist nicht vollverschleiert und sieht die Vollverschleierung als nicht geboten an. Das weiß übrigens auch jeder, der mit muslimischen Frauen spricht, anstatt sie zu verfolgen.
(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der AfD: Wir verfolgen sie doch nicht!)
Die AfD stellt hier eine Behauptung auf, die nichts mit der Realität zu tun hat, sondern ausschließlich ihrer rassistischen Paranoia entspringt.
(Beifall bei der LINKEN – Lachen der Abg. Dr. Alice Weidel (AfD) – Dr. Alice Weidel (AfD): “Rassistische Paranoia”!)
Die AfD schreibt in ihren Antrag, dass der Islam an sich unverschleierte Frauen als ehrlos markiere. Auch das ist eine reine Behauptung, die durch nichts belegt ist.
In Wirklichkeit nehmen hier in Deutschland Hass und Gewalt gegen Muslime zu, vor allem gegen muslimische Frauen. Gerade vor zwei Tagen wurde eine Frau in einem Berliner Supermarkt verletzt, als ihr gewaltsam der Schleier vom Kopf gerissen wurde. Das ist das Resultat Ihrer Hetze, meine Damen und Herren von der AfD.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Aber auch die CDU/CSU befördert diese Scheindebatte seit Jahren, wenn sie immer wieder über das Thema Burka redet. Herr Mayer hat das eben noch einmal vorexerziert. Leider geht auch der vorliegende Koalitionsvertrag der AfD auf den Leim, wenn in ihm ein Vollverschleierungsverbot in Gerichten angekündigt wird; denn hier gibt es ausreichend Regelungen.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Die Linke fordert Hilfe und Unterstützung für alle Frauen, denen Zwang angetan wird, ob dieser Zwang nun religiös begründet wird oder nicht. Wir stehen an der Seite aller Frauen, die sich gegen ihre Unterdrückung und für ihre Rechte einsetzen. Was diese Frauen am allerwenigsten brauchen, ist der vorliegende Antrag der AfD.
(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

]]>
Solidaritäts-Schreiben wegen Schüssen auf das Islamische Kulturzentrum in Halle https://christinebuchholz.de/2018/02/09/solidaritaets-schreiben-an-das-islamische-kulturzentrum-in-halle/ Fri, 09 Feb 2018 17:17:07 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6720 Dokumentiert: Brief an das islamische Kulturzentrum Halle, auf das am 2. Februar 2018 mehrere Schüsse abgegeben wurde.

Sehr geehrter Vorstand des Islamischen Kulturzentrums Halle, liebe Gemeindemitglieder,
für DIE LINKE möchten wir unser Entsetzen über die Schüsse auf Ihre Moschee am 02.02.2018 und die Woche davor ausdrücken. Wir wünschen dem verletzten Moscheebesucher gute Genesung.
Mit großer Sorge nehmen wir die Zunahme von Übergriffen auf Muslime und muslimische Einrichtungen wahr. Ein Anschlag auf ein religiöses Gebäude – ob Moschee, Synagoge oder Kirche – ist ein Anschlag auf die Religionsfreiheit, auf Freiheit, Demokratie und uns alle.
Vor dem Hintergrund des wachsenden alltäglichen antimuslimischen Rassismus in Deutschland, der sich nicht zuletzt im Erstarken der AfD ausdrückt, können wir die Angst und Verunsicherung ihrer Mitglieder gut nachvollziehen. Wir stehen solidarisch an Ihrer Seite.
Wir streiten für eine Gesellschaft, in der Menschen gleichberechtigt zusammenleben – ohne Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Kultur oder Religion.
Wenn wir Ihrer Gemeinde behilflich sein können, lassen Sie es uns bitte wissen. Gerne würde Frau Dr. Sitte Ihre Gemeinde besuchen und steht für ein Gespräch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Petra Sitte – Abgeordnete aus Halle im Bundestag
Christine Buchholz – Sprecherin für Religionspolitik der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

]]>
Ein Zeichen der Ermutigung – Tausende demonstrieren gegen die AfD in Hannover https://christinebuchholz.de/2017/12/03/ein-zeichen-der-ermutigung-tausende-demonstrieren-gegen-die-afd-in-hannover/ Sun, 03 Dec 2017 14:50:42 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6667 Fast 10.000 Personen beteiligten sich am Samstag, den 2.12. in Hannover an den Protesten anlässlich des Parteitages der AfD gegen Rassismus und rechte Hetze. Dazu erkläre ich für die Partei DIE LINKE:

