AfD im Bundestag – Christine Buchholz https://christinebuchholz.de Thu, 29 Aug 2019 08:42:34 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.0.12 Grenzen für Flüchtlinge öffnen und für Waffen schließen https://christinebuchholz.de/2018/03/31/grenzen-fuer-fluechtlinge-oeffnen-und-fuer-waffen-schliessen/ Sat, 31 Mar 2018 10:55:04 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6788 Meine Rede auf dem Ostermarsch Aschaffenburg am 31. März 2018.

Liebe Freundinnen und Freunde!
Wir demonstrieren hier heute gegen eine Weltordnung, in der Krieg – und die Androhung von Krieg alltäglich sind.
Blicken wir in den Nahen und Mittleren Osten. Die türkische Armee ist nach Syrien vorgerückt, um die kurdische Selbstbestimmung im Kanton Afrin zu zerstören.
Nun will der türkische Präsident Erdogan den Krieg fortsetzen. Und er plant, in den eroberten Gebieten einen Bevölkerungsaustausch durchsetzen.
Große Teile der dort ansässigen kurdischen Bevölkerung droht die dauerhafte Vertreibung.

Und was macht die Bundesregierung?
Seit Merkel Kanzlerin ist, lieferte Deutschland über 350 Kampfpanzer vom Typ Leopard-2 an die Türkei. Und es sind genau diese Panzer, die nun in Afrin das Ende der kurdischen Selbstbestimmung besiegelt haben. Seit Beginn der Offensive in Afrin hat die Bundesregierung Ausfuhrgenehmigungen im Wert von 4,4 Mio Euro erteilt.
Kanzlerin Merkel und ihre Regierungen: Sie sind mitschuldig an den Verbrechen, die gegen Kundinnen und Kurden verübt werden! Doch nicht nur in Afrin wird gekämpft. Weiter im Süden des Landes legt das Assad-Regime zusammen mit seinen russischen Verbündeten die östlichen Vororte von Damaskus in Schutt und Asche. Gezielt wurden Wohngebiete, Behelfskrankenhäuser und Zivilschutzkeller angegriffen. Das Assad-Regime verübt Kriegsverbrechen. Doch der Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes, BND-Präsident Bruno Kahl, sprach sich vor kurzem für die geheimdienstliche Zusammenarbeit mit eben diesem Assad-Regime aus. Gab es einen Aufschrei in den Medien? Nein. Stattdessen wurde Kahl von Politikern aus CDU/CSU, SPD, FDP und AfD unterstützt.

Ich sage: Weder Erdogan, noch Assad sind Partner. Sie sind Kriegsverbrecher, die man nicht unterstützen und mit denen man nicht zusammenarbeiten darf.
Und vergessen wir nicht:
Die Bundeswehr ist Teil der US-geführten Kriegskoalition im Mittleren Osten.
Seit 2014 haben die USA und ihre Verbündeten über 105.000 Bomben und Raketen auf Ziele in Syrien und Irak abgefeuert.
Die deutsche Luftwaffe unterstützt dies. Sie fliegt vom jordanischen Stützpunkt Al-Asraq sogenannte Aufklärungsflüge. Das heißt, sie liefert Zielbilder für Angriffe. Außerdem betankt sie Bomber in der Luft. Unzählige Zivilisten fielen diesen Bombardements zum Opfer. So zum Beispiel vor einem Jahr in dem syrischen Dorf Al-Mansura. Dort traf ein Angriff der US-geführten Koalition ein Schulgebäude traf. Die Zielbilder dafür lieferte die Bundeswehr. Erst sprach die Bundesregierung von 33 Toten. Tatsächlich starben in den Trümmern etwa 200 Zivilisten – es waren Binnenvertriebene aus Syrien, darunter viele Mütter mit ihren Kindern. Ich sage: Damit war die Bundeswehr an einem Kriegsverbrechen beteiligt! Ein Kriegsverbrechen wie 2009 im afghanischen Kundus, als ein Bundeswehroffizier einen Angriff befahl, bei dem über 100 Zivilisten starben. Es ist Zeit, die Lehren aus diesen Verbrechen zu ziehen. Die Bundeswehr hat nichts in Afghanistan verloren. Und sie hat auch nichts im Nahen und Mittleren Osten verloren. Die Bundeswehr muss aus allen Auslandseinsätzen zurückgezogen werden!

