Truppen raus – nicht 2014, sondern jetzt

03. Dezember 2011  Nein zum Krieg

Rede während der Demonstration gegen die Bonner Afghanistankonferenz am 3.12. in Bonn

Hier in Bonn werden übermorgen die Mächtigen der Welt über Afghanistan tagen. Diese Konferenz ist eine Konferenz der Arroganz. Wie die Kolonialkonferenzen des 19. Jahrhunderts verhandeln die imperialistischen Nationen in Europa über ihren Krieg auf einem anderen Kontinent. Das letzte, was die Damen und Herren kümmert, ist das Schicksal der afghanischen Bevölkerung.

Sie ist es, die unter dem Krieg leidet. Auf der Suche nach Aufständischen terrorisiert die NATO jede Nacht afghanische Familien. Im Schnitt werden pro Tag 19 Kommandoaktionen durchgeführt, bei denen die Soldaten Haustüren eintreten und Afghanen im Schlaf überfallen. Die NATO mordet routinemäßig Unschuldige. Die Zahl der zivilen Toten ist auf einem Höchststand.

Sie sagen uns, hier in Bonn spräche der Westen nicht über die Afghanen, sondern mit den Afghanen. Eine ganze afghanische Delegation sei hier vertreten. Das stimmt. An ihrer Spitze steht Präsident Karsai. Er kennt Bonn bereits. Denn er wurde hier vor zehn Jahren eingesetzt. Er ist der Statthalter der NATO. Er regiert das Land nur dort, wo die NATO steht.

Ansonsten ist er auf ein Bündnis mit den Warlords in verschiedenen Regionen angewiesen. Auch sie sind hier. Es handelt sich um eine zerstrittene Gruppe von Kriegsverbrechern und Profiteuren der Besatzung.

Zwei Vertreter der so genannten afghanischen Zivilgesellschaft sind in Bonn dabei. Sie sind handverlesen und regierungstreu.Sie dienen als bloßes Alibi in den westlichen Medien.

Nein. Hier in Bonn wird die afghanische Bevölkerung nicht vertreten. Die NATO-Staaten verhandeln hier mit der Karsai-Regierung über einen Abzug, der noch Jahre auf sich warten lassen soll. Nicht, weil Frieden eingekehrt ist. Sondern weil sie diesen Krieg bereits verloren haben.

Es geht nur noch darum, das Desaster zu beenden. Ohne das zu verlieren, was sie „Glaubwürdigkeit“ nennen. Die Glaubwürdigkeit, dass sie auch in Zukunft jederzeit an jedem Ort Krieg führen können, wenn ihre Interessen berührt sind.

Legt man die ursprünglichen Kriegsziele in Afghanistan als Maßstab an, haben sie jede Glaubwürdigkeit verloren. Laut Oxfam sind in dem Land ein Drittel der Kinder unterernährt. Das Überleben von 3 Millionen Menschen hängt von ausländischen Hilfslieferungen ab.

Es sind die Armut, das Unrecht und der NATO-Terror, die den Aufständischen wie in früheren Kolonialkriegen immer neue Rekruten zuführen. Allein im vergangenen Jahr sind 20.000 afghanische Polizisten desertiert. Der Versuch der NATO, das Karsai-Regime durch Bomben und Razzien zu stabilisieren, ist gescheitert.

Wir kämpfen hier in Deutschland gegen einen brutalen und ungerechten Krieg, den nicht nur die US-Armee führt. Auch die Bundeswehr ist beteiligt. Dies ist das blutige Erbe der Schröder-Fischer-Regierung, die aus den verheerenden Weltkriegen nichts gelernt hat. Ebenso wie die jetzige Regierung Merkel-Westerwelle, die weiterhin gegen den Willen der Mehrheit der deutschen Bevölkerung Gelder und Soldaten opfert.

Diese große Koalition der Kriegstreiber ist eine Schande!

Auf der Afghanistan -Konferenz werden wir wohlfeile Worte hören.?Von Stabilisierung. Von Abzug. Von Deeskalation.

Doch diese Woche haben NATO-Truppen in einem stundenlangen Feuergefecht über zwanzig pakistanische Soldaten getötet. In dem verzweifelten Versuch, einen im Volk verwurzelten Aufstand niederzuschlagen, trägt die NATO den Krieg direkt ins Nachbarland.

Ich betone: Anders als bei den bisherigen Drohnen-Überfällen auf pakistanisches Gebiet handelte es sich nicht um einen US-Einsatz. Sondern um einen NATO-Einsatz. Mit anderen Worten: Die Bundeswehr ist Teil der Ausweitung des Krieges in der Region.

Schluss damit! Wir von der LINKEN sagen: NATO undBundeswehr raus aus Afghanistan! Nicht 2014, sondern jetzt!


Ausdruck vom: 27.06.2017, 15:34:52 Uhr
Beitrags-URL: http://christinebuchholz.de/2011/12/03/truppen-raus-%e2%80%93-nicht-2014-sondern-jetzt/
© 2017 Christine Buchholz, MdB