„Der Protest gegen den AfD Parteitag hat ein wichtiges Signal gesendet: Wir schweigen nicht, wenn sich eine Partei etabliert, deren Markenkern Rassismus und die Hetze gegen Geflüchtete, Muslime und Andersdenkende ist. Wir schweigen nicht, wenn die AfD duldet, dass extreme Rechte und Faschisten in ihren Reihen zunehmend an Einfluss gewinnen. Die AfD hat für die große Mehrheit der Bevölkerung nichts zu bieten. Ihre Sündenbock-Hetze lenkt von den wirklichen Problemen in der Gesellschaft ab. Nicht Geflüchtete, Muslime oder Einwanderung sind verantwortlich für gesellschaftliche Probleme, sondern eine Politik, die Profite vor die Bedürfnisse der Menschen stellt. Dass sich trotz des massiven Polizeiaufgebotes und eines zum Teil völlig unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes fast 10.000 Menschen an den Protesten beteiligten, ist für uns eine Ermutigung. Abgeordnete der LINKEN waren als parlamentarische Beobachter/innen während der Blockaden unterwegs und haben versucht, wo es ihnen möglich war, deeskalierend zu wirken. An der anschließenden Demonstration und Kundgebung nahmen Mitglieder der LINKEN aus Hannover und dem ganzen Bundesgebiet teil.“

]]>
Schlagabtausch mit der AfD im Bundestag https://christinebuchholz.de/2017/11/22/schlagabtausch-mit-der-afd-im-bundestag/ Wed, 22 Nov 2017 13:47:51 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6657 Die AfD ist eine rassistische, eine nationalistische und eine militaristische Partei – daran ändert auch ihre Wahl in den Bundestag nichts. Rassisten bleiben Rassisten und als solche müssen wir sie auch bezeichnen – im Parlament und außerhalb!

Meine Antwort auf eine Kurzintervention des Abgeordneten Baumanns (AfD), der zuvor empört den Vorwurf des „Rassismus“ zurückgewiesen hat:
Christine Buchholz (DIE LINKE): Vielen Dank. – Herr Baumann, mir kommen die Tränen.
(Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Anders als wahrscheinlich Sie habe ich Ihr Programm gelesen. Und das, was Sie zum Thema Afrika zu sagen haben, und das, was Sie zum Thema Islam zu sagen haben, ist nichts anderes als rassistisch.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der AfD)
Ich bleibe dabei: Die AfD ist eine rassistische, eine nationalistische und eine militaristische Partei.
(Lachen bei der AfD)
Das haben Sie selbst so beschlossen. Dazu müssen Sie auch stehen. Und das werde ich hier zu jeder Gelegenheit, innerhalb und außerhalb des Parlamentes, weiter sagen.
(Beifall bei der LINKEN sowie des Abg. Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))