Doch leider lernen die Regierungsparteien rein gar nichts. Seit die neue GroKo gebildet worden ist, geht die Politik weiter stramm in die falsche Richtung.
Erste Maßnahme war die Aufstockung der Einsätze in Afghanistan und Mali. Der Einsatz im Irak wird erweitert. Nun sollen auch noch Soldaten des korrupten Regimes in Bagdad ausgebildet werden. Mit welchem Ziel? In Afghanistan ist die Bundeswehr seit 2002 im Krieg. Doch der Einsatz nimmt kein Ende. Internationale Militäreinsätze – das ist die Lehre – lösen keinen einzigen der vielen lokalen Konflikte. Aber sie verschärfen viele. Es geht nicht um Frieden, sondern um die Interessen des deutschen Kapitals und darum, das politische Gewicht Deutschlands in der so genannten internationalen Gemeinschaft zu erhöhen, um die Interessen des deutschen Kapitals durchzusetzen.

 

Das alles kostet viel Geld.
Wir hören und lesen überall über die angeblichen Mängel der Bundeswehr.
Aber: es sind sowohl die vielen Auslandseinsätze der Bundeswehr – derzeit sind es fünfzehn – als auch die zahlreichen Manöver gegen Russland sowie die NATO-Stationierung, z.B. in Litauen, aufgrund derer die Bundeswehr überdehnt ist. Die Lösung wäre ganz einfach: Einfach die Einsätze reduzieren oder besser ganz beenden!
Doch anstatt die Einsätze herunterzufahren, kennen die Ursula von der Leyen und die Große Koalition nur eine Marschroute: Immer mehr Aufrüstung für immer mehr Einsätze. Die „Agenda Rüstung“, die Ministerin von der Leyen 2016 aufgelegt hat, sieht nicht weniger als 1600 Aufrüstungs- und Modernisierungsvorhaben vor.
1600! Die gesamte Agenda Rüstung soll 130 Milliarden Euro kosten. Wohlgemerkt: Das sind zusätzliche Investitionen, neben dem laufenden Geschäft. Und wir wissen: Auch diese Berechnung ist nur vorläufig. Die Kosten für laufende Projekte steigern sich Jahr für Jahr für Jahr! Und wer macht den Profit? Die Rüstungsindustrie. Wir fordern die Konversion, das heißt die Umstellung der Rüstungsbetriebe auf zivile Produktion. Schwerter zu Pflugscharen – das bleibt unsere Devise! Auch vom Rüstungsexport profitieren die Konzerne. Es zählt der Profit und nicht die Menschenrechte. Im Sondierungspapier zwischen SPD und CDU/CSU hieß es noch, es werde keine Exporte mehr an Länder geben, die am Jemenkrieg beteiligt sind. Einen Monat später, in der Koalitionsvereinbarung, hieß es dann abgeschwächt: Es wird keine Rüstungsexporte an Länder mehr geben, die am Jemenkrieg „unmittelbar“ beteiligt sind. Was immer auch „unmittelbar“ heißt!

 

Und was macht die Bundesregierung letzte Woche?
Sie genehmigt die Lieferung von bewaffnungsfähigen Patrouillenbooten an Saudi-Arabien! Ist Saudi-Arabien etwa nicht „unmittelbar“ am Jemenkrieg beteiligt?
Nein, Saudi-Arabien ist dort der Hauptkriegstreiber! Außerdem hat Saudi-Arabien gegen jemenitische Häfen eine Hungerblockade verhängt. Die deutschen Patrouillenboote aber sind geeignet, genau diese Blockade weiter durchzusetzen. Wer Patrouillenboote liefert, die die Lieferung von dringend benötigten Nahrungsmitteln und Medikamenten unterbindet, betreibt nichts anderes als Beihilfe zu Kriegsverbrechen! Diese GroKo ist noch kein Monat im Amt und bricht schon die wenigen dürftigen Versprechungen, die sie gemacht hat. Was für ein Armutszeugnis!

 

