Kapitalismus als Religion?

Seminar der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf dem Kirchentag

mit Professor Ulrich Duchrow, Professor Franz Segbers, Christine Buchholz und Professor Michael Brie, RLS

Das Kirchentagsmotto „Soviel du brauchst“ wird von Seiten der Veranstalter vor allem danach befragt, was der Mensch heute braucht und wieviel. Dies wird verbunden mit dem gesellschaftlichen Auftrag der Kirchen – dem Dienst am Nächsten, der Sorge um ein gutes Leben in Frieden, sozialer Gerechtigkeit und unter Bewahrung der Schöpfung. Es geht  um das notwendige Engagement von Gesellschaft wie des Einzelnen. Wie aber müssen sich die Grundstrukturen kapitalistischer Gesellschaften entwickeln, um ein Leben in Würde, sozialer und ökologischer Sicherheit und Solidarität für alle zu ermöglichen?  Wie lassen sich die syste­mischen und strukturellen Ursachen seiner globalen krisenhaften Entwicklung beseitigen, die mit wachsenden sozialen Ungleichheiten, der Zerstörung der Natur und kriege­rischen Ausein­ander­setzungen einhergeht und zugleich ihre demokratische Institutionen entwertet oder entmachtet. Dass es so weiter geht, ist die Katastrophe, schreibt Walter Benjamin schon in den 1930er Jahren, damals angesichts der faschistischen Gefahr und des drohenden zweiten Weltkriegs. Er befragt den Absolutheitsanspruch des Kapitalismus, der sich alternativlos längst als Religion gebärdet – Kapitalismus als Religion. Aber gerade die Alternativlosigkeit wird immer wieder von Linken (Christen, Marxisten, Sozialisten) in Frage gestellt. So wird in der Theologie der Befreiung seit vierzig Jahren der Kapitalismus auch darauf hin befragt, ob er mit seinen vielfältigen Formen individueller und kollektiver „Bestrafung“ (vom Mangel an Essen, Kleidung, Gesundheitsversorgung, Wasser, Bildung bis zum Mangel an Arbeit, sozialen und demokratischen Rechten, von Embargo bis zum Krieg) sich nicht längst als Religion gebärdet. Was bedeutet es heute konkret, wenn Kapitalismus zur Religion wird?  Wo müssen Kämpfe um gesellschaftliche Alternativen heute ansetzen?

Drucken