]]>
Fuelling the contradictions within the AfD https://christinebuchholz.de/2017/04/20/fuelling-the-contradictions-within-the-afd/ Thu, 20 Apr 2017 11:25:07 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6467 Whilst infighting within the AfD [Alternative for Germany] is becoming increasingly fierce, its poll ratings have fallen over the last few weeks. Yet Christine Buchholz stresses that this is no cause to relax. In an interview with marx21, she explains what the conflict between the Petry and Höcke factions within the party is really about and what strategy is needed to stop these right-wing hatemongers
Christine Buchholz is a member of the executive committee of The Left Party and is active on behalf of the party in the anti-racist coalition ‘Aufstehen gegen Rassismus’ [Stand up against Racism]. The interview was conducted by Martin Haller for marx21.de
marx21: Since the inauguration of Donald Trump as US President, hardly a day has gone by without new shocking headlines from the White House. And, just next door in France, a racist hatemonger by the name of Marine Le Pen also looks set to gain record support. Here in Germany, we are faced with the prospect of the AfD gaining double-digit support and entering the Bundestag. Does this shift to the right have an unstoppable momentum?
Christine Buchholz: At the moment, racist demagogues and even fascists are riding on a wave of support in many countries. This is dangerous. Yet we are also seeing a massive counter-movement. The anti-Trump protests in the USA were the biggest since the demonstrations against the Vietnam War, possibly the biggest ever. In London, tens of thousands took to the streets to protest against Trump’s planned visit to the UK. And there will also be protests in Germany when Trump comes to Hamburg for the G20 summit.
Many people recognise the threat posed by racist hatemongers. And many want to do something to combat this threat. I would therefore not talk of a shift to the right. What we are actually experiencing is an increasing polarisation of society. The neoliberal consensus of the ruling classes is beginning to crumble and they are no longer able to continue with ‘business as usual’. On the one hand, the situation is highly explosive, since racist violence is increasing and the real danger of a fascist movement is also growing. Yet the dissatisfaction with the status quo also presents opportunities for the Left.
Do you believe that applies to Germany, too?
Yes, in Germany we are experiencing polarisation as well. This includes the rise of the AfD, but also the millions of people who demonstrated their solidarity with refugees and the major counter-movements who were able to stop Pegida from gaining even greater momentum. We now need something similar in the battle against the AfD: a mass movement able to stop the party in its tracks before it becomes as strong as the Front National in France or the FPÖ in Austria and before it has become so well established that any kind of resistance is much more difficult.
Since Björn Höcke’s hatemongering speech in Dresden, the AfD is once again the centre of attention. Numerous media outlets and politicians have made a direct comparison to the rhetoric of the Nazis and have placed Björn Höcke on a par with Hitler and Goebbels. Is the AfD on the path to becoming a Nazi party?
So far, the AfD is not a fascist party, unlike the NPD, for example; yet it does have the potential to develop into one – and it would have a far greater influence than the NPD ever did. The AfD is still a collection of various right-wing currents – from market-fundamentalist neoconservatives like Jörg Meuthen, nationalist right-wing populists like Frauke Petry, to neo-fascists like Björn Höcke. The different currents within the party are united by the belief that the AfD presents a historic opportunity to break out of the niche to which the radical Right has been confined in the past.
So far, the radicalisation of the party is unbroken. Although Höcke’s Nazi speech undoubtedly scared off a few of the AfD’s middle-class right-wing conservative supporters, Frauke Petry will not manage to expel Höcke from the party. During the process of nomination to the party lists in the Länder for the Bundestag elections, Petry’s wing of the party suffered several bitter defeats.
What leads you to the conclusion that Höcke is a fascist, while Petry is not? There is little to distinguish them in terms of racism, nationalism and völkisch ideology.
That’s true. Petry is by no means less racist in her hate speech targeted at refugees and Muslims. She too espouses a völkisch style of nationalism. Yet she aims to shift conservative politics to the right, rather than overthrowing it. She aims to establish a right-wing nationalist force within the party spectrum and, in the medium term, she wants the AfD to serve in government as coalition partner to the CDU/CSU. She is therefore keen to distance herself from Höcke’s Nazi sentiments for tactical reasons.
Höcke and his faction of the party, in contrast, aspire to becoming a ‘movement-style party of fundamental opposition’. They are pursuing a strategy which I would describe as neo-fascist. This faction is bolstered by Alexander Gauland, who stresses his intention of ‘fighting tooth and nail against the political system’.
How would you define a neo-fascist strategy?
Neo-fascists are Nazis in another guise. Since open support for National Socialism would be tantamount to political suicide, fascists have since the Second World War been at pains to burnish their image, by presenting themselves as nationalist-conservatives. Instead of associating themselves directly with Hitler’s fascism, they cite one of the movements which helped develop and pave the way for his ideology, the so-called ‘Conservative Revolution’. This does not make them any less dangerous. The strategy of the Nazi wing of the AfD in its struggle for power is similar to that pursued by the NSDAP party. Parliaments form one element of this strategy, but they are not the central element. So this faction is striving to grow its support base on the streets. Höcke was the first AfD politician to successfully organise street protests. He has described the AfD as the “last peaceful chance for our Fatherland” – a statement which contains an implicit threat of violence if the party fails to gain power through ‘peaceful’ means. Höcke paints a picture of the gradual and deliberate destruction of the ‘nation’ and ‘Volk’ [the people], which can only be halted by a new nationalist movement. This is what distinguishes his approach from the parliamentary strategy being pursued by Petry.
Following Höcke’s speech in Dresden, Petry criticised him sharply in public and is now trying to expel him from the party. And the conflicts are also intensifying in the context of nominations to the party lists for the Bundestag elections. Is the AfD not currently on the path to self-destruction?
No. The AfD will not self-destruct. The sometimes bitter infighting between the different factions has accompanied the AfD’s development from the beginning. Yet it has not so far inflicted lasting damage on the party. The biggest mistake would be to stand by passively while the AfD fuels hatred of Muslims and refugees, along with sexism and homophobia, in an attempt to shift society as a whole to the right.
The failure to take seriously the threat posed by the neo-fascist Right is one of the factors which has contributed to their rise in many European countries. It is not possible to stop parties like the Front National, FPÖ or AfD simply by shrugging them off as especially racist-Conservative, or as populist. This has not worked in Austria or France and neither will it work in Germany.
So how can we stop them?
It is important to exert external pressure on the AfD, thus fuelling its internal contradictions and isolating it from sections of its ‘softer’ periphery. To this end, we must confront the AfD openly and organise broad anti-racist and anti-fascist protests wherever they are appearing in public. I call on everybody to join the demonstrations against the AfD’s national conference on 22 April in Cologne and to protest loudly. The Bundestag election campaign will also present many opportunities for this.
Do we not actually enhance the AfD’s status through open confrontation of this kind? It merely helps them to assume the role of victim.
The AfD is not a victim; it encourages violent right-wing individuals. It we allow it free rein, Muslims, Jews, refugees, immigrants and all who do not fit in with the AfD’s world view will increasingly often suffer harassment and violence. Attacks on anti-fascists, anti-racists, left-wingers and trade unionists are also on the rise.
The AfD’s internal strategy paper ‘Manifest 2017’ indicates how effective the diverse protests and actions against the party are, describing the frustration they have created amongst active party members. In addition, the paper laments the fact that disruptive action “helps create an impression amongst the public, especially among the middle classes and interest groups, that the AfD carries a stigma and that it is better not to be associated with it in public.” The AfD is planning to rely more on the politics of victimhood, but it intends in North Rhine-Westphalia to be more careful than in the past about keeping secret the location of its election campaign events and stands. This is the successful result of broad-based diverse protest.
In its strategy paper, the AfD portrays itself as a ‘breaker of taboos’ and talks of ‘carefully planned provocations’. Are we not falling into their trap if we react to every racist demand and völkisch slogan with outrage?
Failing to counter racist hate speech, historical revisionism and indirect calls for violence provides the AfD with tacit approval. Our problem is not that too many people clearly contradict the AfD, but that the CDU and SPD adopt its demands, thus ultimately providing confirmation that it was right in the first place.
What do you mean?
The Federal Government has pushed through a series of changes to make asylum law more restrictive. Mass deportations are now planned, exactly as called for by the AfD – including to war zones like Afghanistan. Some politicians from the conservative CDU and its Bavarian sister party CSU, spearheaded by Horst Seehofer, have begun to compete directly with the AfD in terms of racism towards refugees and Muslims. Racism towards Muslims in particular is seen as socially acceptable far beyond the circle of AfD sympathisers. The Federal Government criticises Trump for the ‘Muslim Ban’, yet is at the same time discussing a ban on burkas. It criticises the wall that Trump intends to build on the Mexican border, yet at the same time concludes pacts with dictators and autocrats to keep refugees out of Europe or let them drown in the Mediterranean.
You advocate greater efforts to forge alliances with those affected by racism. But some migrant or Muslim associations also have pretty conservative ideas, don’t they?
For me it is self-evident that we must show solidarity towards all those under attack by racists. That does not apply solely to those with left-wing or progressive ideas. If we allow ourselves to become divided, we leave the field wide open for right-wing hatemongers.
It is a major step forward if Muslim communities and organisations get involved in protests and alliances against racism; after all, we should be talking to them rather than about them. This is the only way for people who have not experienced racism themselves to begin to understand what it feels like. This strengthens the anti-AfD movement. At the same time, working together to combat racist oppression and promote religious freedom provides an opportunity to curb the influence of reactionary political currents amongst Muslims.
But is it wise to strive for cooperation with pro-deportation parties like the SPD in combatting racism, as the Aufstehen gegen Rassismus alliance is doing?
It is true that the SPD, together with the Greens, is partly to blame for the humanitarian disaster on the EU’s external borders and in the Mediterranean, due to its repressive refugee policy. This policy plays into the hands of the AfD, since it helps to portray refugees and immigrants as a threat. It is also true that the ‘racism of the centre’ made the rise of the AfD possible. The SPD did not manage to expel Thilo Sarrazin, though he lent respectability to the anti-Muslim racism which is now boosting support for the AfD. It is wrong, however, to label the SPD and Greens as racist for this reason and seek to exclude them from the battle against the AfD.
Why?
If we restrict ourselves in the battle against the AfD to the circle of people who reject racist structures as a whole, we will remain a select few. Many people who are appalled by the AfD’s open racism and would be willing to take action against it are not against borders and do not reject per se the division of people into ‘citizens’ and ‘foreigners’. Yet, in order to isolate the AfD, it is precisely these people who we must get involved in an anti-racist initiative. We will not achieve this by condemning them as racists. Only by joining forces can we overcome racist attitudes and the structures within society which help to perpetuate them.
But that’s completely contradictory. One the one hand criticising the SPD for this and on the hand other cooperating with it…
No. It would be fatal to exclude the SPD and Greens from the fight against racism, as called for by some radical left-wingers. The usual suspects will not develop the momentum needed to stop the AfD. In mid-February in the mid-sized town of Münster for example, around 10,000 people took to the streets to protest against the AfD and the visit by Petry. The only reason for the size of these protests was that they were underpinned by a broad alliance.
But is there not then a danger of The Left Party being perceived as part of the political mainstream and the AfD as the ‘only true opposition party’, as it claims?
The aim of anti-AfD alliances is to work together to mobilise people. That is one of the central goals of the Aufstehen gegen Rassismus alliance in which The Left Party is also involved. But liberal anti-racism by itself will not stop the AfD. Naturally, it has to be possible to advocate positions which are more radical than the jointly agreed goals. At the anti-AfD demonstration in Berlin on 3 September, some of the speakers expressed fierce criticism of the steps to make asylum law more restrictive. But other speakers expressed different views. If, however, The Left Party were to make joining the alliance conditional on agreeing with its positions, it would exclude people rooted in the trade-union movement, or the SPD or Greens, along with many others.
The goal of alliances is to reach agreement on how and when the AfD can be defeated. Yet it is also vital to make visible a left-wing alternative. The task of The Left Party is to steer the fear and uncertainty which is currently being channelled to the right towards the real threats: capitalism, its crises and the associated social problems and uncertainty. To this end, we must strongly criticise the Federal Government and the neoliberal parties.
How can The Left Party do this?
The Left Party must do two things: it must be an active motor for a mass anti-racist movement which has strong local roots, but can also take effective action nationwide and, at the same time, remain visible as the anti-capitalist protest party rooted in social struggle. In the months to come, this will mean both presenting itself as a left-wing political alternative and being part of broader movements to combat racism and fascism.
The interview was conducted by Martin Haller.