Diese Regierung steht für: Krieg, Rüstungsexporte, Aufrüstung.
Und dann verbreitet sie die Lüge, dass an der Bundeswehr gespart worden sei.
Tatsache ist: von 1999 bis 2017 stieg der Militärhaushalt von umgerechnet 24 auf über 37 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von mehr als 50 %.
In den nächsten vier Jahren kommen in Summe 15 Milliarden dazu.
Und dann hat sich die Bundesregierung auch noch mit EU-Staaten auf einen zusätzlichen europäischen Militärhaushalt verständigt.
Diese Aufrüstung muss aufhören! Abrüstung ist das Gebot der Stunde!
Jede Rüstungsmaßnahme wird mit dem Schutz von Soldaten gerechtfertigt. Jeder Auslandseinsatz wird als Maßnahme zur Schaffung von Frieden oder „Stabilität“ gerechtfertigt.
Unter dem Strich sehen wir: all das ist Teil eines Rüstungswettlaufes, der Deutschland, Europa und die Welt immer unsicherer macht.
Auch die Rivalität zwischen den Nuklearmächten USA, Russland und China wächst.
Es ist nicht nur die Linke, die das sagt. Ich zitiere Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, auf der sich erst im Februar die Herrschenden der Welt und ihre sogenannten Verteidigungs- und Sicherheitsexperten trafen. Ischinger meint, Zitat:
“Wir haben noch nie seit dem Ende der Sowjetunion eine so hohe Gefahr auch einer militärischen Konfrontation von Großmächten gehabt.“
Die Gefahr eines internationalen Krieges zwischen den Großmächten oder sogar eines Atomkrieges ist real.
Und sagen wir deutlich, wer die größte Gefahr darstellt: Es ist der Präsident der NATO-Vormacht USA, es ist Donald Trump. In unverantwortlicher Weise droht er das Abkommen mit Iran aufzukündigen, verstärkt den Drohnenkrieg gegen Pakistan und drohte Nord-Korea mit – Zitat – „der völligen Zerstörung“.
All das ist Grund genug und endlich aus der NATO auszusteigen. Die Nato bringt keinen Frieden. Sie bedroht den Frieden.
Als erste Schritte muss Deutschland die US-Standorte wie in Ramstein schließen, um nicht mehr Teil des US-Drohnenkrieges zu sein.
Auch die US-Atomwaffen aus Büchel müssen umgehend abgezogen werden!
Dieses Jahr gibt es viel zu tun.
Wir werden demonstrieren, in Büchel und wenn die NATO im Sommer zu ihrer nächsten Tagung zusammenkommen in Brüssel zusammenkommt !
Eins ist mir Wicht: ein militarisiertes Europa, wie es auch die große Koalition will, ist keine Antwort. Genauso wenig wie mehr deutscher Militarismus. Unser Kampf für Frieden ist auch ein Kampf gegen Rassismus und Nationalismus.
Es ist doch kein Zufall, dass es dieselben sind, die am lautesten die Abschiebung von Flüchtlingen in Kriegsgebiete fordern, und zugleich den deutschen Militarismus der Vergangenheit wieder salonfähig machen wollen.
Ich rede von Alexander Gauland, dem Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag.
Gauland forderte im letzten Sommer:
Wir sollten stolz darauf sein, was deutsche Soldaten in beiden Weltkriegen getan hätten.
Nein! Wir sind nicht stolz auf Angriffskriege. Wir sind nicht stolz auf die Verstrickung in den Vernichtungskrieg der Nazis.
Die Lehre des zweiten Weltkriegs lautet: Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!
Was wir dieses Jahr brauchen, sind deshalb erstens: Proteste gegen Krieg
