Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Es war nicht die UNAMID-Militärmission, an der sich die Bundeswehr beteiligt, die die Schrecken des Baschir-Regimes im Sudan beendet hat. Es war die Revolution von 2019, die Baschir gestürzt hat. Die sudanesische Bevölkerung hat gezeigt, was Die Linke seit Beginn der Militärmission wiederholt hat: Frieden und Freiheit wird es nicht durch Militär geben; Frieden und Freiheit können nur von innen wachsen.

(Beifall bei der LINKEN)
UNAMID ist einer der teuersten UN-Einsätze aller Zeiten. Gleichzeitig ist die Lage in Darfur weiterhin nicht stabil und nicht sicher. Auch das haben wir immer wieder kritisiert.
Um UNAMID und die Beteiligung der Bundeswehr daran zu rechtfertigen, behauptete Außenminister Maas in der ersten Lesung vor einem Monat, in dem derzeitigen Übergangsprozess im Sudan würden – Zitat – „Militär, alte Eliten und die junge Zivilgesellschaft zusammenarbeiten“. Ich finde, diese Einschätzung ist naiv und zugleich gefährlich.
Erst vor drei Tagen gab es einen Mordanschlag auf Abdalla Hamdok, den zivilen Ministerpräsidenten der Übergangsregierung. Noch laufen die Ermittlungen, wer den Anschlag verübt hat. Aber eins ist klar: Das sudanesische Militär und die alten Eliten haben sich nicht mit Hamdok und der Revolution arrangiert. Sie wollen die Errungenschaften dieser Revolution zurückdrängen. Eine Außenpolitik, die das nicht klar und deutlich sieht, droht die alten Kräfte zu stärken.
(Beifall bei der LINKEN)
Und das passt gewissermaßen auch ins Bild. Zur Wahrheit gehört: In den letzten Jahren vor seinem Sturz ist Diktator al-Baschir vom Feind zum Partner des Westens geworden. EU und Bundesregierung haben Zigmillionen Euro lockergemacht, damit das sudanesische Regime das dreckige Geschäft der Flüchtlingsabwehr für sie verrichtet. Damit muss Schluss sein.
(Beifall bei der LINKEN)
Es gibt einiges zu tun, um die zivilen Kräfte im Sudan zu unterstützen. Wir fordern die Bundesregierung und die EU erstens auf, weder direkt noch indirekt mit dem Militär und der Nachfolgeorganisation der Dschandschawid-Milizen, die ja an der Regierung sind, zu kooperieren.
(Beifall bei der LINKEN – Christoph Matschie [SPD]: Die Leute im Stich lassen! Das wollt ihr! Ihr lasst die Leute im Stich!)
Zweitens. Das Auswärtige Amt darf die Lage vor Ort nicht beschönigen, um die richtigen Schlüsse für ihr politisches Handeln zu ziehen, aber auch um sudanesische Flüchtlinge hierzulande zu schützen. Das niedersächsi- sche Innenministerium zum Beispiel beruft sich auf die Lageeinschätzung des Auswärtigen Amtes, um den Abschiebestopp in den Sudan aufzuheben. Diese Entscheidung ist ein Schlag gegen die Demokratiebewegung. Wir sagen: Der Abschiebestopp in den Sudan darf nicht auf- gehoben werden!
(Beifall bei der LINKEN) Drittens braucht es einen umfassenden Schuldenerlass und gerade keine neoliberalen Strukturanpassungsprogramme, die die soziale Lage im Sudan weiter verschlimmern würden.
(Beifall bei der LINKEN)
Viertens. Die Verlängerung des UNAMID-Mandates stärkt nicht die zivilen Kräfte im Sudan. Wir lehnen die Mandatsverlängerung ab.
(Beifall bei der LINKEN – Christoph Matschie [SPD]: Sie wissen das besser als die Regierung dort!)

Englische Übersetzung
Christine Buchholz (DIE LINKE): Mr President, ladies and gentlemen. It was not the UNAMID military mission, in which the Bundeswehr is participating, that ended the horrors of the Bashir regime in Sudan. It was the revolution of 2019 that overthrew Bashir. The Sudanese people have shown what The Left has repeated since the military mission began: Peace and freedom will not come from the military; peace and freedom can only grow from within.
(Applause from the LEFT)
UNAMID is one of the most expensive UN missions of all time. At the same time, the situation in Darfur remains unstable and unsafe. We have also repeatedly criticised this.
In order to justify UNAMID and the participation of the German armed forces in it, Foreign Minister Maas claimed at the first reading a month ago that in the current transition process in Sudan – and I quote – “the military, old elites and young civil society are working together”. I think this assessment is naive and at the same time dangerous.
Only three days ago, there was an assassination attempt on Abdalla Hamdok, the civilian Prime Minister of the transitional government. Investigations into who carried out the attack are still ongoing. But one thing is clear: the Sudanese military and the old elites have not come to terms with Hamdok and the revolution. They want to push back the gains of the revolution. A foreign policy that does not see this clearly threatens to strengthen the old forces.
(Applause from the LEFT)
And that fits into the picture to a certain extent. Part of the truth is: In the years before his overthrow, dictator al-Bashir went from enemy to partner of the West. The EU and the German government have released tens of millions of Euros so that the Sudanese regime can carry out the dirty business of refugee deterrence for them. This must stop.
(Applause from the LEFT)
There is much to be done to support the civilian forces in Sudan. Firstly, we call on the German government and the EU to cooperate neither directly nor indirectly with the military and the successor organization, the Janjaweed militias, which are in government.
(Applause from the LEFT – Christoph Matschie [SPD]: Letting down the people! That’s what you want! You let the people down!)
Secondly. The Foreign Office must not gloss over the situation on the ground in order to draw the right conclusions for its political action, but also to protect Sudanese refugees in this country. The Ministry of the Interior of Lower Saxony, for example, refers to the situation assessment of the Foreign Office in order to lift the ban on deportations to Sudan. This decision is a blow to the democracy movement. We say: The deportation stop to Sudan must not be lifted!
(Applause from the LEFT) Thirdly, there is a need for comprehensive debt relief and precisely no neo-liberal structural adjustment programmes that would further aggravate the social situation in Sudan.
(Applause from the LEFT)
Fourth. The extension of the UNAMID mandate does not strengthen the civilian forces in Sudan. We reject the extension of the mandate.
(Applause from the LEFT – Christoph Matschie [SPD]: You know this better than the government there!)