]]>
Breite Koalition, sozialistische Kraft https://christinebuchholz.de/2016/03/02/breite-koalition-sozialistische-kraft/ Wed, 02 Mar 2016 08:35:29 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6124 Der Rechtsentwicklung entgegenstellen – aber wie? Ein Beitrag zur Debatte von Nicole Gohlke, Hubertus Zdebel und mir
Im »neuen deutschland« findet derzeit unter der Überschrift »Strategien gegen die Rechtsentwicklung« eine wichtige Debatte für die LINKE statt. Was soll unsere Antwort auf den politischen Rechtstrend in Deutschland sein: Soll die LINKE die »Sorgen ernst nehmen«, die von AfD und Co. angesichts steigender Zuwanderung in hetzerischer Weise aufgeworfen werden? Gilt es, jetzt schnellstmöglich eine gemeinsame Regierung mit SPD und Grünen anzustreben? Wie kann eine Mobilisierung gesellschaftlicher Gegenkräfte gelingen?
Wir wollen in unserem Beitrag argumentieren, dass jetzt in der Tat die Bündnisfähigkeit der LINKEN gefordert ist: Unsere Kraftanstrengung muss dem Aufbau breiter Bündnisse gegen rechts gelten, denn es gilt die Gefahr sehr ernst zu nehmen: Mit der AfD ist ein Kristallisationspunkt der Neuformierung der rechten Szene entstanden, die weit ins bürgerliche Lager ausgreift, und gleichzeitig – wie nicht nur in Thüringen sichtbar – auch die organisatorischen Kerne neonazistischer Aufmärsche und Pegida-Proteste stellt.
Die bisher in einigen Debattenbeiträgen spürbare Verengung auf die Frage von Regierungskonstellationen halten wir allerdings für nicht zielführend und meinen: Linksregierungen, die als parlamentarisches Zweckbündnis die Rechtsentwicklung stoppen sollen, die aber nicht auf dem Fundament stehen, wirklich die politischen und ökonomischen Wurzeln für den gesellschaftlichen Rechtstrend anzugehen, könnten die gesellschaftliche Rechtsentwicklung sogar noch verschärfen.