Und zweitens: Proteste gegen die nationalistischen und rassistischen Hetzer der AfD.
Hier in Bayern wird in Augsburg der AfD-Parteitag am 30. Juni stattfinden. Lasst uns die Gegendemonstration so stark machen, wie wir können!
Der Rassismus der AfD gegen Geflüchtete und Muslime allein ist Grund genug, aber es gibt dafür auch antimilitaristische Gründe. Gerade in Bayern.
Bevor der Oberst der Reserve Gerold Otten für die bayerische AfD in den Bundestag zog, war er – man höre und staune – bei Airbus Defence and Space als „Eurofighter Sales Director“ tätig.
Noch vor einem Jahr hat er als leitender Angestellter des größten deutschen Rüstungsunternehmens persönlichen Nutzen aus dem Export dieser Kriegsflugzeuge gezogen.
Im Wahlkampf meinte er gleichzeitig, man müsse – Zitat – „auf Staaten, die abgelehnte Asylbewerber aus ihrem Land nicht zurücknehmen wollen, Druck auszuüben“.
Wen wundert es, dass die AfD, In der sich Rassisten, Nationalisten und vormaligen Vertreter der Rüstungsindustrie tummeln, ein vehemente Fürsprecherin für Aufrüstung ist?!
Abschließend möchte ich betonen: Solidarität ist unsere Alternative. Solidarität mit Menschen, die Opfer der Kriege werden, die auch Deutschland mitführt und mit finanziert.
Erst diese Woche gab es erneut eine Sammelabschiebung nach Afghanistan.
Wie können Politiker der regierenden Parteien die Aufstockung der Bundeswehr in Afghanistan beschließen, mit der Begründung, das Land sei zu unsicher.
Aber dann wenige Tage später eine Sammelabschiebung nach Afghanistan mit der Begründung durchführen, das Land sei dafür sicher genug!?
Es ist eine Schande!
Die Bundesregierung kann keine detaillierte Einschätzung über die Sicherheitslage geben. Aber die Schreibtischtäter in den Ministerien lassen abschieben.
Die UNO hat neue Zahlen veröffentlicht:
Mehr als 100.000 afghanische Binnenflüchtlinge und Rückkehrer aus Pakistan leben derzeit unter freiem Himmel oder in Zelten.
Mindestens 700.000 Menschen haben keinen Zugang zu Bildung. Fast zwei Millionen Afghanen können keinen Arzt aufsuchen. Und fast jede Woche explodieren in Kabul und anderen Orten in Afghanistan Bomben.
Doch Verteidigungsministerin von der Leyen und Außenminister Maas behaupten, die Lage in Afghanistan verbessere sich langsam!
Das sind Lügen! Lügen, um ihren Endloskrieg zu rechtfertigen. Lügen, um ihre unmenschlichen Abschiebungen zu rechtfertigen!
Und jetzt werden noch Überlegen laut, ob es nicht sichere Regionen in Syrien gebe, um dahin abzuschieben. Es ist kein Zufall, dass die Innenminister von Bayern uns Sachsen das fordern.
Afghanistan ist nicht sicher und Syrien ist nicht sicher. Es darf keine Abschiebungen geben!
Lasst mich zum Schluss nochmal zusammenfassen:
Für den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, Mali, Irak und allen anderen Einsatzgebieten.
Für Abrüstung, statt Aufrüstung.
Für ein Ende aller Waffen- und Rüstungsexporte.
Für ein Ende aller Abschiebungen.
Grenzen auf für Flüchtlinge – Grenzen auf für Waffen!
Unsere Antwort heißt Solidarität. Solidarität mit all jenen, die gegen Krieg, Nationalismus und Repression und für Gerechtigkeit kämpfen. Überall auf der Welt. Für eine andere Welt!
Vielen Dank!

