Rede gegen den Krieg in Syrien

02. März 2018  Allgemein, Nein zum Krieg

Am 26. Februar fand vor der russischen Botschaft in Berlin ein Protest gegen den Syrienkrieg statt. Die Kundgebung und anschließende Demonstration richtete sich insbesondere gegen die Dauerbombardierung der östlichen Vororte von Damaskus durch das Assad-Regime und seine russischen Verbündeten, als auch gegen den Angriff der türkischen Streitkräfte auf Afrin. Zu Beginn der Kundgebung habe ich eine Rede gehalten, in der ich auch die Verantwortung der Bundesregierung benannt habe.

Liebe Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner,

während wir hier heute gegen den Krieg in Syrien demonstrieren, bombardiert das Assad-Regime und seine Verbündeten Gebiete in Ost-Ghouta und Idlib.

Während wir hier heute gegen den Krieg in Syrien demonstrieren, beschießt die türkische Armee mit Panzern und Artillerie das kurdische Kanton Afrin.

Wir fordern die sofortige Waffenruhe!

Wir fordern den ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe zu allen Eingeschlossenen!

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Um es klar zu benennen: Diese Angriffe auf Ost-Ghouta und Afrin sind ein Verbrechen.

Allein in den östlichen Vororten von Damaskus sollen in der letzten Woche einige Hundert Menschen bei Luftbombardements ums Leben gekommen sein. Krankenhäuser und Behelfskrankenhäuser wurden angegriffen. Verantwortlich dafür ist das Assad-Regime und seine russischen Verbündeten.

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Währenddessen schießt die türkische Armee aus Kampfpanzern deutscher Produktion auf die kurdische Bevölkerung in Afrin. Sie will die Freiheit zerstören, die sich die Kurden dort erkämpft haben.

Verantwortlich dafür ist der türkische Präsident Erdogan – und auch die Bundesregierungen, die jahrelang Waffen in die Türkei geliefert haben und weiter liefern.

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Wir solidarisieren uns mit dem Widerstand der kurdischen Volksverteidigungseinheiten gegen die türkische Aggression.

Und was macht die Bundesregierung?

Anstatt klipp und klar den sofortigen Rückzug der türkischen Armee zu fordern macht sich die Bundesregierung zum Komplizen bei der Unterdrückung der Kurden.

Die Kriminalisierung kurdischer Organisationen und Symbole der PKK, PYD und YPG muss endlich beendet werden!

Waffenlieferungen in die Türkei müssen gestoppt und die so genannte Sicherheitskooperation beendet werden!

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Gestern erreichte uns die Nachricht, dass der frühere PYD-Vorsitzende Salih Muslim in Prag festgenommen wurde.

Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie sich gegenüber der tschechischen Regierung laut und deutlich für die sofortige Freilassung Salih Muslims einsetzt.

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Auch gegenüber dem syrischen Regime verhält sich die Bundesregierung mehr als zweideutig.

Es ist ein Skandal, wenn sich in der letzten Woche der Präsident des BND, Bruno Kahl, offen zur Zusammenarbeit mit den syrischen Geheimdiensten bekennt.

Auch mit Assad darf es keine Zusammenarbeit auf nachrichtendienstlicher Ebene geben!

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Wir stehen hier heute vor der russischen Botschaft. Der Protestmarsch wird vor die türkische Botschaft führen.

Ich finde: Das ist das richtige Signal.

Denn Russland und die Türkei stehen exemplarisch für die fatale Eskalation, die mit der Einmischung äußerer Mächte in den syrischen Bürgerkrieg eingesetzt hat.

Wir müssen in diesem Zusammenhang auch die USA und ihre internationalen Verbündeten nennen, die mehr als 10.000 Bomben auf Ziele in Irak und Syrien abgeworfen haben, denen unzählige Zivilisten zum Opfer gefallen sind.

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Alle internationalen Streitkräfte und Milizen müssen sich aus Syrien zurückziehen.

Ich schließe dabei ausdrücklich die Bundeswehr ein.

Es ist 11 Monate her, da lieferte die Bundeswehr die Zielbilder für einen Luftangriff der US-geführten Koalition auf ein Schulgebäude in Al-Mansura in der Provinz Rakka.

Bei der Bombardierung dieses Ziels kamen rund 200 Zivilisten ums Leben, darunter viele Frauen und Kinder.

Dieses Verbrechen muss endlich aufgeklärt werden – und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden!

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Die syrische Bevölkerung hat 2011 in einer demokratischen Revolution die Fundamente der Assad-Herrschaft erschüttert.

Die kurdische Selbstbestimmung in Rojava ist Teil dieses Prozesses.

Die syrische Bevölkerung hat das Recht, selbst über ihr Schicksal zu bestimmen!

Die Bevölkerung in Ghouta, Idlib, Afrin will vor allem eins: Frieden!

Als erstes braucht sie eine sofortige und umfassende Waffenruhe an allen Fronten!

Menschen in allen Teilen  Syriens müssen umgehend humanitäre Hilfe erhalten!

 

Und der Bundesregierung sage ich:

Stellen Sie die Geheimdienst-Kooperation sowohl mit Erdogan, als auch mit Assad ein!

Beenden Sie die Waffenexporte in den Nahen und Mittleren Osten!


Ausdruck vom: 21.09.2018, 00:30:12 Uhr
Beitrags-URL: http://christinebuchholz.de/2018/03/02/rede-gegen-den-krieg-in-syrien/
© 2018 Christine Buchholz, MdB