Lehren ziehen aus den Fehlern von KPD und SPD

Die Debatte wurde im Dezember von Klaus Ernst eröffnet mit dem Beitrag in der Frankfurter Rundschau »Runter von der Zuschauertribüne«, in dem er sich für eine Linksregierung gegen den Rechtsruck aussprach.
In eine ähnliche Richtung hatte auch Gregor Gysi in einem Interview im »Spiegel« argumentiert: DIE LINKE müsse »begreifen, dass wir alle verlieren werden, wenn es uns nicht gelingt, ein funktionierendes, überzeugendes, linkes Projekt gegen die Rechts-Entwicklung in Europa und in Deutschland auf die Beine zu stellen.« Die Dramatik der Lage unterstrich Gregor Gysi mit einem historischen Vergleich: »Vor 1933 war es ein Versagen von KPD und SPD, dass sie nicht mal im Ansatz Gemeinsamkeiten gegen die Nazis gefunden haben.«
Letzterem ist zuzustimmen: Es war das wohl größte historische Versagen von SPD und KPD, dass sie sich gegenseitig bekämpften anstatt gemeinsam die immer stärker werdenden Nazis. Dem lagen bei beiden Parteien falsche politische Theorien und Strategien zu Grunde. Die SPD verfolgte eine Politik des »kleineren Übels« und tolerierte das autoritäre Präsidialkabinett des Kanzlers Heinrich Brüning sowie dessen Politik des Sozialabbaus – in der Hoffnung durch dieses Bündnis und durch die Verteidigung der bürgerlichen Ordnung den Nazis den Weg an die Macht zu versperren. Indem die SPD Brünings Sozialkürzungen allerdings mittrug, demoralisierte sie ihre eigenen Anhängerinnen und Anhänger anstatt sie zum Widerstand gegen die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu mobilisieren. Die KPD hingegen stand zwar fest in Opposition zum Sozialabbau, bezeichnete aber – auch unter dem Einfluss des stalinistischen Moskaus – alle anderen Parteien als faschistisch: »Kampf gegen den Faschismus heißt Kampf gegen die SPD, genauso wie es Kampf gegen Hitler und die Brüningparteien heißt«, lautete die Parole der Parteiführung (Rote Fahne, 18.11.1931). Hinzu kam, dass die SPD auch keinerlei Bereitschaft zeigte, gemeinsame Bündnisse mit den Kommunisten zu machen. Dem Aufstieg der Nazis konnten auf diese Weise weder SPD noch KPD substanziell etwas entgegensetzen.
So richtig Gregor Gysis Kritik an dieser fatalen Bündnispolitik von KPD und SPD ist – sein anschließendes Plädoyer für eine rot-rot-grüne Regierung ist keine überzeugende Lehre aus dem historischen Versagen der linken Kräfte und eine Verkürzung der historischen Entwicklung vor 1933 auf den Akt der formalen Machtergreifung. Denn der Regierungsübernahme der Nazis 1933 war ein beispielloser Aufbau der faschistischen Bewegung auf der Straße in den Jahren zuvor vorausgegangen. Dies machte die gesellschaftliche Machtbasis der Nazis aus, die sie über ein Jahrzehnt lang auf dem Nährboden der massiven Verelendung infolge der Wirtschaftskrise aufbauen konnten.
Den Nazis die Straße konsequent und von Beginn an gemeinsam streitig zu machen und gleichzeitig entschlossen die soziale Verelendung zu bekämpfen – das wären die Voraussetzungen gewesen, um die Faschisten zu stoppen.