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AfD-Burkaverbot ist rassistische Scheindebatte https://christinebuchholz.de/2018/02/22/afd-burkaverbot-ist-rassistische-scheindebatte/ Thu, 22 Feb 2018 12:40:16 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6740 Die AfD führt eine Scheindebatte, denn ein Vollverschleierungsverbot im öffentlichen Raum verstieße gegen das Grundgesetz. Es geht der frauenfeindlichen Partei AfD nicht um weibliche Selbstbestimmung. Sie will weiter rassistische Vorurteile gegen den Islam und Muslime verbreiten. Leider befeuern auch CDU/CSU diese Scheindebatte. DIE LINKE steht gegen den Zwang zu religiöser Bekleidung, ebenso wie gegen den Zwang, sie abzulegen.

Christine Buchholz (DIE LINKE):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren!
Die AfD fordern nun also ein Verbot der Vollverschleierung im öffentlichen Raum. Lassen Sie mich es vorneweg sagen: Wir lehnen den Zwang, eine religiöse Bekleidung zu tragen, wie den Zwang, sie abzulegen, ab.
(Beifall bei der LINKEN)
Die Abgeordneten der AfD wissen höchstwahrscheinlich, dass das Verbot gegen Artikel 4 des Grundgesetzes verstieße. Der vorliegende Antrag der AfD ist damit für den Papierkorb. Wieder eröffnet die AfD eine rassistische Scheindebatte.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der AfD)
Eines ist klar: Es geht der AfD weder um die betroffenen Frauen noch um weibliche Selbstbestimmung.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Das Programm der AfD ist frauenfeindlich.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sie will das Antidiskriminierungsgesetz abschaffen und Geschlechterquoten streichen. Sie ist sogar gegen Aktionen für gleichen Lohn für gleiche Arbeit wie den Equal Pay Day. Auch zahlreiche Abgeordnete sind schon durch frauenfeindliche Äußerungen aufgefallen; Herr Boehringer ist da nicht alleine. (Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Schauen Sie einmal die sexistischen Hasskommentare Ihrer Anhänger an. Das ist einfach nur widerlich. (Beifall bei der LINKEN und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der AfD)
Den Frauen, die gegen ihren Willen Burka oder Nikab tragen, hilft das Verbot überhaupt nicht.
Vizepräsident Wolfgang Kubicki:
Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Brandner, AfD?
Christine Buchholz (DIE LINKE):
Nein, die haben genug Redezeit. – Die AfD will offenbar, dass Frauen, die gegen ihren Willen Burka oder Nikab tragen, nicht einmal das Haus verlassen können, um sich öffentlich zu bewegen, einen Arzt zu besuchen, an einem Elternabend teilzunehmen oder um Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es ist absolut lächerlich, dass sich die AfD zur Anwältin der weiblichen Selbstbestimmung aufspielt.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Lachen der Abg. Dr. Alice Weidel (AfD))
Worum geht es der AfD also? Es geht darum, weiter rassistische Vorurteile gegen Muslime und den Islam zu verbreiten. Die AfD behauptet, unter Muslimen würde ohne Verbot der Vollverschleierung ein Gruppendruck zur Vollverschleierung entstehen.
(Zuruf von der AfD: Ja, so ist es!)
Hier entsteht vor Ihrem geistigen Auge das Bild einer „kulturellen Landnahme“, das eben auch Herr Curio bemüht hat. (Dr. Bernd Baumann (AfD): Genau!)
Das ist absoluter Bullshit.
(Beifall bei der LINKEN)
Die übergroße Mehrheit der muslimischen Frauen in Deutschland ist nicht vollverschleiert und sieht die Vollverschleierung als nicht geboten an. Das weiß übrigens auch jeder, der mit muslimischen Frauen spricht, anstatt sie zu verfolgen.
(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der AfD: Wir verfolgen sie doch nicht!)
Die AfD stellt hier eine Behauptung auf, die nichts mit der Realität zu tun hat, sondern ausschließlich ihrer rassistischen Paranoia entspringt.
(Beifall bei der LINKEN – Lachen der Abg. Dr. Alice Weidel (AfD) – Dr. Alice Weidel (AfD): “Rassistische Paranoia”!)
Die AfD schreibt in ihren Antrag, dass der Islam an sich unverschleierte Frauen als ehrlos markiere. Auch das ist eine reine Behauptung, die durch nichts belegt ist.
In Wirklichkeit nehmen hier in Deutschland Hass und Gewalt gegen Muslime zu, vor allem gegen muslimische Frauen. Gerade vor zwei Tagen wurde eine Frau in einem Berliner Supermarkt verletzt, als ihr gewaltsam der Schleier vom Kopf gerissen wurde. Das ist das Resultat Ihrer Hetze, meine Damen und Herren von der AfD.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Aber auch die CDU/CSU befördert diese Scheindebatte seit Jahren, wenn sie immer wieder über das Thema Burka redet. Herr Mayer hat das eben noch einmal vorexerziert. Leider geht auch der vorliegende Koalitionsvertrag der AfD auf den Leim, wenn in ihm ein Vollverschleierungsverbot in Gerichten angekündigt wird; denn hier gibt es ausreichend Regelungen.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Die Linke fordert Hilfe und Unterstützung für alle Frauen, denen Zwang angetan wird, ob dieser Zwang nun religiös begründet wird oder nicht. Wir stehen an der Seite aller Frauen, die sich gegen ihre Unterdrückung und für ihre Rechte einsetzen. Was diese Frauen am allerwenigsten brauchen, ist der vorliegende Antrag der AfD.
(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

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Wider die Normalisierung! https://christinebuchholz.de/2017/09/29/wider-die-normalisierung/ Fri, 29 Sep 2017 12:27:39 +0000 http://christinebuchholz.de/?p=6610 Für eine klare politische und organisatorische Abgrenzung zur AfD im Bundestag. Gastbeitrag für das Neue Deutschland:
Mit der AfD sind erstmals seit mehreren Jahrzehnten Nazis in den deutschen Bundestag eingezogen. Eine Debatte über den Umgang mit ihnen ist entbrannt. Der Parteivorstand der LINKEN hat auf seiner Sitzung am 25. September 2017 seinen Grundsatzbeschluss vom Februar 2016 bekräftigt. Darin macht Die LINKE klar, dass sie auf allen Ebenen einer »Normalisierung« der AfD entgegenwirkt:
»Wir betreiben eine klare politische und organisatorische Abgrenzung gegenüber der AfD. Wir werden z. B. in Parlamenten (…) keine gemeinsamen Anträge einreichen, wir werden konsequent gegen Anträge der AfD stimmen, keine gemeinsamen Erklärungen abgeben, keine Unterstützung in Personalangelegenheiten gewähren oder annehmen. Dort, wo jedoch der Kern parlamentarisch-demokratischer Arbeit durch eine strikte Abgrenzung zur AfD blockiert werden würde, sind zu begründende Ausnahmen denkbar, wenn sie a. zur Aufrechterhaltung der Arbeit des Parlamentes nötig und b. nicht zu einer Stärkung der AfD führen. Wir werden für einen Kurs der strikten Abgrenzung, der im Idealfall in einer politischen Isolierung der AfD endet, bei anderen Fraktionen, Parteien, Stiftungen, Organisationen und in der Öffentlichkeit werben.«
Die AfD hat im Wahlkampf auf Wahlplakaten und in Reden Nazi-Parolen verbreitet. Sie hat mit NPD, Pegida-Ablegern und Neonazis Wahlkampfauftritte von Angela Merkel genutzt, um am Rand hasserfüllte, rassistisch motivierte Gegenkundgebungen zu organisieren. Sie hat damit an eine Reihe gemeinsamer Mobilisierungen mit Pegida angeknüpft. Die AfD ermutigt mit ihrer Hetze rechte Gewalt. Sie vergiftet das gesellschaftliche Klima. Sie lehnt die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit für Muslime ab. Sie ist völkisch-national, rassistisch, frauenfeindlich, homophob, unsozial und undemokratisch. Ihr Spitzenkandidat Alexander Gauland bekannte sich im Wahlkampf dazu, »stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen«. Er drohte damit, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özogus »in Anatolien zu entsorgen«.
AfD-Vizepräsidenten verhindern
Innerhalb der AfD ist seit der faktischen Entmachtung von Frauke Petry im April 2017 der Neonazi-Flügel um Björn Höcke und André Poggenburg immer stärker geworden. Dieser Flügel setzt auf Straßenmobilisierungen und offene Zusammenarbeit mit Pegida, NPD und Identitäre. Er kann sich auf die Unterstützung von Alexander Gauland und Jörg Meuthen verlassen.
Viele Medien verharmlosen die Partei als national-konservativ. Doch angesichts des Einzugs von Nazis in den Bundestag darf es kein »Business as usual« geben. Was wir brauchen, ist ein starkes antifaschistisches Zeichen an die Gesellschaft, das Menschen ermutigt, gegen die AfD zu argumentieren und zu protestieren. Denn nur eine breite Massenbewegung kann die AfD stoppen.
Wenn die AfD einen Vizepräsident im Bundestag stellen kann, dann wird sie das als Erfolg darstellen. Ihr wird damit bescheinigt, dass sie eine vermeintlich normale Partei ist. Dies trägt zu einer gefährlichen Gewöhnung an diese Partei bei. Deshalb ist es richtig, wenn die Abgeordneten der Partei Die LINKE »Nein« zu einem Vizepräsidenten der AfD im Bundestag sagen. Wir fordern die anderen Parteien auf, gemeinsam mit uns einen Vizepräsidenten der AfD zu verhindern. Das gilt sowohl für Albrecht Glaser, der dem Islam abspricht, kompatibel mit dem Grundgesetz zu sein und Religionsfreiheit für Muslime einschränken will, wie auch für alle anderen Mitglieder der AfD-Fraktion.
Auch Personalvorschläge der AfD zur Besetzung anderer hervorgehobener Positionen im Bundestag lehnen wir ab. Wir begründen diese prinzipielle Haltung damit, dass es sich bei der AfD nicht um eine demokratische Partei wie alle anderen handelt, sondern um eine rassistische, undemokratische Partei, deren Bundestagsfraktion von Neofaschisten dominiert wird. Eine grundsätzliche Ablehnung macht es möglich, öffentlichkeitswirksam über den Charakter der AfD aufzuklären.
Historische Vorbilder
Die LINKE befindet sich damit in der Tradition der Sozialdemokratie von August Bebel und Wilhelm Liebknecht. In den 1880er Jahren hat die SPD alle Angebote der konservativ-antisemitischen Christlichen Sozialen Partei des Hofpredigers Stöcker auf eine Zusammenarbeit im Reichstag standhaft abgelehnt, selbst wenn es um die Durchsetzung von Sozialreformen ging. Grundlage war ein offener Brief von August Bebel und Wilhelm Liebknecht, in dem es hieß: »Wir lehnen es ab, mit Parteien gemeinsame Sache zu machen, die in ihren Bestrebungen reaktionär und deshalb arbeiterfeindlich sind.«
Die konsequente Abweisung der Stöcker-Partei war nicht immer einfach, aber sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass die sozialdemokratische Wählerschaft nicht den Antisemiten auf den Leim ging. Der Stöcker-Partei gelang es nicht, wesentliche Teile der Arbeiterklasse auf ihre Seite zu ziehen.
Gegen eine solche eindeutige Haltung werden verschiedene Gegenargumente vorgebracht.