Der faschistischen Bewegung den Nährboden entziehen

Über die Bedeutung der sozialen Frage für die Zukunft Europas und den Kampf gegen rechts sind wir uns ohne Zweifel einig. Wenn Michael Brie und Axel Troost in ihren Beiträgen die Umrisse eines Programms für eine »wirklich linke Regierung« (Brie) skizzieren, dann ist ihnen in folgender Hinsicht zuzustimmen: ein Ende der Austeritätspolitik, die Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums, der Ausbau des Sozialstaats und ein umfassendes öffentliches Investitionsprogramm – das wären in der Tat diejenigen Stellschrauben, die zu drehen wären, um dem gesellschaftlichen Rechtstrend den Nährboden entziehen zu können und eine wirkliche Alternative zur herrschenden neoliberalen Politik in Deutschland und Europa.
Allerdings müssen wir doch reflektieren, dass es derzeit keinen Koalitionspartner für so ein linkes Regierungsprogramm gibt. SPD und Grüne stehen wirtschafts- und sozialpolitisch für einen größtenteils anderen, oft mit neoliberalen Argumentationsmustern versehenen Kurs: Der Austeritätspolitik in Europa und der fortgesetzten Erpressung Griechenlands hatten sie nichts entgegenzusetzen (und wollten es wohl auch nicht), die Verankerung der sogenannten Schuldenbremse wurde genauso wie die »Verschlankung« des Sozialstaats von Rot-Grün politisch vorangetrieben und sind nicht aus dem programmatischen Repertoire gestrichen. Und natürlich gibt es mit den größten Teilen ihrer außenpolitischen Orientierung (Waffenexporte und Auslandseinsätze) weitere gravierende Unvereinbarkeiten mit »wirklich linker Politik«. Aus unserer Sicht sind Wortmeldungen und Skizzen für ein linkes Regierungsprogramm derzeit eher als Appelle an SPD und Grüne zu verstehen denn als Grundlagen für eine realistische gemeinsame Handlungsoption.

Für eine ehrliche Auswertung linker Regierungsprojekte

Der Beitrag von Petra Sitte, Jan Korte u.a. beschreibt die Dynamik hinter dem Aufschwung der Rechten, und springt ebenfalls schnell zu der Schlussfolgerung: »Wer angesichts der Erfahrungen von Syriza, der portugiesischen Linken, von Podemos in Spanien oder r2g in Thüringen oder Brandenburg heute meint, dass es allemal besser sei, in Opposition zu verharren und auf gesellschaftliche Mehrheiten für was anderes zu warten, der ist heute nicht radikal links.« Eine starke Behauptung. Doch die Fakten stützen diese These aus unserer Sicht nicht: Leider ist es eben nicht automatisch so, dass Regierungen der Linken oder mit linker Beteiligung unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen der kriselnden Weltwirtschaft und des verschärften Konkurrenzkampfes ein sicheres Bollwerk gegen den Aufschwung der Rechten sind.
Gerade das Beispiel SYRIZA lesen wir ganz anders: Die griechische SYRIZA ist unter dem Diktat der Troika gezwungen worden, sich gegen die sozialen Interessen ihrer Anhängerinnen und Anhänger zu wenden – und muss nun Rentenkürzungen, Privatisierungen und unsoziale Steuererhöhungen umsetzen. Wenn wir uns aber einig sind in der Analyse, dass gerade so eine Kürzungspolitik mitverantwortlich für den Nährboden ist, auf dem rechte Hetze gedeihen und in weite Bevölkerungsteile vordringen kann, sollte man die schwierige Lage, vor der SYRIZA jetzt steht, nicht als erfolgreiche linke Strategie propagieren.
Auch andere Erfahrungen von (Mitte-)Linksregierungen müssen an dieser Stelle in die Debatte einfließen: für Italien muss zumindest diskutiert werden, ob es nicht auch auf das Konto einer falschen Strategie der Partito della Rifondazione Comunista ging, die in der Mitte-Links-Koalition unter Premierminister Prodi Rentenkürzungen und Stellenabbau bei gleichzeitiger Erhöhung der Militärausgaben und Zustimmung zu Auslandseinsätzen mittrug, dass nach dem Zerbrechen der Koalition der neoliberal-autoritäre Hardliner Silvio Berlusconi zurück an die Regierung kam und noch rechtere Formationen, wie die »Lega Nord« Aufwind bekamen.
Ebenso halten wir es für verkürzt, die Erfahrungen von Rot-Rot in Berlin auf das Beispiel »Rütli-Schule« zu reduzieren, wenn es etwa in dem Beitrag von Petra Sitte und Jan Korte heißt: »Im Übrigen hat die viel gescholtene rot-rote Regierung in Berlin (2001 bis 2011) gezeigt, was möglich ist, wenn es politisch gewollt wird. Die einst verrufene Rütli-Schule ist heute, als Gemeinschaftsschule, eine Art Vorzeigeschule«. Zu einer ehrlichen Bilanz von Rot-Rot in Berlin gehört allerdings auch zu benennen, dass leider auch etliche Weichenstellungen von viel größerer Tragweite in die falsche Richtung unter Mitwirkung der LINKEN unternommen wurden. Beispielsweise mit der Privatisierung der einst größten landeseigenen Wohnbaugesellschaft GSW oder mit der Tarifabsenkung im öffentlichen Dienst. Das heutige Staatsversagen in der Berliner Flüchtlingspolitik hat eine ihrer Ursachen auch im jahrzehntelangen Personalabbau im öffentlichen Dienst, der leider auch unter Rot-Rot forciert wurde.
Zugleich versucht sich die Rechte auch in neuen Themenfeldern als Opposition zu inszenieren, indem sie reale Unzulänglichkeiten aus der Regierungsbeteiligung ausnutzen. Ein Beispiel für diese Gefahr aus Brandenburg: Nach einem erfolgreichen Volksbegehren für ein Nachtflugverbot unterstützte die rot-rote-Regierung zwar dieses Anliegen, konnte sich damit aber gegenüber Berlin und dem Bund als Mitanteilseignern nicht durchsetzen. Die AfD hat das Thema dankbar aufgegriffen, warb massiv für ein Nachtflugverbot und versuchte so Kritik und Protest nach rechts zu wenden.
Einen Automatismus von Regierungen unter Mitwirkung der LINKEN und dem Eindämmen rechter Bewegungen gibt es nicht – auch in Thüringen und Brandenburg können Rot-Rot-Grün und Rot-Rot bisher den allgemeinen Trend nicht dämpfen: In beiden Ländern ist die AfD mobilisierungsstark und hat auch in den Umfragen seit dem Einzug in die Landtage nichts eingebüßt (Brandenburg 12 Prozent, Thüringen 13 Prozent) – ob in Thüringen, Bayern, Hamburg oder Sachsen – den rechten Vormarsch müssen wir vor allem auf der Straße stoppen!