Gegenargument 1: »Die AfD ist demokratisch gewählt, also hat sie auch Rechte.«

Die Abgeordneten der AfD wurden gewählt. Dies ändert nichts daran, dass sie eine Gefahr für die Demokratie darstellen und ihrerseits die demokratischen Rechte von Minderheiten bedrohen. Insofern ist es legitim, die AfD-Kandidaten im Bundestag nicht in Ämter zu wählen. Niemand kann die demokratisch gesinnten Abgeordneten des Bundestags zwingen, die antidemokratischen Kandidatinnen oder Kandidaten der AfD zu unterstützen.
Die Gefahr, die von ihr ausgeht, ist nicht zu unterschätzen: Das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung hat vor der Wahl eine Untersuchung über alle 235 Kandidaten der AfD zum Bundestag veröffentlicht. Sie rechnete 40 zu den Unterstützern von Frauke Petry und 97 zu den »Unauffälligen«. 98 Kandidaten ordnet sie dem Höcke-Flügel zu. Im Bericht heißt es: »Allerdings finden sich vor allem auf den aussichtsreichen vorderen Listenplätzen viele Anhänger Höckes und Personen mit Verbindungen in die extreme Rechte. (..) . Damit wären die Rechtsaußen in der AfD-Fraktion in der Mehrheit.« Es ist ihre politische Unterlegenheit, die Frauke Petry zu ihrer Ankündigung trieb, nicht in die AfD-Fraktion im Bundestag ein- und aus der AfD auszutreten. Sie kapituliert vor der Stärke des Nazi-Flügels.
Vertreterinnen und Vertreter des nationalkonservativen Flügels wie Alice Weidel und Beatrix von Storch sind selbst völkisch und rassistisch. Alice Weidel hetzt gegen Geflüchtete und Muslime. Von ihr wurde eine Hassmail im »Reichsbürger«-Jargon bekannt. Beatrix von Storch forderte den Schießbefehl gegen Geflüchtete an der Grenze und bezeichnete den Islam als »Fremdkörper«. Auch diese AfD-Vertreterinnen sind nicht wählbar. Enthaltung ist keine Alternative, da es uns als mutlos erscheinen lassen würde.

Gegenargument 2: »Die Grünen und die LINKE sind doch auch mal ausgegrenzt worden, warum wollt ihr jetzt die ausgrenzen?«

Die Grünen wurden in den 1980er Jahren ausgegrenzt. Erst seit 1994 darf jede Fraktion einen Vizepräsidenten vorschlagen, der von den anderen in der Regel gewählt wird und nicht abwählbar ist. Im Jahr 2005 wurde zum ersten und letzten Mal ein Vorschlag einer Fraktion nicht gewählt: Lothar Bisky, Fraktion die LINKE. Die Ausgrenzung der Grünen und später der LINKEN war falsch, denn beide sind demokratische Parteien.
Anders verhält es sich mit der AfD. Es wäre naiv, zu glauben, wenn die anderen Fraktionen »fair« mit den Abgeordneten der AfD umgehen würden, würde die AfD ihrerseits einen »fairen« Umgang mit uns pflegen. Sie kündigt das Gegenteil offen an: Der AfD-Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier, einst Mitglied der rechten, gewalttätigen »German-Defense-League«, später Pressesprecher von Frauke Petry und nun von Alice Weidel, rief in Erfurt 4.000 AfD-Anhängern zu: »Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht.«

Gegenargument 3: »So stilisiert man die AfD zum Opfer der etablierten Parteien«

Die AfD stilisiert sich stets zum Opfer. Tatsächlich macht sie andere zum Opfer. Sie hetzen gegen Geflüchtete, Muslime und Andersdenkende. Sie hat direkte Verbindungen in die gewaltbereite Nazi-Szene. So kam unlängst heraus, dass Maximilian T. – dem vorgeworfen wird, neben Franco A. Teil der in diesem Jahr aufgeflogenen Terrorzelle in der Bundeswehr zu sein – AfD-Mitglied ist. Sie stehen unter Verdacht, eine Todesliste erstellt, 1000 Schuss Munition beiseite geschafft und Anschläge gegen politische Gegner vorbereitet zu haben, die sie Flüchtlingen in die Schuhe schieben wollten.
Wenn die Fraktionen im Bundestag sich von der AfD abgrenzen und keinen AfD-Politiker zum Vizepräsidenten wählen, machen sie die AfD nicht zum Opfer, sondern schwächen sie. Für die harten AfD-Anhänger mag das eine Bestätigung ihrer Selbstwahrnehmung als Opfer sein, für ein weiteres Ausgreifen in die Bevölkerung ist die öffentliche Ächtung als Nazi-Partei oder Halb-Nazi-Partei für die AfD ein großes Problem.
Vorbild ist das Landesparlament in Schleswig-Holstein. Dort wird gegenüber der AfD der »Schweriner Weg« verfolgt. Dabei handelt sich um das Modell, das im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern von allen demokratischen Parteien jahrelang gegenüber der NPD-Fraktion Anwendung fand. Diese Linie ging in Schleswig-Holstein in diesem Jahr einher mit zahlreichen außerparlamentarischen Aktivitäten gegen die AfD im Landes- und Bundestagswahlkampf, getragen von Gewerkschaften und dem Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus«. Diese Ausgrenzung hat der AfD nicht genutzt. Im Gegenteil: Schleswig-Holstein ist das Bundesland, wo die AfD bei der Bundestagswahl mit 8,2 Prozent das schlechteste Ergebnis in einem Flächenland geholt hat.