Für ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen rechts

In seinem zweiten Beitrag vom 15. Januar »Wider eine düstere rechte Zukunft« plädiert Klaus Ernst vor dem Hintergrund der dramatischen Gefahren von rechts für ein breites gesellschaftliches Bündnis, auch jenseits der Frage von parlamentarischen Mehrheiten: »Wir brauchen ein Bündnis, das in seiner Breite in der Lage ist, diese Horrorvision von einer Zukunft zu verhindern. Auch wenn die Aussicht auf eine parlamentarische Mehrheit gegenwärtig gering ist. Vielleicht besteht sie aber für eine mächtige und echte Opposition, die auf Basis einer breiten zivilgesellschaftlichen Bewegung demokratische Grundwerte verteidigt. Oder wollen wir die Rolle der Kämpfer für die sozial Entrechteten und Deklassierten den verlogensten aller Akteure überlassen – wie es schon einmal eine Generation politischer Linker tat?«
Und auch Jan Korte umreißt in seinem zweiten Beitrag »Ein Wochenende im Winter« mögliche Konturen einer gesellschaftlichen Koalition gegen den Rechtsruck: Flüchtlingshelfer*innen, Kirchen, Wohlfahrtsverbände, Antirassistinnen und Antirassisten über Parteigrenzen hinweg. Diesen Plädoyers möchten wir uns anschließen – ein breites gesellschaftliches Bündnis, von den Gewerkschaften über die Religionsgemeinschaften bis hin zu Gruppierungen der radikalen Linken kann dem Aufstieg der extremen Rechten etwas entgegensetzen.
In den strategischen Fokus sollten wir dabei die AfD nehmen. Denn spätestens seitdem die neue Führung um Frauke Petry den vermeintlich wirtschaftsliberalen Flügel aus der Partei gedrängt hat, versucht sich die Partei als Sammelbecken der gesamten rechtsextremen Szene zu etablieren. Angeführt von Alexander Gauland setzt sich ein Flügel in der AfD durch, der bewusst die Türen für rassistische und faschistische Kräfte öffnet – so gab es bereits massenhafte Übertritte aus der rechtsextremen Partei »Die Freiheit« in die AfD. Und dieser Transformationsprozess schreitet in der gegenwärtigen polarisierten Diskussion um die Flüchtlingspolitik schnell voran, was nicht zuletzt daran liegt, dass mit Pegida und ihren Ablegern und den rassistischen Massenmobilisierungen eine Bewegung entstanden ist, die den faschistischen Kräften in der AfD den Boden bereitete. Im Zuge dieser rassistischen Bewegung verschieben sich nicht nur die internen Kräfteverhältnisse der AfD – in der ganzen Bundesrepublik werden Rechtsextreme zu Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte und muslimische Einrichtungen, gegen Migrantinnen und Migranten und Demokratinnen und Demokraten ermutigt.
Die AfD wird bis zur Bundestagswahl 2017 alles daran setzen, mit rassistischen Wahlkämpfen in die verschiedenen Parlamente einzuziehen. Um dies bei den kommenden Landtagswahlen, aber auch im Bund zu verhindern, bedarf es eines langen Atems und einer gemeinsamen Kraftanstrengung.
Nötig wäre eine breit getragene Kampagne, die mit Materialien, kulturellen Events, Veranstaltungen und Aktionen AfD & Co. den öffentlichen Raum streitig macht. Eine neue gesellschaftliche Linie muss gezogen werden zwischen dem demokratischen Spektrum und dem ausgreifenden faschistischen Kern der AfD. Es gilt, die AfD zu demaskieren und ihren rassistischen und antidemokratischen Kern offenzulegen.
Wenn gefordert wird, man solle die »Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst nehmen«, darf unsere Schlussfolgerung nicht sein, irgendwelche inhaltlichen oder rhetorischen Zugeständnisse an die Rechten zu machen – auch wenn uns das im Zweifel Prozentpunkte kosten sollte.
Die Rechten stoppt man nicht, indem man ihre Argumentationsfiguren übernimmt. Aufgabe der Linken (groß- und kleingeschrieben) ist es, Solidarität zu organisieren und gleichzeitig die sozialen Missstände scharf anzugreifen. Wir brauchen uns nicht hinter unseren Positionen zu verstecken: angesichts des gesellschaftlichen Reichtums kann es keine Obergrenze geben, denn die Verknappung ist »hausgemacht«.
Die Fehler von SPD und KPD der Weimarer Zeit sollte die LINKE in der Bündnispolitik nicht wiederholen: Wir sollten alles daran setzen, das Bündnis auf einer antirassistischen Grundlage so breit als möglich aufzustellen. Wenn wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, Grüne, Sozialverbände, Gewerkschaften, Glaubensgemeinschaften und andere für ein Bündnis gegen rechts gewinnen wollen, dürfen wir keine zusätzlichen politischen Bedingungen stellen – wie etwa die Ablehnung von Auslandseinsätzen oder von Abschiebungen. Solche Vorbedingungen würden jede Breite im Keim ersticken und uns auf uns selbst zurückwerfen. Doch es gilt genauso, falsche politische Weichenstellungen, ob in der Sozial-, Wirtschafts-, Flüchtlings- oder Außenpolitik zu kritisieren, politisch zu bekämpfen und Alternativen zu präsentieren – Hoffnungen auf mögliche oder tatsächliche Regierungskoalitionen dürfen uns davon nicht abhalten.
Wir stehen vor der doppelten Herausforderung, dem Aufbau der Rechten durch breite Koalitionen entgegenzutreten und zugleich als sozialistische Kraft gegen die systembedingten Verheerungen des Kapitalismus wirksam zu werden. Anstelle der Orientierung auf künftige Regierungsbeteiligungen sollten wir alles daran setzen, heute gesellschaftliche Gegenmacht zu mobilisieren.
Zur Person:
Nicole Gohlke, Christine Buchholz und Hubertus Zdebel sind Bundestagsabgeordnete der Linkspartei.

]]>