Soziale Kämpfe und Proteste gegen Rechts aufbauen

Die LINKE muss neben der Isolierung der AfD im Parlament klare Kante gegen den Rassismus der AfD zeigen. Sie sollte außerparlamentarische Mobilisierungen gegen die AfD weiterhin aktiv unterstützen, mit dem Ziel eine antifaschistische und antirassistische Massenbewegung aufzubauen. So kann das Klima in der Gesellschaft nach links verschoben, über den Charakter der AfD aufgeklärt und im Bündnis mit den von Rassismus und Sexismus betroffenen Menschen die Ausdehnung der AfD als »Bewegungspartei« verhindert werden.
Es ist die Geschichte, die uns lehrt, wie wichtig diese entschlossene Gegenmobilisierung ist. Auf dem Parteitag der NSDAP 1933 sagte Hitler über den Aufstieg der Nazis: »Allmählich entstand im Staat der Demokratie der Staat der Autorität, […] ein Kern fanatischer Hingebung und rücksichtsloser Entschlossenheit. Eine einzige Gefahr konnte es gegen dies Entwicklung geben: Wenn der Gegner […] mit letzter Brutalität am ersten Tag den ersten Keime der neuen Sammlung vernichtete.«
Der Geschichtslehrer Höcke knüpft bewusst an die Tradition faschistischer Bewegungen in den 20er und 30er Jahren an. Er steht als exponiertester Vertreter in der AfD für einen Aufbau über regelmäßige Massenkundgebungen und Mobilisierungen. Die AfD bezeichnete Höcke als »letzte friedliche Chance für unser Vaterland« – eine implizite Androhung von Gewalt und Bürgerkrieg, sollte sie nicht über das Parlament an die Macht gelangen.
Höcke kann durch Gegendruck gestoppt, und die inneren Widersprüche innerhalb der AfD verstärkt werden. Dies zeigen erfolgreichen Aufklärungs- und Protestkampagne wie zum Beispiel in Berlin-Neukölln. Dort hat ein breites Bündnis systematisch gegen den neofaschistischen AfD-Kandidaten zum Bundestag, Andreas Wild, mobilisiert. Zunächst reagierte der Neuköllner Stadtrat der AfD auf den Druck und trat mit Hinweis auf Andreas Wild aus der Partei aus. Wild wurde in der Folge zu einer so großen Belastung für die AfD-Neukölln, dass sie ihn in letzter Sekunde als Kandidaten zurückzog. Schließlich wurde er sogar aus der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ausgeschlossen. Die AfD ging in Neukölln zerstritten in den Wahlkampf und verlor im Vergleich zur Abgeordnetenhauswahl 2016 mehr als 1600 Stimmen und 2,7 Prozent.
In Münster, wo 10.000 Menschen gegen den Auftritt von Frauke Petry und Pretzell demonstriert hatten, landete die AfD bei den Landtags- und Bundestagswahlen ebenfalls unter der 5 Prozent-Marke. In Köln schnitt die AfD bei den Landtags- und Bundestagswahlen unterdurchschnittlich ab, nachdem in der Stadt im April 30.000 gegen den Bundesparteitag der AfD demonstrierten. In Münster und Köln haben neben der LINKEN auch Gewerkschaften, Sportvereine, antirassistische Initiativen, SPD und Grüne zum Protest gegen die AfD aufgerufen.
Neben der Mobilisierung auf der Straße braucht die LINKE eine klare Oppositionspolitik zu einer möglichen Jamaika-Koalition. Sie muss die Auseinandersetzung mit CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen führen, die mit ihrer Verschärfung der Asylpolitik, aber auch mit ihrem Neoliberalismus die Entsolidarisierung der Gesellschaft und die Verunsicherung von breiten Bevölkerungsschichten maßgeblich verstärkt haben.
Die LINKE kann zurzeit kaum verhindern, dass die AfD im Kleinbürgertum mit rassistischen Parolen Anhänger gewinnt. Aber sie kann in der Arbeiterklasse weiter Fuß fassen: Als antikapitalistische Protestpartei, die die sozialen Kämpfe, wie beispielsweise Mieter- und Umweltproteste oder Streiks unterstützt, etwa bei Amazon oder in Krankenhäusern. So können die, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen, wieder Hoffnung auf Veränderung schöpfen. Erfahrbare Klassensolidarität ist eine wichtige, zentrale Voraussetzung, um das Eindringen der AfD in die Arbeiterklasse zu verhindern. Dies wäre ein wichtiger Beitrag, um den weiteren Aufstieg der AfD zu stoppen und sie wieder gesellschaftlich zu isolieren.
Text im neuen Deutschland

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